und seinem Volke lehren konnte (sonst verbindet manlehren mit dem vierten Fall), mit deutschem Herzen zubeten und mit deutscher Zunge zu singen (haben vielleichtdie Deutschen des 12. oder 18. Jahrh, mit griechischeroder hebräischer Zunge gesungen?), und durch seine Bibel-übersetzung und die damit verbundene Schöpfung einergemeinsamen deutschen Sprache den ersten Grund legtezur Herstellung der Einheit des deutschen Reiches undzum Wiedererstehen der deutschen Kaiserherrlichkeit, welchedurch die Beziehungen mit Rom geknickt schon drei Jahr-hunderte in dem unterirdischen Schlosse des Kyffhäuserseingeschlossen war und noch mehr als drei Jahrhunderteeingeschlossen blieb, bis unser großer Bismarck denSchlüssel zur Oeffnung desselben auf den SchlachtfeldernDeutschlands und Frankreichs aus Blut und Eisen ge-schmiedet hatte."
Dieser Wortschwall steht nicht in einem Festartikelzum Lutherjubilüum, sondern in einer vergleichendenUntersuchung über die verschiedenen Biographien des hl.Bonifatius. Wahrlich, die protestantischen Historiker dieserGattung müssen mit unüberwindlichen Vorurtheilen be-haftet sein, wenn sie angesichts der klaffenden Wundendes deutschen Protestantismus, welcher seit der Durch-führung der preußischen Union von 1817 kein Rechtmehr hat, Luther als Springquell der reformatorischenSegnungen zu feiern, eine „romfreie" Kirche als höchstesIdeal preisen; gerade diese Abarten in England, Ruß-land und den deutschen Staaten zeigen, wohin der By-zantinismus führt und nothwendig führen muß. (Vergl.Döllinger, Kirche u. Kirchen S. 5 ff.) * *)
Danken wir Gott, daß Gregor II. in Bonifatius den Mann gefunden, welcher mit unerschütterlicher Festig-keit zeitlebens an feinem Bischofseide gehalten, welcherdurch die Verbindung mit Rom der aufstrebenden Kirchein Deutschland sichere Grundlage gewährte.
Welch innigen Antheil Papst Gregor II. an demWerke des seelencifrigen Missionärs genommen hat, er-hellt klar aus den verschiedenen Zuschriften an KarlMartell ^) (ap. 20), an die Bischöfe und Priester (ex. 18),an die christlichen Thüringer: Asulf, Godolav, Wilarcus,Gundhareus, Alvold (ex. 19), an die noch heidnischen
') Paulsen äußerte sich kürzlich: „Wäre die Reformation ganzdurcbgedrnngen, hätten wir jetzt eine deutsche Nationalreligion undNeichSkirche; ich weiß nicht, ob wir dabei nicht in eine gefähr-liche Nähe zu russischen Zuständen geriethen." (Histor.-polit.Blätter 1891, Bd. 113, Heft 10, S. 768 aus der MünchnerAllg. Ztg., Beilage v. 1. Febr. d. Jö.)
*) Hauck (K.-G. Deutschlands I, 426) schreibt über diesenBrief an Karl Martell : „Der Papst theilt die Ordiuation desBonifatius mit, aber er bittet nicht um Anerkennung seinerbischöflichen Würde." Das konnte der Papst deswegen nickt,weil die Spendung der Sakramente nicht vor das weltlicheForum gehört. . . „er bittet nur um Schutz und UnterstützungKarls für Bonifatius". „Es weht ein anderer Geist, erklärtHauck weiterhin, in diesem Briese, als in den Briefen Gregorsd. Er. an die fränkischen Herrscher. Die Thatsache, daß in derfränkischen Kirche der König eine leitende Stellung hatte, ist inden letzteren anerkannt, in dem ersteren nicht bestrittcn, aberignvrirt. Gregor handelte auf Grund von Rechten, welcheRom im Frankenreich nicht besaß: alles kam darauf an, ober sie behaupten konnte." Wenn die groben Anmaßungen derMerowiuger und ihrer Hausmcier hinsichtlich kirchlicher Güterund Aemter von selbst zur Rechtsbasis werden, dann gilt ein-fach der Satz: Gewalt ist Recht. Uebrigens hat Gregor d. Er.sowohl gegenüber der Königin Brunichilde , als den KönigenChildebcrt, Thcodobert und Clothar den kirchlichen Nechtsstand-punkt immer betont. Vergl. Ausgewählte Schriften deS heil.Gregor (Kösel 1874) Bd. II, S. 295, 303, 491, 505. 508, 642,662. Kirchenlexikon V, 2, 1083; Histor. Jahrbuch Bd. XU,S. 553.
Mtscichsen (sx. 21); mit väterlicher Freude nimmt daSOberhaupt der Kirche die Berichte über den glücklichenFortgang des Bekehrungswerkes entgegen (ex. 24) undfordert die Germanen auf, Kirchen und bischöfliche Wohn-ungen zu errichten (ax. 24, 25).
Auch Gregor III. (731—741) behielt die deutschen Misstonen scharf im Auge; bald nach Beginn seinesPontifikates erhob er Bonifatius — aä iuIumivLtionsinFsnlig Liormaiiias vel airouuiczuac^us in umttra ruorlismorLvtiirus Zöntidus, in srrors oonstätutis, ad daoaxostolivL Osi öLLlssia clirsatum — (sx. 28 x. 278)zur Würde eines Erzbischofes und verlieh ihm das Recht,bei der Feier des hl. Opfers und bei Bischofsconsekra-tiouen das Pallium zu tragen. Zum dritten Male zogder Apostel der Deutschen über die Alpen , um dem Stell-vertreter Christi Rechenschaft über seine Amtsführung zuerstatten (o. 737—738). Mit Freuden, berichtet er anseine Freunde Geppan und Eoban, Tatwin und Wyg-bert nach Deutschland , sei er vom Apostolikus aufge-nommen worden, und er werde erst nach Abhaltung einerSynode, wozu er vom Papste eingeladen sei, heimkehren(sx. 41 x. 289). Mit verschiedenen Empfehlungsbriefenausgerüstet, trat Bonifatius die Rückreise an.
(Fortsetzung folgt.)
„Erbliche Belastung."
Von Pros. Dr.L. Haas.
(Schluß.)
Wenn wir die „erbliche Belastung" abweisen, wassetzen wir an die Stelle derselben, um den Thatsachengerecht zu werden? Eine ursprüngliche d. h. einenach dem Setzen des Lebensketmes oder in einem späteren,aber immer frühen Lebensstadium beginnende und sichfortsetzende Ansteckung und Einwirkung. Einer solchenhaftet einerseits nicht das Widerspruchsvolle und geradezuFurchtbare einer Erblichkeit an, anderseits erklärt sieviel mehr als diese. Sie ist wenigstens im Princip heil-bar, was man von der naturwissenschaftlichenErblichkeit nicht sagen kann. Im Mutterleibe istdas neue Leben von der leiblichen Beschaffenheit derMutter unmittelbar, von der geistigen mittelbar abhängig.Nun halte man fest, daß ein Lebcnwesen in seiner em-bryonalen Entwicklung für äußere Einflüsse äußerst em-pfänglich ist; ferner bedenke man, daß gerade die feinstenleiblichen Organe, die Nerven, in ihrer Gesammtheit, be-sonders das Gehirn, zu ihrer gesunden Bildung und Er-haltung der besten Ernährung bedürfen: welch' weiterEinfluß auf das neue Leben, mag dasselbe in seinerSetzung noch so gesund gewesen sein, von Seiten desmütterlichen Organismus und in zweiter Linie von dessenUmgebung im engeren und weiteren Sinne eröffnetsich da? Außerhalb des Mutterleibes verringern sich dieEinflüsse auf das junge Leben nicht nur nicht, sondernmehren und verstärken sich. Der Einfluß der Mutterdauert fort, und die Einwirkungen, die das Kind bisjetzt Mittelbar durch die Mutter erfuhr, erleidet es jetztvielfach, ja in den meisten Fällen unmittelbar. Manbraucht keine Erblichkeit, die Ansteckung reicht zurBelastung des zarten, empfänglichen jungen Organismushinreichend aus. Ich will die Sache nicht zu weit aus-malen, sondern nur auf zwei Punkte noch verweisen.Nach meiner Anschauung erklärt sich sehr einfach, warumdie fälschlich behauptete Erblichkeit häufig Generationenzu überspringen scheint, und warum von einem und dem-selben Elternpaare vielfach belastete und unbelastete Kinder