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von Toni. Er hat die Urkunde wohl erst Mit nach Nomgebracht. Dagegen bedient sich Gregor VII. , der Haupt-vertheidiger der päpstlichen Macht, nirgends der Con-stantinischen Schenkungsurkunde, auch nicht einmal inCanossa gegen Heinrich IV. Auch Jnnozenz III. machtvon ihr keinen Gebrauch in seiner Abwehr gegen dieUebergriffe Heinrichs VI., sondern führt sie nur tn einerPredigt auf den hl. Sylvester an.
Gregor IX. benutzt diese Urkunde bloß einmal (1236)dem Kaiser Friedrich II. gegenüber, um ihm die EhrfurchtConstantins d. Gr. gegen die Kirche vorzustellen; Jnno-zenz IV. (1245) erklärt diesem Kaiser gegenüber, unterBezug auf diese Urkunde, daß Konstantin d. Gr. nichtder Erste gewesen sei, der dem römischen Stuhl weltlicheGewalt gegeben, Nikolaus III. erwähnt daraus (1278)nur die Uebergabe der Stadt Nom an die Päpste, undJohannes XXII. gedenkt blos im Vorbeigehen, in einerWiderlegung des Marsilius von Padua (1327), daßKonstantin den Kaisersitz an Sylvester überlassen habe,unter wörtlicher Anführung der Stelle aus der Urkunde.Das ist, wie Hergenröther (^uti-llunus vinclioatugBd. I S. 369) nachweist. Alles, was in päpstlichenSchriften von der Constantinischen Schenkung vorkommt.
Und als die Gelehrten anfingen, die Aechtheit derUrkunde in Zweifel zu ziehen, da ließ der römische Stuhlihnen völlige Freiheit. Er sah durch die Prüfung dieserfalschen Urkunde feine Rechte durchaus nicht bedroht.Gerade die Theologen leugneten zuerst die Aechtheitder Urkunde, darunter der Kardinal Nikolaus von Cusa und Aencas Sylvius, der spätere Papst Pius II . Weram längsten an dieser Aechtheit festhielt, waren geradedie Kollegen des Herrn Dahn, die Juristen. Das Ver-dienst, dieser Urkunde den entscheidenden Stoß versetzt zuhaben, gebührt dem Kardinal Baronius, dem Zög-ling des HI. Philippus Neri .
Die Anklage der zwei Dahn'schen Romanegegen die beiden Päpste Liberius und Syl-bcrius ist also falsch. Und zwar, wenn man dieGehässigkeit der von diesen zwei Romanen geführtenSprache bedenkt, die keine Gelegenheit versäumt, umchristliche Lehren, Gesinnungen, Ausdrucksweisen und Ge-bräuche zu verspotten, so wird diese falsche Anklage desVorwnrfes der Absichtlichkcit sich wohl schwerlich erwehrenkönnen.
Die falsche Anklage lautet aus ein gemeines Ver-brechen, das von dem weltlichen und kirchlichen Gesetzemit schweren Strafen bedroht wird. Der Dahn'scheBelisar läßt auch den Dahn'schen Sylverins als „deSKaisers gefährlichsten Feind" sogleich durch einen „riesigenHernler" nach Constantinopel znm „Kaiser des Rechtes"abführen. Der geschichtliche Sylverins starb als Opferder berüchtigten Kaiserin Theodora, weil er die von ihrbegünstigte Irrlehre der Monophysiten nicht dulden wollte.Er wird als heiliger Märtyrer verehrt. Papst Urban III. bestimmte, daß einige Kleriker, die das Siegel des Königsvon Frankreich nachgemacht hatten, degrndirt, mit einemBrandmal versehen und des Landes verwiesenwerden sollten.
Die hl. Schrift aber (V. Mos. 19, 16 u. f. w.)sagt: „Wenn ein falscher Zeuge auftritt gegen Jemand,ihn anklagend einer Uebertretung, und wenn die Richternach genauer Erforschung finden, daß der falsche Zeugegegen seinen Bruder eine Lüge ausgesagt, so sollendie Richter ihm entgelten lassen, was erfeinem Bruder zu thun gedachte." Durch den
Schimpf und Abscheu, den die beiden Dahn'schenRomane auf die zwei Päpste zu häufen gedenken, habensie selber deutlich genug verkündet, welche xoana talionis,welche Strafe der Vergeltung dafür auf sieselber zurückfallen muß.
Die deutsche Gesellschaft für christliche Kunst .
(Gegründet 1893.)
(Schluß.)
Im Februar l. Js. wurde an S. Heiligkeit PapstLeo XIII . die Mappe mit einem Begleitschreiben abge-sendet, auf welches S. Päpstliche Heiligkeit die Gesellschaftmit einem an den I. Präsidenten gerichteten Schreibenbeglückte, dessen Wortlaut wir hier in deutscher Ueber-setzung folgen lassen.
Leo r. k. XIII.
Geliebter Sohn, Gruß und apostolischen Segen. Wie DeinSchreiben Uns meldet, baben mehrere katbolische Männer Deutsch-lands , welche die schönen Künste entweder selbst ausüben oderaus jegliche Weise fördern, eine Gesellschaft, deren PräsidentDu selbst bist, in der Absicht und zu dem Zwecke gebildet, diechristliche Kunst bei den Deutscken zu Pflegen. Wir halten diesfür ein heilsames und >ehr zeitgemäßes Unternehmen. Großsind nämlich die geistigen Erfolge unserer Tage; aber allzusehrgerathen oft die edlen Künste auf Abwege, und das zumeistwegen der Lehre Jener, welche, indem sie erklären, die Naturlebenswahr nachzubilden, sich dabei zu große Freiheiten heraus-nehmen und die Gesetze des Guten und des Schönen ebenmäßigverkehren, ja kein Bedenken tragen, selbst den Kunstdcnkmalender Heiligthümer einen weltlichen Geist einzuflößen. DaS ist je-doch ein Unrecht und widerstreitet offen dem, was die Künst-ler bezwecken sollen. Der christlichen Kunst Zweck und Aufgabeist es nämlich, Gott zu dienen- und deßhalb muß sie sich selbsttreu bleiben, d. h. durch Anwendung der äußeren Form dieSinne ersassen, um auf den Geist einzuwirken und ihn für das,was wahr ist und gut und was der Mensch erstreben soll, zugewinnen. Wie rülnncnswerth sich nach dieser Richtung diealte Zeit unter dem Einfluß der Religion hervorgethan, ist Nie-mandem unbekannt. Man muß also in Ausübung der Künsteauf die Beispiele der Alten blicken und von da christliche Be-geisterung empfangen. Gerade dieses birgt das den Künsten zuwünschende Gedeihen in sich, weil die Maler, Bildhauer, Archi-tekten, Ciseleurc niemals eine solche Vollendung erreicht haben,als wenn ihr Gemüth von der Ueberzeugung durchdrungen war,ihre Aufgabe sei, durch Geist und Hand die Seele zu ergötzenund Freude an der Tugend zu verbreiten. Eurer von solchenGrundsätzen erfüllten Gesellschaft wünschen Wir zu ihrer Be-gründung Glück und hegen das vollste Vertrauen, daß sie derReligion und den Künsten sehr förderlich sein werde. Dir nun,geliebter Sohn, und allen Mitgliedern dieser Gesellschaft ertheilenWir als Unterpfand der göttlichen Gaben und zum ZeichenUnseres Wohlwollens voll Liebe im Herrn den apostolischenSegen.
Gegeben zu Rom bei St. Peter am 12. März 1894,im 17. Jahre Unseres Poutifikates.
Diese ebenso herrlichen als huldvollen Worte deshl. Vaters werden den Mitgliedern ein neuer Antrieb zuunermüdetem Wirken sein, zumal da der HochwürdigsteEpiscopat sich in einer Weise unserer Bestrebungen an-nimmt, für die wir nicht genug danken können: in derkurzen Zeit ihres Bestandes sind der Gesellschaft 15 Hoch-würdigste kirchliche Würdenträger als Mitglieder beigetreten;andere haben durch wohlwollendste Zuschriften ihre Sim-pathien bekundet.
Die Mitglieder lassen es denn auch an Rührigkeitnicht fehlen. So ist z. B. die Theilname in Württem-berg , wo das Archiv für christliche Kunst seit langem auf-klärend gewirkt hat und wirkt, eine sehr warme. Rechtviel verdankt dort die Gesellschaft u. A. den Bemühungendes Herrn Pfarrers Detzel in St. Christina bei Navensburg,durch dessen Vermittlung Herr Bildhauer Schlächter inNavensburg die Vertretung der Gesellschaft für die dortige