Ausgabe 
(2.8.1894) 31
 
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Gegend übernahm; für das Decanat Tettnang besorgtdie Vertretung gütigst Herr Pfarrer Bleyer in Fischbach.Hiemit wäre der Anfang zu einer später wohl unentbehr-lichen Organisation gemacht. Für Städte dürfte sich dasBeispiel Eichstätts empfehlen, wo sich durch die Bestreb-ungen des Freiherru Lochner von Hüttenbach und desHerrn geistlichen Rathes Herb ein Localverein mit regel-mäßigen Versammlungen zum Zweck der Förderung derGesellschaft gebildet hat.

Ueberall bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß dieMißstände im christlichen Kunstleben nur im Sinne derGesellschaft mit Erfolg bekämpft werden können; in gleichemMaße stellt sich aber auch heraus, wie die Gesellschaftkein Hinderniß für anderweitige Unternehmungen im Diensteder christlichen Kunst bildet, wie dieselbe vielmehr durchVerbreitung des Interesses für die Schöpfungen unsererMeister und durch Einführung in die praktische Kunst-übung auch das Interesse an der Theorie und Archäologiefördern wird. Wir begrüßen Alles, was der wirklichenKunst zu dienen im Stande ist, Vereine wie Zeitschriften,wobei wir wünschen, dieselben möchten nicht ohne Fühlungmit den bewährten Künstlern vorgehen. Was unsereMappe betrifft, so betonen wir, daß sie sich keineswegsin die Reihe der gewöhnlichen Kunstzeitschriften stellt,welche mehr durch das Wort wirken; sie wird aber zuihnen eine willkommene Ergänzung bilden, da sie mitihren möglichst vollkommenen Ncproductionen von Werkenlebender Künstler unter ungewöhnlich günstigem Zusammen-wirken von Künstlern und theoretisch gebildeten Männernaus allen Ständen in das Leben tritt.

So besteht denn die Hoffnung, daß sich Jahr fürJahr die zerstreuten Kräfte mehr sammeln und durchgegenseitig anregenden Verkehr und Gedankenaustauschdie widrigen, künstlich aufgebauschten Gegensätze einemgesunden, praktischen Wirken Platz machen werden.Mögen der Gesellschaft alle ihre Freunde treu bleibenund mit ihr Opfer bringen, mögen sie derselben rechtviele neue Mitglieder zuführen, damit sie allen Aufgabengerecht werden kann, zu denen nicht allein die Heraus-gabe der Mappe gehört, sondern vielmehr die Förderungaller Regungen christlichen Knnstlebens.

Für die nächste Mappe, welche in zweiMonaten erscheinen dürfte, sind bereits dienöthigen Schritte geschehen. In der Vorstandssitzung vom12. Januar l. I. wurde die Bestimmung getroffen, daßfernerhin der geschäftsführcnde Ausschuß den Vorschlagfür die Jnrywahl zu machen habe, und zwar sowohla) jenen, der an die Künstler, als auch U) jenen, welcheran den Vorstand versendet wird. Daraufhin wurdenam 9. Februar l. I. die betreffenden Circnlare an dieWähler gesendet. Die Wahl ergab folgendes Re-sultat für 1894: die Architekten: Professor GeorgHauberisser , Pros. Heinr. F-rhr. v. Schmidt; die Bild-hauer: Pros. Sirius Eberle, Balth. Schmidt; die Maler:Pros. Franz v. Defregger, Martin Feuerstein ; die hoch-würdigen Kunstfreunde: Pros. Dr. Jos. Bach, Pros.Dr. Paul Keppler.

Am 20. März war die Jurysitzung behufs Aus-wahl der Kunstblätter für die Mappe 1894, wobei Dr.Paul Keppler durch Pros. Dr. Anton Weber vertretenwar. Zu unserer Genugthuung können wir verrathen,daß die nächste Publikation hinter der ersten ganz gewißnicht zurückbleiben, vielmehr neue Netze bieten dürfte.Sie wird Werke enthalten von den Architekten Beckerund Wetterwald, von den Bildhauern Busch, Gamp,

Hetz, Myslbeck, Wadera, von den Malern Baumeister,Benz, v. Defregger , Feuerstein, Fugel, Locher, Müller-Warth, Schleibner, Walch. Leider müssen einige sehrschöne Blätter für später zurückgestellt werden. Die Juryhat auch bereits über die Concurrenzentwürfe zu einemTitelblatt entschieden. Der erste Preis zu 100 Markwurde Herrn Maler Walch zuerkannt, ferner erhieltendie Herren Maler Balmer, Schleibner und Stockmanndrei gleiche Preise ü 50 Mark.

Erfreulicher Weise befindet sich die Gesellschaft schonHeuer in der Lage, an weitere Unternehmungen zu denken.Hiebei dürfte verschiedenes in Betracht kommen. So könntedie Gesellschaft zunächst Concurrenzen unter den ihr an-gehörigen Künstlern für Pläne und Skizzen zuKirchen und Kirchcneinrichtungen, Altären, Statuen, Ge-mälden auf eigene Kosten übernehmen; oder man könnteihr die Restauration eines Gotteshauses anvertrauen, inwelchem Falle sie Zuschüsse gewähren würde. Falls vonSeite eines Mitgliedes ein Gesuch dieser Art käme, wäredie Gesellschaft auch im Stande, Zuschüsse zur Aus-führung von religiösen Werken der Malerei und Bild-hauerei zu leisten. Weitere Anregungen werden der Ge-sellschaft vielleicht aus den Kreisen unserer Mitgliederzugehen. Durch unverdrossenes Zusammenwirken Aller,bei gegenseitiger Nachsicht und Berücksichtigung der vor-liegenden Verhältnisse, wird das so verheißungsvoll an-gefangene Werk immer festere Wurzeln fassen, zahlreicheGönner finden und sich zum Segen des christlichen Kunst-lebens weit verbreiten.

Wir können diesem eingehenden Bericht noch er-freuliche Bemerkungen für die Besucher der diesjährigenAusstellung im Glaspalaste in München hinzufügen unduns hier kurz fassen, da Herr Pfarrer Festing schon ein-zelne Werke in der Beilage besprach, andere aber wohlin dem diesbezüglichen Spezialartikel des Feuilleton er-wähnt werden. Es genügt hier auf die Namen derAussteller hinzuweisen. Pros. Franz v. Defregger istmit einem frischen Mädchen-Portrait vertreten, MalerGeorg Fugel außer dem schon vielgenannten herrlichenAbendmahle (Knt.-Nr. 279) auch durch eine Reihe vor-züglicher Skizzen in der Schwarzweißabtheilung (Kat.-Nrn. 160? u. 8) und einen Karton Mariä Himmelfahrt(Nr. 1609), welche die ganze vorzügliche Begabung desKünstlers erkennen lassen. Alexander von Liezen-Mayer ist ebenda mit schöner KartonkohlenzeichuungDie Heim-kehr" (Nr. 1684), Bonifaz Locher mit Federzeichnungen(Nr. 1685) zu finden. Professor Karl Naupp, derMeister jener bekannten Chiemsecbilder, hat die Aus-stellung mit einem neuen Werke dieses GenresIn höhcrmSchutz" (Nr. 839) beglückt. Schon rast der Sturmüber den See herauf, schon schwankt der Kahn im Wcllen-getös, eine junge Mutter mit herzigen Kleinen ist imfutterbcladenen Schifflein ahnungslos entschlummert; dieUnschuld reiner Seelen spielt auf diesen lieblichen Ge-sichtern. Ueber dieser innigen Gruppe schwebt ernst-freundlich eine durchsichtig-lichte Gestalt, der Schutzengel.Eine Fülle schöner Contraste, herrliche Technik und tiefeEmpfindung haben uns veranlaßt, dieses Gemälde be-sonders hervorzuheben, als ein Beispiel, wie vielseitigdie christliche Kunst in hohem Sinne gepflegt werdenkann. Schleibners KatakombenbildCäcilia" (Nr. 916),Nafael Schuster-Woldan'sNikolaus mit Christkindl"(Nr. 959),Welke Kränze" (Nr. 960),Heilige Cäcilia ",Nöthelzeichnung (Nr. 1745), Em. Walch'sStudienkopf"reihen sich würdig an. Von allen religiösen Gemälden