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alle Verhältnisse ein — und rückt und meistert so lange, jbis er die ganze Maschine (Staatsmaschine) unbrauch-bar macht."
Eine andere Stimme der Eos im Jahre 1826 läßtsich (in Nro . 16) unter der Aufschrift „Schul- undStudienwesen" vernehmen wie folgt:
In einer Zeit, wo das Bedürfniß einer festeren,kräftigeren Ordnung im Fache der öffentlichenErziehung und des Unterrichtes am lebendigstengefühlt wird und vielfach besprochen worden; wo durchdie stürmische Bewegnng der Zeit und den ewigen Wechselneuer Pläne, die nothwendig daraus hervorgegangen,die Schule wie das Leben in den wesentlichsten Elementenerschüttert und gefährdet worden ist und noch wird; woselbst der redliche Wille im Ningen nach einer besserenOrdnung, vielleicht aus übertriebener Scheu vor demAlten und aus dem charakteristischen Hange nach neuenund originellen Schöpfungen, oft die wesentlichen Grund-lagen übersehen hat, — thut es allerdings noth, einmalmit nüchternem Auge in die Geschichte der Vorzeit zurück-zusehen — und in den Annalen der vaterländischen Culturjene Lichtprincipien aufzusuchen, denen das Vaterland(Bayern ) das schnelle und stärkende Aufblühen zn einerder gebildetsten Nationen verdankt, und eben dadurch densicheren Leitfaden für die Bildung der gegenwärtigen undzukünftigen Generation zn finden."
Eine Nation, welche über ein Jahrtausend die Rechteihres Thrones und ihren Namen mit der Geschichte ver-flochten hat, steht immer auf einer hohen Stufe der mo-ralischen Kraft und Cultur . Man nehme ihr diese historischeWürde durch Entuationalisirung in den Bildungsprin-cipien, so wird sie verbildet und dadurch demoralisirt;und die fortschreitende Demoralisation — fügen wir bei —bereitet den Sturz der Nation — des Staates — desmächtigsten Reiches!
Da Gott entfremdet Völker, Kronen,
Sank in den Ocean der ZeitZertrümmert eine Welt von Thronen —
Mit aller Macht und Herrlichkeit!
Welch eine furchtbare Mahnung für unsere Zeit!
Vernehmen wir nun wieder unsere Eos-Stimme.Da heißt es des Wettern: „Wenn das Leben eines Volkeswie das Individuelle eines Menschen einer organischenEntwicklung und Fortbildung unterworfen ist; — wenndie wahre Bildung eines Volkes durch ewige, unwandel-bare Principien bedingt ist; wenn in der Volksbildungwie in der individuellen das Festhalten an einemPlane und in diesem konsequentes Fortschreiten — ohneSprung und Lücke, ohne willkürliche (fremdartige —sohin negative) Experimente — nothwendig ist, so werdensich wohl die gegenwärtigen und die künftigen Institute,wie aus der Vergangenheit erzeugt, an den historischenStandpunkt anschließen, jene unwandelbaren Principien,welche vom allweisen Erzieher des Menschen-geschlechtes geoffenbaret oder als Erzeugnisseder menschlichen Vernunft durch die Geschichte bewährt,in sich aufnehmen und für ihre Zeit darstellen müssen.
— Unsere Zeit hat es mit nur zn tiefer Betrübniß er-fahren müssen, welche Wunden unreife Pläne —ax abruptw aus dem Gehirn irgend eines Individuumsentsprossen — den heiligsten Interessen der Menschheitund dem Vaterlande schlagen können."
Zur Zeit, als diese Mahnstimme erscholl, sprühtennoch die stolzen luziferischen Ltchtfunken der „großenPrincipien", welche hauptsächlich die Guillotinen-Revo-lution von 1789 erzeugt.
Dort, wo die Eosstimme von unreifen Plänen spricht,seht sie eine sehr charakteristische Note, welche uns Zu-gleich an die bekannte „akademische Glorification" erinnert.Diese Note lautet: „Abgesehen von dem, wie die Mütterder Literatur' seit so langem die gefälligsten Recensionenund Belobungen über das, was der Doctrine huldigtund angehört, theils selbst machen, theils annehmen— ist man bei uns über diese Tactik längst hinweg. Derwahre Freund des Vaterlandes kennt keinen anderenHumanism ns, mag ihn Doctor Thiersch drehen,wie er will, als den, welchen schon Karl der Große mitden wahrhaften Worten bezeichnete: Mein Volk ge-horche nicht deßwegen, weil es muß, sondern weil esaus Gehorsam gegen Gott will'." Aber wie bringtman das Volk zu diesem wahren Gehorsam? Durch diemoderue Erzieh uugs- und Bildungsweise nicht!
Schließlich wird in der Eos für die so wichtigeZeitanfgabe das Werk „Die Geschichte der Schulen inBayern" von Felix Joseph Lipowsky (1825) empfohlen,„ein unerschöpfliches Quellcnbuch für eine streng wissen-schaftliche, pragmatische Geschichte der vaterländischenCultur und der wichtigsten Principien der National-bildung, welche die Weisen aller Zeiten ausge-sprochen — und die Philanthropen unserer Tage nichterkannt haben"; sagen wir — nicht erkennen mochten —,gleichwie in unseren Tagen der Gelehrtenriug auch dasbeste geistige Erzeugnis; ignorirt oder „verdonnert", wenndessen Verfasser der Doctrin des Ringes nicht huldigt.Dieses hochmüthige oder tendenziöse Jguoriren (wenn esnicht beides ist) ward — und wird noch — zur Nebel-kappe empörender, nicht selten folgenschwerer Geschichts-lügen. —
(Schluß folgt.)
Von Grenoble nach der Grande Chartrense.
Von H. Eid.
(Schluß.)
Der Wagen, mit dem wir bis Grenoble hättenfahren können, war, bis mein Freund sich endlich zumAufbruch entschlossen hatte, bereits abgegangen, und somußten wir uns auf eine etwa 8stündige und umso an-strengendere Fußtour gefaßt machen, als der Regen sichimmer heftiger gestaltete. Wir schlugen diesmal die linksvon dem bei unserm Aufstiege beuütztcn Weg abzweigendeStraße ein, l'Lntröo xar Is Imxpax-, und ich wartrotz des Regens froh, dem Kloster entronnen zu sein.Es dauerte indeß nicht lauge, so waren wir vollständigdurchnäßt und sahen die Unmöglichkeit ein, überhauptweiterzugehen. Kurz entschlossen eilten wir auf eineetwas abseits vom Wege auf einer Wiese stehende Meiereides Klosters zu. Mein Freund klopfte an die verriegelteHausthüre, worauf ein altes, zusammengeschrumpftes,ärmlich aussehendes Männchen erschien, das nach unsermBegehr fragte. Wir baten um die Erlaubniß, uns anseinem Küchenfeuer trocknen zu dürfen, was er uns dennauch gern gewährte, nachdem er uns freilich vorher einermit der Miene der Ueberraschung und des Zweifels an-gestellten Musterung unterzogen hatte. Er führte unsin seine Küche, wo ein lustiges Herdfener brannte, aufdem ein Topf mit Wasser kochte. Wir hingen unsreMäntel ans Feuer und ließen uns selbst mit stiller Be-friedigung neben demselben nieder. Das alte Männchennöthigte uns dann in der gastfreundlichsten Weise, eineTasse Kaffee zu trinken, und ließ sich dabei mit meinemBegleiter in eine lebhafte Unterhaltung ein, an der ich