Ausgabe 
(9.8.1894) 32
 
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9. Anglist 1894.

Mugt zur Sügsöürgcr Ä

Eine Klosterkirche im Stile des Frühbarock .

Monumentalbauten aus dem ersten Drittel des 17.Jahrhunderts sind in unseren Gegenden nicht allzu häufig.Schon an sich war die Zeit wenig baulustig, wenn wirsie mit anderen Perioden, etwa dem Jahrhundert von14201520 oder jenem von 16751775, vergleichen;überdieß vernichtete der alsbald hereinbrechende Schweden -krieg eine Menge der Schöpfungen von damals oder ver-setzte sie doch in einen Zustand, welcher durchgreifendeRestaurationen und damit eine wesentliche Umgestaltungdes ursprünglichen Stilcharakters herbeiführte. Umsogroßer ist das Interesse, welches ein derartiger Bau,sofern er im großen Ganzen unverändert blieb, in An-spruch zu nehmen berechtigt ist.

Die ehemalige Klosterkirche zu Pökling, einemPfarrdorfe 3 Kilometer südlich von Weilheiur, ist zwarnicht ein völliger Neubau aus jener Periode, aber siewurde in den Jahren 162028 so bedeutend im Ge-schmacke der damaligen Zeit umgestaltet, daß sie als Bauimmerhin, und speziell was die Dekoration betrifft, sogarin hervorragender Weise als Vertreterin des Frühbarockgelten kann.

Das läßt sich freilich nicht in Bezug auf das Aeußeredes Bauwerkes behaupten. Die Langhausseiten mit denvielen, kleinen, verschieden geformten Fenstern entbehrenmit Ausnahme des vorderen Chores der Gliederung durchPilaster, Gesimse und Lisenen und bringen, wenn über-haupt von einer Wirkung gesprochen werden kann, dieder Eintönigkeit und Bedeutungslosigkeit hervor, welchedurch die weiße Tünche noch wesentlich verstärkt wird.Der Ostabschluß des Chores ist nach außen hin nichtsichtbar, da ein Flügel des ehemaligen Klostergcbäudesöstlich an die Kirche anstößt. Selbst die Westfagade,sonst wohl der Glanzpunkt bei Barockkirchen, ist vonnüchterner Gestaltung. Malerische Wirkung kommt, vomThurme abgesehen, allein dem stattlichen Portalvorbauzu mit den flankirenven Doppelpaaren jonischer Halb-sänlen, welche über dem elegant gegliederten Gesimse inVasen ausklingen und das zwischen ein weiteres Säulen-pnar der gleichen Ordnung gestellte Portal in die Mittenehmen. Aber dieser Portalbau ist in keinerlei organ-ischen Zusammenhang gebracht mit dem Aufbau der Fa-hnde und dieser hinwiederum ebensowenig mit der innerenBauanlage der Kirche. Der Fatzadenaufbau ist nämlichweiter nichts als eine kahle Mauerfläche mit kraftlos ge-schwungenem Giebel. Der Thurm, am westlichen Endeder Südseite im Jahre 1607 neu aufgeführt, steigt inmassigen Formen, durch Lisenen und Mauerblenden ent-sprechend gegliedert, quadratisch -an und fetzt dann insAchteck über, welches von einem achtseitigen Helme ge-krönt wird. Das verwendete Material, Tuff aus einemnahegelegenen Bruche, eignet sich durch feinen graubraunenTon und die Dimension der Blöcke ganz leidlich fürBarockbauten.

Treten wir nun durch das Westportal, dessen zu-gehöriger Bau im Innern eine Vorhalle bildet, in dieKirche ein, so verrathen die schlanken, achteckigen Pfeilermit ihrer gothischen Sockelprofilirung und die Spitzbogen-form der Scheidebogen sofort die ursprünglich gothischeAnlage des Baues. Die Kirche war ehedem ein gothischerdreischiffiger Hallenbau mit einfachen Sterngewölben; diePfeiler scheinen ohne Vermittlung durch Kämpfer in die

Gewölbe und Schcidebogen übergegangen zu fein, welchletztere durch Abschrägung der Kanten so profitirt sind,daß sie je drei Seiten der Achtcckspfeiler fortsetzen. Aberwie hat der Barockstil diesem Bau den Stempel seinesGeistes aufzuprägen verstanden! Durch Einziehung vonEmporen, Anordnung von Oratorien, Au^brechung vonSeitenkapellcn, Anpassung des Gewölbesystems, durchPilasterschmuck und nicht zuletzt durch die Kunst desStnckaiors ist der Charakter der Gvthik geschickt verdecktund nahezu der Eindruck einer einheitlichen Barockschöpfung erzielt.

Die Klosterkirche zu Posting ist in ihrer dermaligenGestalt ein fünfschisfigcr Bau mit östlich vorgelegtemQuerschiff und doppeltem Ostchor. Das Quer schiff istbereits zum Chor gezogen und nimmt die ganze Längedes ersten Cbores ein. Der zweite vordere Chor ist umeine Stufe über den ersten, dieser um zwei Surfen überdas Langhaus erhöht. Jeder der beiden Chöre bestehtaus drei Jochen, doch ist das vorderste Joch des östlichenChores durch den Hochaltar verbaut. Das Langhauszerfällt in fünf Joche. Je vier Pfeiler und zwei Halb-pfeiler trennen beiderseits das Mittelschiff von den innerenSeitenschiffen. Die Joche der letzteren sind auf quadrat-ischem, die des Mittelschiffes auf rechteckigem Grundrißerrichtet. Die äußeren Seitenschiffe stellen sich als Ka-pcllenräume dar; es sind solcher Räume auf jeder Seitevier, das westlichste Joch entbehrt derselben. Die Kapellenstehen untereinander nicht in Verbindung, da Altäre dieOstwand derselben einnehmen. Weder die äußeren, nochdie inneren Seitenschiffe setzen sich um den Chor fort.Die Länge der Kirche beträgt 51 m, wovon 27,30 wauf das Langhaus, 13,20 irr auf den ersten und

10.50 rrr auf den zweiten Chor (bis zur Rückwand desHochaltares) entfallen. Die Breite des Langhauses ein-schließlich der Seitenkapellen belauft sich auf 29,80 rn,nämlich Mittelschiff 9 m, je ein inneres Seitenschiff6 w, je ein Kapellenraum 4,40 m; der Chor mißt

8.50 in in der Breite.

Die Gewölbe des Mittelschiffes und der innerenSeitenschiffe ruhen auf den Achteckvfeilern und an denUmfassungsmauern auf weit vorspringenden Pilastern,zwischen welchen sich unten die niederen Kapellenräumeim Segmentbogen öffnen und oben spitz geformte Schild-bogen spannen. In den Schildmaueru und in den Ka-pellen sind Fensteröffnungen angebracht. Die Gewölbeder Chorpartie werden von Pilastern getragen. Diedrei inneren Langhansfchiffe haben die gothische Gewölbe-construktion beibehalten, jedoch unter Beseitigung derNippen und Verwischung der gothischen Form der Gurt-bogen. Der erste Chor ist mit einer, wohl auch ausdem gothischen Gewölbe umgeformten Tonne mit tiefeinschneidenden Stichkappen überwölbt. Tadellos voll-kommen gestaltet ist das von kleinen Slichkappcn durch-brochene Tonnengewölbe des vorderen Chores. In diesemzweiten Chöre treten die Pilaster wieder mächtig von denUmfassungsmauern herein; die dadurch gebildeten Nischenhaben transversale Tonnengewölbe. Die Querschiffarmebestehen aus je zwei über einander gelegenen Geschossen.Das Erdgeschoß des südlichen Flügels birgt die Achberg '»sche Kapelle (jetzt Sakristei), das des nördlichen die alteSakristei. Die Obergeschosse bilden Oratorien, welchesich in je drei, hoch und schlank gebildeten Bogenstcllungengegen den ersten Chor öffnen. Das südliche Oratorium