Ausgabe 
(9.8.1894) 32
 
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ist mit transversaler gedruckter Tonne überwölbt, dasnördliche mit einer auf stuckirten Schrägen ruhenden,flachen Holzdcüe versehen. In den äußeren Seitenschiffenfind Nenaiffancekreuzgewölbe angeordnet, deren Grate sichunter der Stuckatnr verlieren. Die Höhenvcrhältnissesind folgende: Mittelschiff 14,90, innere Seitenschiffe12,10, äußere Seitenschiffe c. 4, erster Chor 14 in;der vordere Chor ist um ein Geringes höher alsder erste.

In halber Höhe des Baues zieht sich an den Um-fassungsmauern von Langhaus und Chor eine Emporehin. Dieselbe ist im westlichsten Joch zu einem die dreiinneren Schiffe umspannenden geräumigen Mnsikchor er-weitert, setzt sich dann an den Langhausseiten über denKapcllenränmen fort, die Pflaster mit Durchgängen durch-brechend, geht in die Obergeschosse der Qncrschiffarmeüber und zieht sich jenseits derselben völlig um den vor-deren Chor herum, wo sie sich hinter dem Choraltare zueinem Altarraume erweitert.

Der Raum unter der Westempore bildet eine Artinnere Vorhalle und ist durch ein kunstvolles Nococo-Eisengitter mit dem Wappen des Prälaten Franz Töpsl von dem übrigen Theil des Langhauses getrennt. Dervon diesem Prälaten in den Jahren 1761 67 vorge-nommenen Restauration gehören ferner an die Aus-schmückung und Einrichtung der Seitenkapellen, dasGittcrwerk der Empore mit dem darüber angebrachten,flott geschwungenen Aufsatz, die Orgel, reiche Thürver-kleidnngen im vorderen Chöre, Dekorationsstücke an dengroßen Altären, endlich ein Schmuckkästchen des Nococo-stileS die jetzige Sakristei, früher Achberg 'sche oderReliqnicnkapelle genannt. Diese erhielt ihre dermaligeGestalt im Jahre 1764 und wurde von der MeisterhandJohann Baadcrs mit sehr hübschen Deckengemälden ge-ziert (Mariä Verkündigung und Heimsuchung, ChristiGeburt und die Flucht nach Aeghptcn). Geradezu reizendsind die Malereien an den Sakristeischränken, wahreMuster für Cchrankbemalung im Nococostil; lieblichereKinderköpfchen hat die Kunst jener Zeit kaum geschaffen.

Abgesehen von diesen Zuthaten späterer Zeit, diesich übrigens meist auf Nebenräume vertheilen, hat sichin der Dekoration der Charakter der in den Jahren162128 durchgeführten Restauration durchaus erhalten.

Die DekorationSknnst jener Zeit benützte als aus-schließliches Mittel die Stuckatnr. Für Fresken ist keinRaum übrig gelassen, die Stuckatnr behauptet noch alleindas Feld. Sie ist in der Polliuger Kirche in einerWeise angewendet, welche höchst charakteristisch ist für dieArt des Frühbarock: Nähmenwerk und figürliches Orna-ment walten vor, Pflanzenornamcnt ist spärlicher undnur in streng stilisirtcr Form vertreten. Als Rosettenverschiedener Größe und Gestaltung und als Füllungender Nahmenlcisten tritt das Pflanzenwerk wohl selbst-ständig auf, sonst aber ist es meist mit den Figuren inVerbindung gebracht. Frnchtgewinde, gegen die Mitte zustark anschwellend (Festons), finden sich häufig, vereinzeltauch Tuchgehänge mit eingcflochtenen Blumen. VonAkanthusranken, welche seit der zweiten Hälfte des17. Jahrhunderts eine stets wachsende und zu Endedesselben oft eine beherrschende Rolle spielen, findensich noch nicht die Ansätze, ebensowenig von denspäter mit Vorliebe verwendeten Eichen- und Lorbeerlaub-kränzen und -Stäben. Das einfache Akanthusblait, wiees schon die Antike kannte, ziert abwechselnd mit Engels-köpfen die Kapitelle der Pflaster und der als Säulen

behandelten Pfeiler. Klassische Motive, vor Allem Eier-stab, Perlenschnur und Palmettenornament, werden auchzur Betonung der Ränder des Nahmenwerkes herange-zogen und verleihen, da das Nahmenwerk reichlich zurAnwendung kommt, dem Ganzen einen starken Anklangan den ernst-gemessenen Charakter der Antike. DieStuckatur steht der Renaissance noch bedeutend näher,als dies 50 Jahre später der Fall ist. Man vergleichebeispielsweise die zierlich, fast nach Art der Kleinkunststuckirten Pflaster der Kirche zu Pökling mit den mächt-igen, kannelirten Doppelpilastern der Kirche zu Wetten-hausen. Das Nachklingen der Renaissance zeigt sichsowohl im Pflanzenornament wie in den figürlichen Zier-stücken. Welche Ruhe in Haltung und Gewandung derGenien! Diese wie auch das übrige Figurenwerk, be-stehend in Engelsköpfchen und Halbfiguren, welch letzterehäufig in Blattwerk übergehen, zeichnen sich durch sorg-fältig gearbeitete Gesichtsbildung aus.

Was das Verhältniß der Figuren zu dem Pflanzen-ornament betrifft, so macht man im Allgemeinen die Be-obachtung und auch diese Thatsache dürfte bezeichnendsein für die Stuckatur des Frühbarockstiles, daß dieFiguren die Herrschaft über das Pflanzenornament be-haupten. Letzteres ist den Figuren untergeordnet, wirdvon denselben gleichsam im Zaume gehalten, während essich später dieser Herrschaft entzieht und nicht mehr inUnterordnung unter die Figuren, sondern diesen gleichgeordnet, ja sie überwuchernd, den Decorationszweckendient. Hier aber steht das Pflanzenornament mit denFiguren in einer mehr oder weniger engen Beziehung,es wird von denselben getragen oder zusammengehaltenoder wächst aus denselben organisch hervor.

Als besonders reich und edel stuckiri seien hervor-gehoben: die Kapitelle der Pfeiler, die Pflaster, dieBrüstung der Empore, namentlich in den Chorpartien,die Fenstergewände und die Decken der beiden Chöre.Im Obergeschoß des südlichen Kreuzschiffarmes und indem Altarraume der Empore befinden sich stuckirte Altäre,welche als Typen damaligen Altarbaues und Altar-schmuckes gelten dürfen; der an erster Stelle genannteAltar trägt die Jahreszahl 1624. Sehr bcachtenswerthsind ferner die im Jahre 1687 ausgeführten Thürver-kleidungen am östlichen Ende des ersten Chores. Dergleichen Zeit etwa ist die geschmackvolle Kanzel zu-zuweisen.

Die kunstgeschichtlich nicht unwichtige Frage, ob dieStuckaturen ursprünglich schon Bemalung trugen, wageich nicht mit Bestimmtheit zu beantworten, neige aberzur Verneinung derselben hin; denn die Analogie sprichtentschieden dagegen, ebenso die gewählten Farbentöne;positive Anhaltspunkte für oder wider fand ich jedochtrotz allen Suchens nicht. Jedenfalls sind die Farbennicht ungeschickt gewählt und spätestens bei der Restau-ration von 1761 ff. beigegeben worden. Die starkhervortretenden Theile der Stuckatur sind in zartemBlaugrau gehalten, die Ränder des Nahmenwerkes gelb,einzelne Mittelfelder rosa; meist jedoch ist der Grundweiß belassen. Die Wirkung der Stuckaturen ist durchdiese Art von Bemalung wesentlich gehoben, vielleichtetwas zu kräftig und schwer geworden.

Manches wäre noch zu sagen über einzelne Merk-würdigkeiten der Kirche zu Pökling, wie über das alteCrucifixbild, welches dort verehrt wird, oder über dieDenksteine aus alter und neuerer Zeit. Aber das würdeden Nahmen dieses Aufsatzes überschreiten, der nur zum