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der Ausstellung möchten wir Fugels Abendmahl denPreis zuerkennen. Nicht minder gut ist die Gesellschaftbei den plastischen Werken vertreten; obenan zu nennensind Henry WaderL und Georg Busch, dieser mit seinemebenfalls bereits besprochenen Triptychon „Die Marien-sänger" (Nr. 1339) und einer sprechend ähnlichen Porträt-büste des Dichters Martin Greif (Nr. 1340), jener miteinem wahren Prachtstücke „Rosa MMiorr« (Nr. 1487).Diese und die Mariensänger sind sicher in dieser Ab-theilung die bedeutendsten Leistungen religiöser Art.Welchem von beiden gebührt die Palme? — Lassen wirdiese Frage unentschieden und freuen wir uns, zwei solcheMeisterwerke tiefstempfundener christlicher Kunst zu besitzen.Balthasar Schmitt mit einer geistvollen Marmorporträt-büste (Nr. 1469), Jakob Stolz mit einer zarten Marmor-statuette „Psyche" (Nr. 1480) haben vorzügliche Probenihres Könnens abgelegt. Heinrich Ueberbacher's Grab-sigur (Nr. 1483) endlich ist eine treffliche Leistung vonschönem, edlem, fast etwas zu zartem Ausdruck.
Manches haben wir außerdem in der Ausstellunggefunden, was Zeichen erfreulichster Wendung des mo-dernen künstlerischen Bestrebens ist. Manchen Namenlasen wir, den wir gerne im Mitgliederverzeichniß derGesellschaft ebenfalls gefunden hätten. Doch wollen wirandern nicht vorgreifen. Die deutsche Gesellschaft fürchristliche Kunst aber ist auf der Ausstellung in vorzüg-licher Weise vertreten. Vielleicht ist dem einen oderandern Besucher der Ausstellung dieser Hinweiserwünscht.
Jüngeren Besuchern der Ausstellung und solchen,welche die Kunst in ihrem wahren Werthe schätzen lernenmöchten, empfehlen wir, einmal unmittelbar den Vergleichzwischen den Originalwerken des Glaspalastes und dennicht allznfern auftauchenden Fabrikelaboraten zu ziehen.Man sollte meinen, es würden da Jedem die Augenaufgehen über gut und böse. Endlich möge es sich Keinergereuen lassen, den einen oder andern tüchtigen Künstlerin seinem Atelier zu besuchen, er wird gewiß aus demVerkehre mit diesen Leuten mehr Gewinn ernten, alsaus manchem „praktischen Handbuch". Die Wcrkstätteeines gottbegnadeten Künstlers ist Bildungsstätte imedelsten Sinne.
Dr. O. Irdr. L. v. 8.
Von Grenoble nach der Grande Chartreuse.
Von H. Eid.
(Fortsetzung.)
Im Speisesaale entledigte ich mich vorläufig meinerReisetasche und schaute mich daselbst ein wenig um.An der Wand hingen uralte Kupferstiche in hölzernenNahmen, theils benachbarte Wallfahrtsorte, theils dasKloster selbst darstellend. Darunter befand sich auch eineUebersichtstafel über die Aebte der Grande Chartreuse,eine alterthümliche wunderliche Zeichnung auf vergilbtemPapier in einem mächtigen Rahmen. Sonst sind dieWände völlig kahl. Der Raum selbst ist auffallend hochund die Decke ganz aus braunem, massivem Eichenholz-werk mit hervortretendem Gebälke hergestellt, wie ich dasspäter auch in den kleineren Gelassen des Klosters überallbemerkte. Eine lange Speisetafel nimmt die Mitte desSaales ein, und an der Innenwand desselben öffnensich drei Thüren in ebcnsoviele Einzelgemächer, woselbstman Gelegenheit findet, sich auf eine Weile zurückzuziehenxour ckavxer ä'imlftts. Nachdem wir uns durch einen
Trunk Wassers erfrischt und ein bischen ausgeruht hatten,begann das Mittagessen. Es könnte einen wohl die Be-fürchtung ankommen, als wäre ein guter Appetit mittenim weltentfernten Gebirge und zumal im Kloster nichtrecht am Platze. Wer sich indessen mit irgendwelcherBeunruhigung dieser Art zu Tische setzte, der würde garbald gründlich hievon geheilt sein. Unsre kleine Reise-gesellschaft ließ sich der gemüthlicheren Unterhaltung imengeren Kreise wegen an einem kleinen Ergänzungstischenieder, und hier wurden wir, von der großen Tafel-gesellschaft getrennt, wider alles Erwarten nicht alleinnicht vernachlässigt, sondern an erster Stelle und vor-züglich bedient. Der Aufwärter, ein junger Bursche vonstrotzender Gesundheit, mit den feurigsten und gutmüthigstenSchelmenaugen von der Welt, trug die Speisen mit solcherBehendigkeit und so feinem Anstande auf, daß man sichin einem eleganten Hotel hätte glauben können. DerNothwein, der hier zu Lande nie fehlen darf, stand be-reits vor der Mahlzeit auf dem Tische, und auch an denüblichen großen Wasserflaschen mit dem zur Mischungdes Weines bestimmten Inhalte fehlte es nicht. AlsErstes kam eine Suppe, die man anderswo bloß Abendserhält. Es war eine Art Nahmsuppe mit reichlich ein-geweichtem Brod, und sie schmeckte mir nach all denläppischen französischen Gemüsesuppen des Hotels ganzvortrefflich. Dann gab es Thunfisch von ausgezeichneterZubereitung und delikatem Geschmacke, hierauf ausgehülsteBohnen, die man hier seltsamerweise xoiäg, d. h. Erbsen,nennt. Der Nachtisch bestand in Mandeln, Birnen undverschiedenen Küsesorten, und zuletzt wurde jedem derGäste noch ein Gläschen ächter Chartrcuser eingeschenkt.Das waren nun nach französischen Begriffen recht ein-fache, doch schmackhafte und kräftige Fastenspeisen.
Nach aufgehobener Tafel durchwanderten wir unterFührung eines Laienbruders die Räumlichkeiten deSKlosters. Da ich den Plan des außerordentlich weit-läufigen Gebäudes nicht kannte, so kam ich mir, vonTreppe zu Treppe steigend und aus einem Corridor inden andern einbiegend, wie ein im Labyrinth Verirrtervor. Von den vielen Sehenswürdigkeiten des Klosterssind mir der Kapitelsaal, der mit den Bildnissen der 50ersten Ordensgenerale und mit der lebensgroßen, mar-mornen Statue des berühmten Ordensstifters, des hl.Bruno, geschmückt ist, ferner die sehr reichhaltige Biblio-thek, der Speisesaal der Väter, der nur bei festlichen An-lässen benützt wird, und der große, 115 w lange Kreuz-gang noch in guter Erinnerung. Den nachhaltigsten undzugleich düstersten Eindruck jedoch machten auf mich derBegräbnißplatz des Klosters mit der daranstoßcndenTodtenkapelle und die noch unbewohnte Zelle eines kürz-lich erst verstorbenen Mönches. An diesen beiden Ortentritt uns der Geist strenger klösterlicher Entsagung leb-hafter als sonstwo vor Augen. Der Gottesacker ist rings-um von den Mauern angrenzender Gebäulichkeiten um-schlossen; die Gräber sind mit Nasen bedeckt und miteinfachen schwarzen Kreuzen versehen; in der Mitte desRaumes erhebt sich ein großes Kruzifix. Die ganzeFläche steigt etwas an, und der uns begleitende Brudersagte uns, die Todten seien, mit Ausnahme der Aebte,mit dem Kopfe nach unten hin begraben. Zwei graueMarmorplatten, auf denen große Goldbuchstaben prangen,zeigen die Stätte an, wo zwei Herren aus fürstlichemGeblüts nach ihrem ausdrücklichen Wunsche ihre letzteRuhe fanden. Dieser Friedhof, so klein und armselig erauch ist, scheint den Insassen des Klosters das liebste