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machen, da ich gerade bei solchen Fahrten schon öfter er-leben mußte, wie diese Leute oft wegen der geringfügigstenUrsachen die lebhaftesten und rohesten Hansel nicht alleinmit ihresgleichen, sondern auck mit den Reisenden be-ginnen. So unterdrückte ich denn mein Mitleid undathmete erleichtert auf, als wir endlich den Gipfel derMächtig vor uns aufragenden Wasserscheide erreicht hatten,wo ein Pferdewcchsel vorgenommen wurde. Da drobenwar es herrlich. Ein riesiger Tannenwald empfing unsin seinem Halbdunkel und hielt den lästigen Regeneinigermaßen von uns ab. Von den Zweigen und Bestendieser Tannen hingen gewaltige graue Moosbärte insolcher Fülle herab, daß das Waldinnere einen ganzeigenartigen, geisterhaften Anblick gewährte. Jetzt ginges mit dem neuen Gespann frisch hinab ins Thal, undnach 3'/2 ständiger Fahrt durch mächtige Forste, übersteinige Einöden und an kleinen Ansiedelungen vorbeitauchte endlich das weite Thal der Jsöre mit seinenrebenbekränzten Hügeln und seinen aus blauer Fernegrüßenden Schneebcrgen vor uns auf. Drunten liegt dieStadt im Sonnenglanze des Abends. Der Regen hatsich verzogen, und die Menschen ergehen sich in der nunkühleren Luft. Gerne verlassen wir unsre unbequemenSitze, unsre Reisegefährten zerstreuen sich nach allenSeiten, und wir sind wieder daheim im schönenGrenoble .
Recensionen und Notizen.
Apologie des Christenthums. Von b'r. Albert MariaWeiß 0. ?r. I. Bd. Der ganze Mensch. Hand-buch der Ethik. Dritte Auflage. Mit Approbation deshochwürdigstcn Herrn Erzbii'choiS von Freibnrg und Gut-heißnng der Ordcnsobcrn. Freiburg , Herder 1891, (XVIu. 808 S,) M. 6, geb. M. 7,80.ik. v. I,. Fort mit d,m Glauben an das Uebcrnatürliche!DaS ist die Lotung der modernen Feinde des Christenthums.In Kort und L-ckrift suchen sie unermüdlich ihren teuflischenZweck zu erreichen. Wie sie offen gestehen, wollen sie eineglaubenslose L-itllickkeit. Und diese preisen sie an als natürliche,naturwissenschaftlich begründete, bessere Sittlichkeit. Solchengottlosen Bestrebungen müssen wir unserseits manuhasr ent-gegentreten. Da heißt es, warnen und mahnen und vom Ge-gentheil überzeugen. Eine wahre Rüstkammer dazu bietet derjetzt in dritter Auflage erschienene erste Band der Apologiedes Christenthums vom Dominikaner -Pater Albert Maria Weis;.Ohne Gott bleibt der Mensch ein Räthsel. Ohne Gotr wirddes Menschen Würde entehrt. Mit Gott allein läßt sich seineAusgabe lösen. Diese Au'gabc des Menschen nun sucht derVerfasser im 1. Bande, ganz unabhängig von allen Lehren desChristenthums, auf rein psychologischem und philosophischemWege klar zu machen. Er verfolgt den Gegner aus dessen ei-genem Gebiete und legt seinen ganzen Irrwahn bloß. Nachden Grundsätzen einer gesunden Philosophie lernen wir denMenschen kennen, wie er sein soll, den ganzen Menschen,gerecht gegen Gott, gerecht gegen die Nebcnmenschen, gerechtgegen sich selbst. Mit den Vorschriften der Vernunft zur Er-reichung unserer menschlichen Vollkommenheit steht durchaus imEinklänge, was zu diesem Zwecke die Lehre des Christcnibumsvorschreibt. Im Christenthum wird die natürliche Befähigungund Bestimmung des Menschen keineswegs verkümmert; viel-mehr gerade von ihm deutlich erkannt und von ihm alleinernstlich und ganz zur Anerkennung gebracht. So haben wirdenn, wenn auch in freierer Form, im 1. Bande der Apologieein treffliches, überaus praktisches „Handbuch der Ethik". —Die vorliegende dritte Ausgabe ist mannigfach umgearbeitet,insbesondere in der Eintbeilung geändert. Gegenüber den 3 Ab-theilungen der zweiten zerfällt die neue Ausgabe in 4 Abtheil-ungen: 1) die Kräfte des ganzen Menschen; 2) das Uebungs-feld des ganzen Menschen; 3) wie das Christenthum zum ganzenMenschen erzieht; 4) wie sich einer selbst zum ganzen Menschenbildet. Durch diese Anordnung wurden zwar die Vortrüge 8—15umgestellt, die einzelnen Abtheilungen aber, dem Umfange nach,
> gleichmäßiger, sowie Klarheit und Uebcrsicbtlichkeit des Ganzennicht unbeträchtlich erhöbet. — Alle, die noch Liebe zur Wabr-beit und Gerechtigkeit haben, werden durch Lesung unseresBuches nothwendig zum Gcständniß gezwungen, daß Ebrinusmchr bloß zu Christen macht, sondern auch zu echten Menschen.Die auf seine Religion den Vorwurf schleudern, als nehme neuns die Erde und vertröste uns auf den Himmel, wissen nickt,was sie sagen. Die kennen unsern Glauben schleckt, welche nickterfassen, daß er auch das Angesicht der Erde erneuert bat. Wiraber, die wir Christ- Jünger bereits sind, wir haben die ver-antwortungsvolle, ernste und große Aufgabe, durch unsernWandel dicier Wahrheit den Weg zu den Herzen zu bahnen.Dem Zweifler' würde selbst der letzte Aubalt zum Widersprücheentzogen, wenn alle Christen die schönen Worte Stolbergszur That und Wahrheit machten:
Ihr habt die Lehre, haltet, waS ihr habt>
Sie ist's, für welche Märt'rer bluteten,
Sie gibt im Leben wie im Tode Ruh',
Der Dämm'rung Rübe vor dem Morgenroth,
Und strahlet einst in vollem Mitkagsglanz.
Baut, Cbristcn, baut auf diesen Felsengrund.
Die falschen Lehrer ban'n auf falschen Sand.
Wengcnmayr Florian. Der KrippleS-Verl. EineErzählung aus Schwaden für die Jugend und das VolkHimmlische Liebe. Eine Künstler- und Reiienovelle. Ka-tholische Jugend-Bibliothek. Kcmpteu, Köiel. 1894.t>. Eines der Hauptübcl, an denen unsere Zeit krankt, ist un-streitig die Lesewutb, d>,e fast alle Alter, Stände und Geschlecktercr^rstfcn hat. Mir Reckt wird dagegen anmkämpfen versucht,mit Reckt wird immer wievcr auf die Gefahren hingewiesen,die darin für Glaube unv Sittlichkeit liegen. Allein so wiedie Dinge nun einmal gelagert sind, ist wenig Aussicht vor-banden, daß dem Uebel erfolgreich gesteuert wird und cS kannsich daher nur darum bandeln, dein chrislkatbolischen Volke,insbesondere der heranwachsenden Jugend, gute, gediegene, vomkirchlichen Geiste durckwebte Schriftiir in die Hand zu geben.Gott Lob feblt es uns an solchen nickt; außer umern um diekatholische Sacke so hochverdienten Zeüuincn und UisterbaltungS-blättcrn sei beiipielsbalber nur hingewiesen auf Männer wieSteigenbergcr, den leider allzufrüh dahingegangenen Franz vonSeeburg und den unermüdlichen Konrad von Bolanven. Be-züglich des letzteren bat uns erst unlängst ein wackerer, deinGewerbestandc angehörender junger Mann geschrieben, wie erin seinen! 21. Lebensjahre in der Fremde durch die Lektüre derkirchenscindlichen Zeitschriften „Der Feierabend" nud „Chronikder Zeit" bereits in Gcsabr war. auf Abwege zu gerathen, undwie er dann glücklicher Weise einige Lände Bolanden und auchdes katb. Hausschatzcs in die Hand bekommen und dadurch inder Liebe zur Kirche wieder unerschütterlich bestärkt morden sei.Und wie vielen Andern mag es ähnlich ergeben, wie viele jungeLeute fallen durch die Lektüre glaubensieindlichcr Schriften, dieja heutzutage jedem in's Haus gewinnen werben, dein Unglaubenanheim. Wahrlich, jene Männer criüllen eine wahrhaft apostol-ische Mission, die, von Gott mit dein Charisma des Wortesund der Kunst der Darstellung bcgnadcr, znr Feder greifen,um das Volk und besonders die Jugend in der Liebe zur christ-lichen Weltanschauung zu erhalten und das lodernde Feuer derIdeale für daS wahrhaft Große, Gute und Schöne zu schüren.Eine vielversprechende Kraft tritt nnö im Verfasser obiger Er-zählungen entgegen. Die „himmlische Liebe" bietet uns herr-liche Schilderungen aus Italien , im „Kripples-Verl" schilderter in mitunter ergreifender Weise des armen LandmanneS Freudund Leid, sein stilles, gottergebenes Arbeiten und Dulden, Lebenund Sterben, Straucheln und Wiederaufstehen, und dürfte nichtleicht jemand das Büchlein ohne innere Erhebung zu Ende lesen.Wengeumayr hat unstreitig reiche Anlagen zu belletristischenArbeiten, und wünschen wir nickt bloß in seinem eigenen, son-dern auch im Interesse der guten Sacke, daß er seine Kraftnoch weiter ausbilde und an der Hand erprobter Meister ent-wickle, Insbesondere dürfte die Handlung spannender, dieFäden feiner gewoben, die Charaktere schärfer und individuellergezeichnet und von allen Uebertreibungen nach der einen wienach der andern Seite freigehalten werden. Der katholischeSchriftsteller kann dem «katholischen nicht auf das Gebiet desPikanten und Prickelnden folgen; aber gut schreiben, lebendig,fesselnd, feurig, das kann und soll auch er. In diesem Sinnerufen wir dem jugendlichen Verfasser ein wohlgemeintes „Glückauf" zu.