Ausgabe 
(30.8.1894) 35
 
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Betrachtungöbuch zu nennen. Daß Priester daraus für sich tund für andere großen Nutzen schöpfen können, sei nicht be-sonders hervorgehoben; aus diesem Werke werden sie lernen, zupredigen in den Worten der hl. Schrift, zu predigen Christum den Gekreuzigten. Ein alpbabetischcö Namen und Sachregister,sowie ein Verzcichniß der Sonn- und Festtazsevangelien erhöhtdie Brauchbarkeit des Werkes.

V Einer Ihrer geschätzten Herrn Bücherrccensenten hat inNr. 34 der BeilageJbres Blattes dieKleine Grammatikder hebräischen Sprache" von Tbeod. Dreher in einerWeise kritisirt, die gewiß in den Kreisen, die Herrn Domcavi-tular vr- Th. Dreher, oder wenigstens seine Schriften näherkennen, peinliches Aufleben erregte. Wie, ein Mann von solchenVerdiensten, der 27 Jahre mit großem Erfolge im Hebräischenunterrichtete, der anerkannt ausgezeichnete Schriften (Katechesen,Abriß der Kirchengerichte u. s. w.) herausgegeben sollte miteinem Werke vor die Öffentlichkeit getreten sein, das man alsRückschritt", alsKleinkindergrammaiik" u. s. w. bezeichnendürste?! Das erscheint schon von vornherein unglaublich. Wennwir nun die Gründe dieses scharfen Urtheils näher in's Augefassen, so sind sie alle anfechtbar. Das Buch wurde nicht zum Selbst-studium geschrieben, sondern setzt des Lehrers Erklärung vorausund orientirt diesen durch die knappe Kürze weit rascher über diePunkte, die einer Erläuterung bedürfen. Ist dein Schüler dann dasNöthige gesagt, dann ist ihm bei seinen vielen Arbeiten an denjetzigen Gymnasien die kürzeste Fassung des zu Memorireudcndie liebste: er stößt sich wenig an demTelcgraphen-Chiffrc-Stil". Ebenso wenig wird ihn ein »sos« mitten im deutschen Text genircn; er geht ja nicht in den hebräischen Unterricht,um deutsch zu lernen. So aber hat der Verfasser die kürzeste,einfachste und allen verständliche Form gefunden, da sie sonst mitsie (ms. 80 .)" gegeben werden müßte. Und nachdem einmal dasBuch in deutscher Sprache erschienen ist, läßt sich darüberstreiten, ob die Uebersetzungsstücke lateinisch zu geben seien odernickt. Der Recensent findet manches kindisch, z. B. die Memorial-verse. Hätte er uns einige namentlich angeführt, so könntenwir ein Urtheil darüber bilden, ob diese Ansicht richtig ist.Doch im Allgemeinen die Memorialvcrse für Obergymnasistenverwerfen, halten wir für ungerechtfertigt. Lernen nicktselbst die Theologen an der Universität Mcmonalverse ? Icherinnere nur an die Ehehindernisse und diefremden Sünden".Der Herr Verfasser wollte gewiß nicht eine Grammatik schreiben, dieman nicht zu lernen braucht; er kennt aus langjähriger Er-fahrung die Schwierigkeit des Hebräischen an sich so gut, wieder Herr Recensent. Gerade diese Schwierigkeit bewog denVerfasser, allen unnöthigen Ballast zu entfernen, damit derScküler ganz eingetheilt seine Gedächtnißkraft dem Wesenilickcnwidme. Und wo es gilt, etwas so Schwieriges, wie die hebräischeSprache, seinem Kopfe einzuprägen, bleibt dem Lernenden keinanderes Verfahren übrig, als das, welches das Kind auch an-wenden muß; eS schadet aber dem jungen Studenten keineswegs,wenn ihm diese, allerdings demüthigende Wahrheit etwas zu Ge-müthe geführt wird. Soglauben wir aus den Andeutungen des Hrn.Recensenten selbst das Fazit ziehen zu dürfen: Lehrer wie Schülerwerden Hrn. Dr. Dreher Dank wissen für seine neueste Arbeit. Siehat, nebenbei bemerkt, eben durch ihre Kürze auch einen Vorzug,der bei unseren kostspieligen Studien auch nicht zu unterschätzenist: das Buch kostet nur 1,50 M-, während das vom Recensentenso gerühmte von Strack gebunden aus 5 M. zu stehen kommt.Endlich würden wir eS sehr bedauern, wenn wirklich diesmalsich der altbewährte Ruhm der Freiheit von Druckfehlern beider Hcrder'schcn Offizin nickt erprobt hätte. Möge trotz allerHindernisse dieses neueste geistige Erzeugniß unseres allverehrtenLehrers dessen edle Ziele ebenso erfolgreich fördern, wie seineanderen hochverdienten Arbeiten.

Ein dankbarer Schüler des Verfassers.

Das Juliheft vonKreuz und Schwert" (Münsteri. W.) bringt das interessante Porträt Msgr.'s Le Roh, apo-stolischen VicarS von Gabun , zugleich den Beginn dessen Neise-hericktsVon Sansibar zum Kilimandscharo ". Le Roh istein brillanter Erzähler; die Redaction hat einen guten Griffgethan, als sie dessen großes Reiscwcrk zum alleinigen Abdruckerwarb. Das gilt aber auch von der neuen ErzählungGhcllaund Milo", deren Anfang hereits den Leser in ganz besondererWeise fesselt. Außerdem bringt das Heft noch eine Reihe vonOriginalberichten auS den afrikanischen Missionen, den halb-jährigen VerwaltungSbcricht des Afrika -VercinS u. s. w. Damit Juli ein neues Abonnement begonnen hat, so möge man

eine Bestellung nicht aufschieben. Der Preis ist 75 Pf. halb-jährlich bei jeder Post und Buchhandlung, 90 Pf. bei directerportofreier Zusendung. Probehefte stellt der Herausgeber (Re-dacteur W. Helmes in Münster i. W.) gern zur Verfügung.

Alban Stolz , Legende oder der christliche Stern-himmel. X. Auflage. Freiburg i. Br., 1694. Hcr-dcr'sche VerlngShandtung.

L. Vollständig in 10 Heften L 60 Pf. erschienen. DaS2. Heft reichend bis 18. März.

Dr. Hcrm. Rolfus, Kirchengeschichte für die kath.Familie bearbeitet. III. Auflage. Vollständig in18 Heften ä 50 Pf. Freiburg i. Br., 1894.

L. Erschienen daS 2. Heft mit reichem Bilderschmuck, nochdie Missionsreisen des hl- Paulus behandelnd.

Die Romanwelt. Zeitschrift für die erzählende Literaturaller Völker. Stuttgart , Cotta. Heft 2739.

Wir haben uns über den Charakter dieser Zeitschristschon eingehend geäußert in derBeilage" Nr. 52 vom 28.Dezbr. vor. Js. und Heuer in Nr. 26 vom 29. Juni.Heute obliegt eS uns, die Leser derBeilage" mit den bedeut-samsten Erscheinungen in den oben bez. Heften bekannt zumachen. Im Vordergründe stehen diesmal 2 ausländische Au-toren : Emilio de Marcdi, ein Mitglied der jung italienischenDichterschulc, mit einem scharfsinnigen KriminalromanDonCirillos Hut" nur daß der Genuß an der Lek'üre durchnaturalistische Uebertreibungen im Stil und die Tendenz, allesKirchliche ironisch zu bebandel», ziemlich geschmälert wird-und Paul Lourgct, der Meister des französ. psychologischenRomanS, mit seinem WerkeDas gelobte Land" (übers. vonC. Hcckcr), das wegen seiner klassischen Diktion, seiner span-nenden Analyse, seiner lebensvollen Seelenmalerei und seineredlen Tendenz mir Recht gerühmt zu werden verdient. Zweikleinere Arbeiten von der als geistreiche Erzählerin bekanntenFrau Marie von Ebner-EschenbackDas Schädliche"doch wollen wir im Gegensatz zu der Redaktion der Roman-welt zum Vortheile der Dichterin dafür halten, daß sie durch dieErzählung nicht schonaus der Höhe ihrer Schaffenskraft"sich zeigt und eine flott und fesselnd geschriebene Geschichteaus den Kriegstagcn d. I. 1870 von Alexander BaronRobertsDie Generalin", nebenher die lebendige ErzählungDer Kriegecorreipondent" von dem gefeierten russischen MalerW. W. Weresckagin (Zeit des letzten russ.-türk. Krieges)und ein reichesFeuilleton " machen den Inhalt der erwähntenHefte zu einem mannigfaltigen. Daß das Unternehmen nichtfür diereifere Jugend" sich schickt uno schicken will, haben wirin den genannten Nummern derBeilage" bereits betont.

Der heilige Wolfgang. Gedenkblätter zum 900jährigenTodestage des Patrons der Diözese Negensburg. Voneinem Priester des Bisthums. 8°. 40 S. Preis broch.30 Pf.

Die Diözese Regensburg rüstet sich in diesem Jahre dasFest ihres heiligen BisthumSpatroneS in besonders würdigerund feierlicher Weise zu begehen. Am 31. Oktober sind esnämlich gerade 900 Jahre, daß der heilige Wolfgang nach einemglorreichen und ruhmvolle» Wirken aus dieser Zeilsichkcit hin-über gegangen ist. Nicht blos für Regensburg , sondern auchfür die Diözese Prag, wie auch für Rcichenau, Einsiedeln, Trier rc. ist dieses Fest ein wichtiger Gedenktag. Eingehend hierüberbelehrt uns eine Schrift, die aus Anlaß des 900jährigen Ju-biläums im Verlage von H. Böes in Amberg erschienen ist,und die das ganze Leben des Heiligen, von seiner Geburt aufdem Schlosse Ahalm im Schwabenlande bis zu seinem seligenTode, behandelt. Wir begleiten da den Heiligen auf seinem Zugenach Ungarn , um dort den heidnischen Völkern den christlichenGlauben zu verkünden, wir bewundern ihn in seinem Eifer fürErrichtung des Bisthums Prag , wie nicht minder in seinerreformatoriscbcn Thätigkeit für die Klöster St. Emmeram, Ober-und Niedermünster in RegenSburg . Genaue Erörterung findethier auch das Verhältniß deS heiligen Wolfgang zur bayerischenHerrscherfamilie, sein Aufenthalt am Abersee in Oesterreich ,sein heiliger Tod, sowie die Gnadenerweisungen, welche Gottnach seinem Tode gewirkt bat. Die ganze Schrift baut sichauf wissenschaftlicher Grundlage auf, ist übersichtlich und klargeschrieben, und in diesem Sinne eine Volksschrist, die wir Allenaufs beste empfehlen wollen. Das Werkchen ist durch alle Buch-handlungen zu beziehen, in Amberg durch H. Böes' Verlag.

Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .