schuft (also auch — und hauptsächlich sogar an deu Uni-versitäten!), indem er sagt: „Die Philosophie mußzur Wahrheit und zur Tugend führen; aber nicht zudieser oder jener Wahrheit eines Systems, dessen Principiendie Philosophen selbst in die größten, die Philosophieselbst herabwürdigenden Streitigkeiten verflechten, sondernzu jener Wahrheit, die in Gott ist; aber wieder nichtin dem von den Philosophen bald so oder so aufgefaßtenGott; sondern in dem ewig unwandelbaren Geistedes uns von der Religion gelehrten einzig wahrenGottes." Wie man nun christliche Philosophie lehrenmüsse, ebenso verhält es sich mit der Geschichte, derRechts- und der Naturlehre älterer und neuester Literatur.Alan trage nichts in die Geschichte, man bürde ihr nichtsauf, man mache nichts Uuheiliges aus dem Heiligen,nichts Falsches aus dem Wahren, nichts Ncchtsloses ausdem Rechte, nichts Nanmvivrigcs aus Natürlichem.
Man lehre jedes Fach in der ihm eigenthümlich(naturgemäß) zukommenden Weise — in klarer Ord-nung, jedes für sich, in harmonischer Verbindung zu-und untereinander — und in gleicher, reiner Beziehungauf ihr Allgemeinesund „Höchstes — auf Gott ".— So wird ein Glauben, der beseligt, ein Wissen undHandeln, das fruchtet, erzeugt; so erreicht die Schuleihre rechte Bestimmung; die Wissenschaften werden erlernt,ohne daß man die „freien" Studien versäumt; der Menschreift übcrdieß noch zu ciwas Besserem, als zum bloßennä lwo. Aber was dieses aä !ic>o betrifft, so wird ernicht nur unterrichtet genug sein, allen Anforderungenseines Gcschüstsberufes entsprechen zu können, sondernauch gewissenhaft und redlich genug, um demStaate, dem er dient, genügen zu wollen.
Also die Philosophie nicht von der Schule ver-bannen; aber jene Philosophen und Lehrer überhaupt,welche nicht für die positive Religion und die allgemeineWohlfahrt des Staates eintreten, sondern nach beson-deren Absichten erziehen und bilden; deren ganzes Dichtenund Trachten dahin zielt, gewisse „Lieblingsidecn derZeit als vorzüglich einer politischen Partei, einer philo-sophischen Schule (Zunft) oder religiösen Sccte in denGeist der Jugend zu verpflanzen. — Nach den modernenWeisen müßten, weil die Zeiten wechseln, auch der Glaubeund die Ueberzeugung sich ändern, und das Recht undmit ihm die Einrichtung und Verfassung des Staatessich beständig umgestalten".
Paffen nun wohl diese Worte, welche vor längst60 Jahren gesprochen, etwa nicht für unsere Zeit?
Man hat auf gewissen Seiten von jeher nicht unter-schieden zwischen verändern und richtig verbessern —vervollkommnen. In diesem Sinne soll und mnßdie Welt, die Menschheit immer fortschreiten. Der wahreFortschritt vollzieht sich nach bestimmten Entwicklungs-gesetzen, welche die Vernunft im Bereiche des göttlichenOffcnbarungslichtes erkennt. Wohin aber — bei allerIntelligenz — der Fortschritt führt, welcher dieses gött-lichen Lichtes sich entzieht, das bezeugen uns — leiderin nur zu sinnenfälliger Weise — die Früchte des neu-paradiesischen Erkenntnißbaumes, dessen Schlangenkronenicht mehr der Socialdemokratismns gemeinhin ist, son-dern der Anarchismus — das ist der völlige religiöseund politische Nihilismus.
Senden wir für unsere Sache nun auch einen Blickin die altheidnische Cultnrwelt.
Wie beschämen viele alte heidnische Weltweisen diemodernen „Weisen" im christlichen Zeitalter! Wie haben
sie doch bei ihren verschiedenen Studien immer die Gott-heit gesucht und das Verhältniß des Menschen zu ihr!Mit welcher Ehrfurcht haben sie ihre religiöse Pflicht er-kannt und bethätigt. Und wie haben sie vor Allem daraufgedrungen, daß die Jugend religiös erzogen und gebildet
— und tugendhaft werdet Denn „die Seele des Menschenist", wie Cicero lehrt, „gleichsam ein Tempel der Gott-heit". Wie scharfsinig, herrlich überraschend, als voneinem Heiden kommend, ist seine Erklärung oom Gewissen
— von der „nruFnn vis aonsoisntüns etc."*) —undüber die Pflichten des Menschen zur Gottheit. Ge-rade in diesem religiösen Suchen dieser Heiden ist ihreVernunft erstarkt und erhellt worden, und so ward ihnendie Tugend nicht nur von hohem Werthe, sondern eineheilige Pflicht, und in diesem Sinne erzogen sie dieJugend und lehrten sie die Weltweisheit. Wie hoch auchimmer die alten Weisen Griechenlanos und Roms dieWissenschaften schätzten und ihre Pflege förderten, sieachteten sie dennoch wenig, wenn sie nicht zur Tugendleiteten. Ja, sie hielten sie nicht nur für nichts, sondernsogar für gefährlich, wenn sie ohne Gottesfurcht waren,denn sie vermöchten so nicht einen einzigen sittlichen Fehlerzu verbessern, nicht die Leidenschaften zu zähmen, son-dern sie würden im Gegentheil sie entzügeln und besondersdie Jugend hochmüthig machen. Aehnlich spricht Seneca (Lpto. 59), der namentlich den Grundgedanken des Platonfolgt: der Endzweck der Erziehung und Bildung sei —die Jugend tugendhaft zu machen; und daß der-jenige, der sich von diesem Endzweck entferne, bei allseinen etwaigen sonstigen Verdiensten der Hochachtungund des allgemeinen Beifalls nicht werth sei. Ach —wenn unsere modernen Gelehrten doch beherzigen möchten,was die alten Weisen in ihrer heißen Sorgfalt für dieErziehung und Bildung der Jugend geschrieben und ge-lehrt haben! namentlich Platon, L'cnophon (in seiner herr-lichen Cyropä), Cicero, Seneca , Quintilian — schondiese genügen.
Zum Schlüsse wollen wir noch einen besonders zubeherzigenden Punkt des Universitütslebens in Betrachtziehen.
Ein höchst wichtiges Kapitel ist die „akademischeFreiheit ". Die vielen Unbotmäßigkciten, ärgerliche,nicht selten scandalöse Auftritte an den Hochschulen be-zeugen klar, daß hier tiefere Uebelstände herrschen, alsman gebotenen Ortes sich zugestehen will. Der aka-demische Bürger ist denn doch noch mehr Jüngling alsMann; da herrscht noch die üppige Kraft — und lodertheiß die schwer zu zügelnde Phantasie: mit diesen Mächteneint sich nicht Maß und Ziel, wenn der Freiheit nichtals Correctiv die religiös-moralische Kraft zur Seitesteht. Aber — selbst diese muß verloren gehen — undzwar positiv und negativ zugleich, wenn der Hochschülerohne religiöse Uebungen, ohne moralische Veredelungmehrere Jahre hinbringt — und dazu noch vom Kathederherab Lehren vernimmt, welche die letzten Wurzelfasernseines positiven Glaubens zerstören.
Da muß man doch Respect vor England haben.Die Britten haben es längst erkannt, daß unter denSternen nur eine relative Freiheit möglich ist — unddaß diese auch bei der studierenden Jugend ihr Correctivin der Religion haben muß: darum gibt es in England keinen „Tempel der Wissenschaft" ohne einen Tempel