Ausgabe 
(9.8.1894) 32
 
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Stolle S. 32 f. selbst dcirthut) mit Vorliebe als militsaOüristi oder ooalsstis inilitig. bezeichnet wurden.^)Zudem läßt sich aus dem Umstände, daß Eucher auseinem vornehmen römischen Geschlechte stammte und langeim Getümmel der Welt gelebt hatte, ehe er sich demDienst der Kirche widmete"), abnehmen, daß ihm die mili-tärischen Verhältnisse und Ausdrücke, wie campiäuvtor,^)oontuffarnalos u. a. m., ebenso wie dem Vegetius ge-läufig waren. Erwähnt er doch sogar die Charge einesssnator rnilrturu, von welcher Vegetius schweigt.Nehmen wir hinzu, daß Eucher die Stärke der Legionnicht, wie Vegetius lid. II, 6, auf 6830 Mann (6100psäitso, 730 Laustes), sondern (gleich Plutarch vitaRomrür 20) auf 6600 Mann beziffert, so wird es frag-lich, ob Eucher das Werk des Vegetius auch nur ge-kannt habe, zumal es durchaus nicht ausgemacht ist, daßVegetius vor Eucherius schrieb.

Ebenso unbegründet ist die Meinung Stolle's (S. 61),Eucherius habe, um die Entfernung des Ortes Agaunumvon Genf kennen zu lernen, ein Jtinerar zu Hilfe nehmenmüssen, da esganz unwahrscheinlich sei, daß Eucheroder auch seine Gewährsleute ihre Reise dahin zum Theilmit Ablesen von römischen Meilensteinen vertrieben* (viel).Denn eS läßt sich kaum annehmen, daß in jener vielbe-reisten Gegend kein Gastwirth oder Kutscher zu findengewesen sei, der über die Entfernung Agaunums vonGenf Bescheid zu ertheilen wußte, gleichwie heutzutagejeder Postillon über die Länge der Wegstrecke, die er be-fählt, sichere Auskunft zu geben vermag. Im schlimmstenFalle brauchte Eucher nur seinen Sohn Salonius , dervom Jahre 441 an als Bischof von Genf erscheint, zufragen, um Aufschluß hierüber zu erhalten.

Noch wunderlicher ist, wenn Stolle S. 62 beifügt,Eucher habe sich auch in der Beschreibung von Agaunum(das er vermuthlich vom Sehen kannte) an die Vorschriftdes Vegetius gehalten, der liff. III, 6 dem comman-dierenden Offizier an's Herz legt, von den Ge-genden, in welchen Krieg geführt wird, sich ge-naue Karten zu verschaffen Eucher war kein Militärund wollte auch nicht Krieg führen. Oder wenn Stolledie Vermuthung äußert, daß Eucher den Namen Hivstavifür seine Legion aus der iHoritia, äiZnitatum Oooi-äentia V und VII entnommen habe! Schwerlich warEucher so thöricht, unter den zahlreichen Legionen, welchein diesem Staatshandbuch des römischen Reiches aufge-führt werden, gerade eine solche als Taufpathin für seineMartyrerlegion zu wühlen, welche eine !ö§io palatinninira, Italiam war, d. h. das Privilegium hatte, inItalien stationirt zu sein.^)

") Vgl. noch die uralten Marlyrerccktcn des hl. Maximilian(Nuinart a. a. O. S. 263) »nou milito saeenlo, seä militoveo inoo.«

'°) Eucherius war scnatorii'chcn Standes und Solch einesValerianus (wabrichciulich des kriseus Valsrianus, praeteotuoxrastorio dalliarnm, eines nahen Verwandten des KaisersAvitus ), dem er leine Schrift äo oontsinxtu muncli widmete.Er hatte aus seiner Ehe mit (Kalla zwei Sötme. walouinSund Vcranius, welche beide gleichfalls Bischöfe wurden. (UeberSaloniuS s. oben A. 10, über Veraniuö, Bischof von Vence ?f. Gams a. a. O. S. 651).

") Aus dem Beisatz »ut in oxoreitu atzxollant« möchteman folgern, daß diese Bezeichnung zur Zeit, wo Eucherius schrieb, noch nicht abgekommen war. Ueber die Rangstufe einesxrimieorins ( xrimi xili eenturio?) und seuutor wilitums. Hieronhmus kammaokium eap. 19 (Migne XXIII, 370).

") S. 71 findet Lrtolle in dem dreimaligen Wüthen Ma-ximians gegen die Thebäer gar etwas symbolisches (eine Be-ziehung zum Geheimniß der Trinität, sioi).

Ueber Schul- und Studienwesen.

Wenn die Geschichte eine Lehrmeisterin ist undsie kann und sollte es sein so haben wir allen Grundin Bezug auf das s. t. angezeigte Thema uns wieder-holt bei der Geschichte zu erkundigen. Wir bleiben dabeizunächst in unserm Lande Bayern . Was wir da alsSpezielles vorführen, wirft zugleich auch einen Reflexauf die allgemeinen Verhältnisse in fraglicher Sache: essind Spiegelbilder für unsere Zeit.

In der ehemaligen bayerischen ZeitschriftEos"vom Jahre 1826 einer Zeitschrift, welcher der Vor-wurfnltramontan" durchaus nicht gemacht werden kann beschäftigten sich drei verschiedene Stimmen mit unsermThema.

Die erste Stimme (in Nr. 5 genannter Zeitschrift)beschäftigt sich hauptsächlich mit der falschen Schul- undHauserziehung des weiblichen Geschlechtes. Hievon wollenwir heute nur die Einleitung zur Sache reproduciren.Es heißt allda wie folgt.

Die gefährlichen Fortschritte einer immer mehr umsich greifenden Krankheit, welche zerstörend auf alle Lebens-organe der Menschheit wirkt, geben dem Beobachter Stoffzum Nachdenken und Klagen. Wir meinen den Egois-mus, der alle Wurzeln der Gesellschaft vergiftet unddas eigentliche Zeichen unserer Zeit ist.

Zwar müssen wir uns selbst als die Urheber deSUebels anklagen, dessen Vorhandensein wir überall schmerz-lich fühlen. Oder waren wir es nicht selbst, die in un-seliger Verblendung weil wir dieAufklärung" be-fördern zu müssen glaubten Alles der Erklärungunterwarfen sogar das Ueberirdischel? Und weilwir die Menschen zum PhtlanthropismuS erziehen wolltenund die Nützlichkeits-Tendenz zum Typus allerErkenntniß von göttlichen und menschlichen Dingenmachten."

Bei der Hinweisung darauf, daß man Alles derErklärung unterworfen, befindet sich eine Note, welcheeine scharfsinnige Erklärung aus Guts Muths Bibliothekder pädagogischen Wissenschaften" (Jahrg. 1804 S. 256)enthält und lautet:Der Grund, warum die ältern,vergessenen Schriften, welche man vormals der Jugendin die Hände gab, mehr als die jetzigen mit ganzerSeele ergriffen wurden, liegt wohl darin, daß ebenjene die Seele des Kindes umfangen, die Phantasie mehrgenährt und das Gemüth tiefer berührt haben, da diemeisten Pädagogen des vorigen Jahrzehnts vor lauterAufklürungssucht in ihren Lehrbüchern gar vorsichtlich allesvermeiden, was etwa Unerklärliches aus einer unbekannten,höheren Ordnung der Dinge mit unterlaufen möchte, unddas Heilige im Menschen auf den dürren kathegorischen Im-perativ zurückführen. Die Sucht, Alles demonstriren undpraktisch fürs Erdenleben machen zu wollen, hatauch in der Pädagogik großes Unheil angestiftet."

Nun heißt es im Haupttcxt weiter:Jetzt hält sichder Mensch an das, was ihm zunächst liegt, an sein Ich!Was die Pflichten an Gott und den Nächsten anbelangt,so hat er gelernt, geschickt und bequem sie mit Wortenabzuthun. Sobald er sich den Kinderschuhen entwachsenfühlt, jagt er nach sogenannter Selbstständigkeit undstreift alle Bande des Gehorsams von sich; daher so vielUnordnung und Zwist in den Familien; so viel ver-kehrte Ansichten in Absicht auf das öffentliche Leben, dengesellschaftlichen Verband, wo Jeder herrschen und Keinerdienen möchte. Dieser Geist des Eigendünkels greift irr