Ausgabe 
(30.8.1894) 35
 
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vollständig in seiner Art und mit so peinlicher Gewissenhaftig-keit durchgearbeitet; die Ausstattung ist musterhaft, und wenndas Buch in unseren Schulen zur ofstciellen Einführung kommt,woran wir nicht zweifeln, so ist das nur recht und billig. Mittreffender Kürze und Sicherheit sind die Diagnosen aufgestellt;die deutschen Pflanzennamen, welche in jeder Gegend wechseln,sind botanisch ganz gleichgültig und haben höchstens mitunterfür den Cultur- und Dialektforscher Werth; diese hätte alsoder Verfasser anzugeben sich ersparen können, um so mehr, dasie nicht immer die Verdeutschung deö lateinischen Kunstaus-druckes wiedergeben. Daß der Acccnt angegeben ist, wird ge-schätzt werden, hört man ja selbst von Fachmännern die gräu-lichsten Betonungen der Wörter; die Methode der Accentbezcich-nung jedoch (nach dem Grundsatz S. IV) entspricht nicht demCharakter der lateinischen Sprache, welche den Ton regelmäßigauf der vorletzten Silbe hat und ihn nur da, wo diese kurz rst,auf die drittletzte zurückschiebt; diesem Fundameutalgesctze zufolgewäre es am besten, nur vorletzte Silbenkürzcn mit dem Quantitäts-zeichen oder, was dasselbe ist, drittletzte Tonstellen mit dem Ton-zeichenstrich zu versehen; alles andere ist Luxus. Manche Fehlerhaben wir indeß auch gesehen, und zwar sehr schlimme, so6am-xunüla" (S. 291 stattllampLnula"), oderüximus" (S. 266stattopimus") u. st w. Die Durchsicht des BucheS von einemder lateinischen Sprache kundigen Corrector würde für die Zu-kunft solche Fehler vermeiden lassen. Doch auch die Sonnehat Flecken! _

Brockelmann Car., Iwxieon szwiaoum, praskatus ssd

Xoslclslls. §aso. I (pp. 180). 4°. M. 4,00. Bcrolini,Reuther u. Neichard, 1894.

1. Sehen wir von der »Lidlia, bobraiea- ab, so ist unterallen semitischen Dialekten dem Theologen (Excgcten und Patro-logen) das Syrische weitaus der wichtigste, ja man darf sagen,die Kenntniß der syrischen Sprache ist ihm kaum entbehrlich,um so weniger, als gerade in neuerer Zeit die syrischen Studieneinen großartigen Aufschwung genommen haben. Trotzdem sinddie Mittel für das Erlernen der Sprache immer noch sehr mangel-haft, namentlich gebrach es an einem vcrlässigen Handwörterbuch,während sür das Studium des Arabischen überreiche Auswahlvorhanden ist. Das einzige vorhandene Lcxicon von I. D.Michaelis (1788) wurde bei den Antiguaren mit 6070 Markbezahlt, obwohl eS eine Menge Fehler ausweist und außerdemnur den biblischen Wortschatz bringt; der große »Miesaurrw8^riaou8- von Smith (London , Clarendon Preß), schon 1879begonnen, erweckt durchaus nicht das Vertrauen, daß das lebendeGeschlecht noch seinen Abschluß sehen werde (bis jetzt ungefähr2 /, in 8 Heften), außerdem wird er über 200 Shilling kosten;mit dem vorzüglichen »^1-IwbLb s. cliotionarium szwvarabiouiu-(4°, 2 voll. Fr. 60), das der Maronite Gabriel Cardahi in derJesuitendruckerci zu Beyruth 188791 herausgab, ist doch nurgewiegten Kennern des Arabischen etwas gedient; nachdem sichauch das von der gleichen Druckerei angekündigte »vietionuairssxriaguo-latin elassiqus« noch nicht geburtöreif erwiesen undwer weiß, wie lang noch »en prexaration- bleiben wird, mußdie Herausgabe eines »Iwxieou sz-riaonm- durch obige Verlags-buchhandlung als eine wahre Erlösung begrüßt werde», zumalwenn es, wie man hoffen darf, schleunig seiner Vollendung ent-gegen geht. Daß es ein sicherer Führer sein wird, dafür bürgtdie empfehlende Einführung durch einen so gewiegten Syrologen,wic Nöldekc; die Abfassung in lateinischer Sprache schätzen wirals einen besonderen Vortheil. Das Buch, welches 10 Liefer-ungen (L 4 M.) umfassen soll, wird in erster Linie ein bequemesHilfsmittel bei der Lektüre sein, aber auch dem Sprachforschereinen Ueberblick über den Sprachschatz ermögliche»; jede einzelneBedeutung ist durch Citate belegt. Der Preis des Werkes be-weist aber schon, daß es die Verlagshandlnng versteht, CapitalauS der Noth zu schlagen. Das erste, uns vorliegende Heft (dieersten 4 Buchstaben dcS Alphabetes umfassend) ist uns einhonnm auAnrium, daß wir ein Monumentalwerk deutschenFleißes und philologischer Gründlichkeit in ideal schöner Aus-stattung haben werden; möge es doch bald vollständig vorliegen!

Hoffmann (Luise Johanna), Seelenphotographien.Aufgenommen aus Predigten zu St. Hedwig in Berlin .Gehalten von Advent bis Ostern. Ein Theil des Reiner-trages ist für die katholischen Kirchen Berlins bestimmt.Ratibor , Müntzberg. 8°. 61 S.

Wir setzen zur Orientirung über Inhalt und Ten-denz der Sammlung dasVorwort" der Verfasserin hieher,gegenüber einer Dame und einem WohlthätigkeitSzweckc wollenWir uns nicht der Unhöflichkcit eines kritschen Einspruches

schuldig machen:Die folgenden Gedichte, welche meine Ge-danken aus den in der St. Hedwigskirche von Advent bisOstern gehörten Predigten, ihrem Inhalte nach, wie in einerPhotographie wiedergeben, sind von mir dem HochwürdigcnHerrn Geistlichen Rath und Stadtpfarrer Hermann Schaffer,welchen Herrn ich aus dem schönen WerkeFür Treu undGlauben " hochschätzen gelernt habe, gewidmet. Der hochwürdigeHerr Geistliche Rath steht, wenn auch persönlich unbekannt»nicht blos als Dichter, sondern auch als apostolischer Lebrervor meiner Seele. Denn der Priester, welcher durch seinePredigten mir den Stoff zu den folgenden Gedichten geliefert,hat sich unter der Anleitung des Hochwürdigen Herrn GeistlichenRathes ausgebildet. Ratibor war ja der erste Ort der Wirk-samkeit des Hochwürdigen Herrn Kaplan Stephan Burek. Mögendiese Gedichte Manchen, die verhindert sind, eine Predigt znhören, im Stande sein, dieselbe zeitweise zu ersetzen. Außerdemwird es dem Hochwürdigen Herrn Geistlichen Rath gewiß einegroße Freude sein, durch diese Gedichte an eine Kirche erinnertzu werden, in welcher er zu seiner Zeit als Abgeordneter so oftdas hl. Opfer dargebracht."

Der heilige Sola. Ein historischer Versuch von AdamHirschmann, Pfarrer. Jngolstadt, Ganghofer . 1 M.t. Am 3. Dezember l. Js. werden es 1100 Jahre, daß inSolnhofen der Gründer dieses durch seine Lithographicsteineweltberühmten Ortes, der hl. Einsiedler Sola, gestorben ist.Neben St. Willibald und Walburga ist er es, der für dasBisthum Eichstätt eine Persönlichkeit höchster Bedeutung ist.Zur Centcnarfeier erschien nun bei A. Gangbofer in Jngol-stadt eine Schrift, aller Beachtung werth. Der Name des Hrn.Verfassers, dem wir in den historischen Jahrbüchern der Görres-qesellschast, im Katholik und in den hist.-politischen Blätternschon öfters begegneten, bürgt dafür, daß wir eS mit einerernsten, wissenschaftlichen Arbeit zu thun haben. In drei Ab-schnitten bietet Herr Hirschmann, soweit dies die spärlichvorhandenen geschichtlichen Belege zulassen, ein Bild des Heiligenund seiner Stiftung. Zuerst eine sehr minutiöse Kritik derQuellen, dann das Leben des Heiligen und seine Gründung,endlich die Schicksale der letzteren sowie auch der Reliquien deShl. Sola. Möge das 84 Seiten haltende Werkchen beitragen,daß sich recht bald am Grabe deö frommen Einsiedlers, daSjetzt ganz im Diaspora-Gebiete des Bisthums Eichstätt liegt, einewürdige Kapelle deö Heiligen erhebe! Die hochelegante altdeutscheAusstattung der Schrift, in starkem Pergamentpapierumschlag»macht der Vcrlagsoffizin alle Ehre. Sie ist wirklich eine jubi-lare, glanzvolle. _

M- Meschler, 8. F., DaS Leben unseres Herrn JesuChristi, des Sohnes Gottes, in Betracht-ungen. III. Auflage. Mit einer Karte von Palästinazur Zeit Christi. Zwei Bände in 8°, XXVIII u. 1225 S.Preis M. 7,50, geb. in Halbfrz. mit Rothschn. M. 10,70.Freiburg i. Br.. 1894. Herder'sche Verlagshdlg.

8. Wenn angeführtes Werk mit zwei ziemlich dicken Bändenneben andern, in nicht gerade geringer Anzahl erschienenen Be-trachtungöbüchern innerhalb 4 Jahren 3 Auflagen erlebt, so istdies selbst schon Empfehlung genug; aber zugleich ist es ein er-freulicher Beweis, daß in katholischen Kreisen das Verlangennach wahrhaft gediegenen, Geist und Herz in gleicher Weise be-friedigenden ascetischen Werken ein bedeutendes genannt werdenkann. Daß wir es mit einem hervorragenden Werke zu thunhaben, darin sind die zahlreichen Recensenten einig, und zumgleichen Urtheil muß kommen, wer das Buch zur Grundlageseiner Meditationen erwählt. Was den Werth des Werkes sobesonders erhöht, ist dies, daß das Leben Jesu nicht bloß ein-zelne Punkte zu Betrachtungsstoffen hergeben muß, sondern daßdas ganze Leben des Heilandes in historischem Zusammenhangepraktisch exegetisirt und in seiner allseitigen Bedeutung sür dasLeben ergründet und dem betrachtenden Geiste vorgeführt wird.Auf diese Weise wird eben die Person und das Charakterbilddes Erlösers überaus Wirkungsreich und allseitig gezeichnet. Umdieser Aufgabe ganz zu genügen, hat Verfasser auch in einigenBetrachtungen daS Vorleben Jesu in der Ewigkeit und imAlten Testamente und dann noch sein Nachleben in der Kirchegeschildert. Die Betrachtungen über das Leiden Jesu, an undfür sich schon für solche Zwecke das Wirkungsvollste, möchtenwir fast als den Glanzpunkt erklären. Die Sprache ist gewählt,des Stoffes sehr würdig, von hoher Ehrfurcht gegen den hl.Gegenstand eingegeben. Das tiefe Eindringen in die wunder-baren Geheimnisse der menschlichen Natur Jesu Christi ver-anlaßt den Verfasser oft zu den zartesten, herzlichsten Gedankenund Anmuthungen. Gebildeten Laien wüßten wir kein bessert