Ausgabe 
(23.8.1894) 34
 
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Kunst ihren Höhepunkt bereits überschritten hatte, unddurch Neuerungen den immer mehr fühlbar werdendenMangel an innerem Werth zu ersetzen suchte"?) Ausden zahlreichen von Stephani angeführten Beispielen gehthervor, daß mau alle Götter mit Nimbus und Strahlen-kranz darstellte und diese Darstellungen vorzugsweise denZweck verfolgten, ihre himmlische Abstammung, also kurz-weg ihre Göttlichkeit dnrzuthun so bei Zeus, Athene ,Hermes , Poseidon, oder auch ihre furchtbare, fchrecken-und verderbeuverbreitende Macht eine Göttererscheinnnggalt ja als tödtlich zu versinnbildlichen. So beiThetis , Hekate, Pluton, Spinxeu, Eryuien u. a.

Doch war man im Anfang mit der Anwendung desNimbus noch sparsam und that es nur, wenn wieoben angeführt innere Gründe dafür vorhandenwaren. Spater wurde die Anwendung aber immerhäufiger und drang von den Griechen auch nachweislichnach Indien, Acgypten und zu andern Völkern. Sozeigen die noch aus griech. Knnstbetr. hervorgegangenenMünzen der indischen Könige zum erstenmal die Gott-heiten OIrro Lornaro und andere mit Nimbus. Sehrausgedehnten Gebrauch vom Nimbus machte der Buddhis-mus ?) Ob freilich die altslavischen Götterbilder mitNimbus auf griechischen Kunsteinfluß zurückzuführen sind,dürfte schwer zu entscheiden sein?)

Unter Angnstus wurde die Anwendung des Nimbusso allgemein für alles Göttliche und Vergöttlichte, daßvon da an die Regel gilt: Alles, was äivnm ist,hat den Nimbus.

Dazu kam noch der neue Gebrauch, durch den Nimbusden Träger einer Gewalt zu kennzeichnen oder die Haupt-person einer künstlerischen Composition hervorzuheben.In diese Zeitperiode nun trat das Christenthum ein undverwendete für seine religiösen Darstellungen gleichfallsden schon so allgemein gebräuchlichen Nimbus, der jain seiner Bedeutung als überirdischer Lichtglanz denchristlichen Anschauungen völlig entsprach.

Das Antlitz des Moses leuchtete?) von Christusheißt es bei der Verklärung: Sein Angesicht leuchteteund seine Kleider wurden weiß wie Schnee,^) undI. Joh. 1, 5 heißt es geradezu: Gott ist Licht und inihm ist keine Finsterniß.

(Schluß folgt.)

Erbliche Belastung."

Von Pros. vr. L. Haas.

In einem AufsätzeWinke für die Seelsorger übereinige Quellen des Irreseins" von vr. Anton Schund,kgl. Bczirksarzt in Viechtach, im 6. Heft der Passauer theologisch-praktischen Monatsschrift Jahrg. 1894, volllebendiger, für das praktische Bedürfniß etwas zu poet-ischer Ausmalung, findet sich an erster Stelle der ominöseAusdruckerbliche Belastung". Ich für meinePerson möchte diesen Ausdruck ein für allemal aus derkatholischen Literatur verbannt wissen. Was ist denerbliche Belastung"? Ich habe noch nirgends eine ge-naue Bestimmung, überhaupt keine Definition diesesAusdruckes gefunden. Er ist ein Schlagwort, das vonMedizinern und Nichtmedizinern vielfach angewendet wird,ohne daß man sich irgendwie über seine Bedeutung Klar-

") I. e. 453.

^) t. e. 455.

°) ibicl.

°) II. Mos. 34.

") Maith. 17.1 ff.

heit verschafft. In der medizinischen Welt spielt derAusdruck zunächst eine doppelte Rolle. Wo die Diagnosenicht sicher ist, insbesondere wo die individuellen Ursacheneiner Krankheit nicht klar liegen, da kommt man gerneauf dieerbliche Belastung" zurück. Was man in dernächsten Vergangenheit nicht findet, wird einer entfernterenzugeschoben mit welchem Recht oder Unrecht, werdenwir weiter unten sehen. Die mangelhafte, unsichereDiagnose ist dadurch erklärt und entschuldigt. Eine nochgrößere Rolle spielt der Ausdruck hinsichtlich der Heil-barkeit der Krankheit. Ist eine Krankheit tief einge-wurzelt, sozusagen veraltet, dann ist sie natürlich schwerzu heilen. Es ist also keine Schande für den Arzt, wennfeine angewandten Mittel fruchtlos sind, aber eine umso größere Ehre, wenn sie Erfolg erzielen. Das giltum so mehr, wenn die Krankheitsursachen nicht bloß inder Lebenszeit des Patienten weit zurück liegen, sondernaus der Zeit vor ihm, von seinen Vorfahren, den nächstenoder gar entfernteren, herstammen. Die neuere Natur-wissenschaft behauptet ja, daß Eigenschaften sich um sosicherer übertragen, um so befestigter sind, je weiter sieim Stnmmbaum hinaufreichen. Dies soll sogar vongeistigen Eigenschaften gelten, um so mehr von leib-lichen. Wenn alsoerbliche Belastung" vorhanden ist,dann ist es nicht zu verwundern, wenn die ärztlicheKunst machtlos dasteht. Darum ist man aber auch soleicht geneigt, eine solche Belastung anzunehmen, woletzteres der Fall ist.

Um einer etwaigen falschen Auffassung meiner Dar-stellung zu begegnen, erkläre ich ausdrücklich, daß auchich an einerBelastung" festhalte, daß ferner das Vor-handensein einer solchen dem Arzte Diagnose und Be-handlung erschwert und den etwaigen Mißerfolg derletzteren hinreichend erklärt. Neue Organe vermag jader Arzt nicht zu schaffen. Hat aber die Medizin, über-haupt die Wissenschaft nach dem jetzigen Stand derForschung das Recht, diese Belastung eineerbliche"zu nennen? Gibt es eine solche Vererbungim wahren Sinne des Wortes? Meiner An-schauung nach ist auf den Ausdruckerbliche Belastung"das Wort des seligen Pins IX. anzuwenden, man müsseden Worten ihre Bedeutung zurückgeben.Erblich " istein juristischer Ausdruck und bezeichnet den rechtlichnothwendigen Uebergang einer Sache auf eine jurist-ische Person, wenn letztere diesen Uebergang nicht ver-weigert, sondern acceptirt. Unter Betonung dieses letz-teren Momentes erhält das Wort eine weitere Bedeutungin dem Sinne, etwas freiwillig aus gewissen Rücksichtenübernehmen, was ein anderer nicht mehr vollführen kann,z. B. das wissenschaftliche, politische u. s. w. Erbe jemandsantreten. Necepiivität und Spontanität sind in demBegriffe vereinigt, wenn man irgend eine Begabung,irgend eine Fertigkeit, Tugend u. s. w. in einer Familieerblich sein läßt; Begabung offenbart sich erst in derentsprechenden erworbenen, größeren oder geringerenFertigkeit. In diesen und anderen Anwendungen desBegriffeserblich" liegt uichts irgend Anstößiges. Nunhat ihn aber in unserer Zeit die Naturwissenschaftherübergenommen und aus einem juristischen zu einemnaturwissenschaftlichen gemacht. Hier erhält ernun, ohne daß man es ausdrücklich sagt, eineganz andere Bedeutung. Da nämlich überall da, wodieser Begriff in der NaturwissenschafL angewendet wird,von einer spontanen Annahme nicht die Rede sein kann,so bleibt in ihm das Moment der Nothwendigkeit aus-