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ein späterer Abschreiber den ihm unbekannten OrtsnamenOobocluruw mit ooto äisrniu vertauschte, dagegen kaumglaublich, daß octo äisrnm in Ootoäurnm verwandeltworden sei. Auch steht es durchaus nicht fest, daß derKaiser Maximian von Mailand kam, welches nach StolleS. 70 etwa acht Tagmärsche (189 röm. Meilen — 80Wegstunden) von Agaunum entfernt ist, und daß er dieseReise nirgends unterbrach; nach unserer Vermuthung kamer vielmehr vom Nheine her. Endlich ist die Lesartcirca, Octcärrrnnr durch den Wortlaut der zweiten Re-cension, welche eine frühe Ueberarbeitung der ersten ist,gestützt und paßt vortrefflich zu den vorausgehendenWorten der Passio „ülaxirnianus nvn Icu^c afferab",da Octodurum nur 12 röm. Meilen (— 4 Wegstunden)von Agaunum entfernt lag.
Oax. V ist für §rsx äominicarnva vvinm dieLesart des coä. ffurensis Zrsx äomiuicns oviurn her-zustellen, vgl. coä. Oarol. sä. TaM ex. 10: ns äi-sxerg'Lvtur anrxlius oves Oominici §re^is (Mntth.26, 31; Zach. 13, 7; Mark. 14, 27). Für „vontantura totere ackclinis" (cax. VII) bieten zwei Hand-schriften der Münchener Hof- und Staatsbibliothek, nämlichatm. t 8220 (Dcx. 220) s. X u. clm. 22020 (tVessok. 20)s. XII, wohl richtiger „nuo tanturn 1 obere oä-clivis". In der iuamototio wissac (— Präfation)der altgallikanischen Messe ist für nee crun tontis ut(Stolle S. 108) offenbar nee unvtoti surrt zu lesen;weiter unten mag iro oder rotstes vor inimivoruin aus-gefallen sein. Zu S. 109 Drojauuin uet Xanten be-merken wir: Die Bezeichnung Drojauum für Tantenstammt davon her, daß unweit von Tanten (— eostravetero) die ootonio Drasaua angelegt war. Dieserletztere Name wurde frühzeitig zu Iroio in Beziehunggebracht (s. den Anonymus Ravcnnas); daher auch die(schon von Fredegar OrsA. Dur. trist, exitow. 2 be-richtete) Sage, daß die Franken (welche Tanten eroberten)von dem alten Troja gekommen seien und am Nheineeine zweite Stadt dieses Namens angelegt hätten. Hie-durch wird die Ansicht Stolle's S. 41 hinfällig, daßder Name Drojonuiu für Tanten vor dem 11. Jahr-hundert in der Literatur nicht vorkomme. Uebrigenshaben wohl die Bollandisten Recht, wenn sie behaupten,daß die von Mombritius Louutuorruui I, 217 v. edirtekassio sancicruru Oassü «t tilorsrrtii rnaitxrnrrr curnsocris eornin et Ocrcouis uuur sociis eins nur einAuszug aus dem Sermon des Cisterziensers Helinandus(1- 1227) sei (s. H.. 88. Volt. Oot. V S. 36 f. vgl.ebenda S. 17 v. 15), denn erst Heliandus scheint diethcbäischen Märtyrer der Orte Agaunum, Köln, Bonn ,Tanten mit einander in Zusammenhang gebracht zuhaben.
S. 110 ist unter Llcr^issslns LZrixpivos co-clcsias sxiscoxus jener Lkcr^isilus zu verstehen, denGregor von Tours äs §1or. ruort. 61 und 62 bei einerähnlichen Gelegenheit erwähnt. Vgl. über ihn nochIrrst. ccclss. X, 15.
Ueber Schul- und Studienwesen.
(Schluß.)
Unsere Vorfahren gaben den öffentlichen Schulenden herrlichen Namen „Werkstätten des GeistesGottes". Auch Herder wünschte, es möchten unsereSchulen solche erhabene Werkstätten sein; als er fühlte,wie weit auch in seiner Zeit die Schulen davon entferntseien. Und er schrieb (in seinen Schulreden): „Wir wissen
Alle, daß unsern Zeiten (und 1894 erst recht!) nochimmer, wie vor einem halben Jahrhundert, der Vorwurfgemacht wird, daß nicht, wie in den alten Zeiten, unsereWeisheit im Leben ausgedrückt wird — und von denSitten ausgeht und auf Sitten zurückführt. Sie — dieWeisheit — wohnt bei uns mehr im Kopf, als im Herzen
— und hat meistens mehr unser Gedächtniß berührt, alsunsere Denkart und Sinnesart gebildet. Die un-ermeßliche Luxurie in den Wissenschaften, ihre fastunübersehbare Vermehrung Hai uns zu Sklavender Wissenschaft gemacht — oft ohne alle Selbstbildung —:wie manche Jugendseele ging im trügerischen Organ desVielwissens, der,Allgelehrsamkeit' unter." So weit —Herder. — Diese und ähnliche alte Mahnungen scheinenin der modernen Gclehrtenwelt spurlos verhallt zu sein.
Eine weitere Eosstimme aus dem Jahrgang 1826
— S. 124 — bietet ebenfalls einen vortrefflichen Spiegelfür unsere Zeit. Der Verfasser anerkennt vollständig,daß die Wissenschaften nothwendig; er hätte „auch nichtsgegen die Aufklärung", aber meint — und mit Recht,daß man „mit diesem Worte — besonders bei denOppositionsgliedern der Religion — Etwas mit diesemNamen nennt, was das reine Licht der Wahrheit ehertrüben, als die Finsterniß des menschlichen Geistes auf-zuhellen scheint". „Die Zeit ist bei Vielen noch nichtvorüber, wo man glaubte, der Mensch müsse so frühzeitigals möglich über religiöse Dinge verständigt' — dasheißt, auf ganz natürliche Weise über Gott, mensch-liche Bestimmung u. s. w. unterrichtet werden; dagegen
— ohne bei diesen Dingen lange zu verweilen — mitbesondern! Eifer über seine gesellschaftlichen Interessenaufgeklärt und in Allem, was ihm in der Welt Ruhm,Ehre, Nutzen, Vortheil und Genuß gewähren kann, aus-gebildet werden."
Man hat nach dieser Meinung länger als einhalbes Jahrhundert hindurch die Menschen zu erziehenund zu unterrichten gesucht —: und auf diese Weise derSelbstsucht das Vernichtungsschwert gegen Thron undAltar, gegen Personen und Eigenthum — und gegendie wahre Freiheit und Gleichheit in die Hand gegeben.Wegen der geistigen Vcrirrung will nun der Verfasserden Geist durchaus nicht in Fesseln geschlagen wissen;aber er fordert eine vernünftige Erziehung und Bildung,und zwar auf wahrhaft christlicher Grundlage. Erweist hin auf die Ungeheuerlichkeit des wissenschaftlichenStrebens, auf das „unübersehbare Feld von Theorienund besonders auf die Anforderung an die Jugend, wodurch übermäßige Anhäufung gelehrter Kenntnisse derGeist überladen, jede freie Entwicklung gehemmt, die klareund zweckmäßige Anordnung — und eben dadurch einzigmögliche Benutzung des Gesammelten erschwert, jeder Be-urtheilung die eigene Ansicht, jeder Mittheilung die be-lebende Kraft entzogen — und somit der Geist in jeneunbegreifliche Lage versetzt wird, wo er nichts zeigen kann,als das Gewicht der auf ihm lastenden Schätze (dieSchütze selbst aber nicht)".
„Wir haben (sagt unsere Eosstimme weiter) vorlauter Aufklärerei den erleuchteten und erleuchtendenGlauben, vor lauter Gelehrsamkeit den nüchternen,reinen Sinn und daher auch das klare, faßliche Wort,mithin vor lauter ,umfassender Kenntniß und Ver-ständigkeit' das rechte Verständniß unserer selbstund alles dessen verloren, was uns zunächst liegt."
Wiederholt verlangt der Verfasser die Pflege desreligiösen Geistes in den verschiedenen Fächern der Wissen»