Ausgabe 
(6.9.1894) 36
 
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viele Mariendarstellungen enthalten sind, wie ja auch daSTitelblatt annoch provisorisch Wadero's anmuthige8säessaxiantias" trägt. Unter den Werken der Plastik be-finden sich noch zwei Stücke, welche diesem Jdeenkreisangehören. Tafel IV zeigt uns einen herrlichen Brunnen-entwurf von Gamp im Stile des ausgehenden 18. Jahr-hunderts. Die Brunnensäule ist in der Vorderansichtgeschmückt mit einem von Putten getragenen Neliefbilddes Prinz-Regenten, gekrönt von einer katrona LavariLs;der in der Richtung aus das Reliefsegenspeudende Armdes Kindes weist darauf hin, es werde der weise Regentund unermüdliche Förderer alles Schönen seinem treuenVolk noch recht lange erhalten bleiben." DaS Werk trugbei der Concurrenz für einen Monumentalbrunnen inTraunstein dem Künstler den II. Preis ein. Möge das-selbe denn anderorts bald ausgeführt werden. Es wärewahrhaft eine bessere Idee, als die ewigen Städtepersoni-ficationen, deren Namen den Brunnen oft schon vor dessenVollendung lächerlich machen.

Ein Meisterstück der Reproduktion ist die Abbildungder Madonna mit Kind von Heß, worin sich Mutter-liebe und jungfräuliche Demuth so zart und reizvollvereinigen.Hetz hat sein Relief in Marmor ausge-führt, ein Material, welches der Komposition einen be-sonderen Zauber verleiht."

Die Architektur ist nur mit zwei Blatt bedacht.Wir möchten der reizenden Brückenkapelle fast den Vor-zug geben vor der Martinskirche in Chicago , ohne derenBedeutung abschwächen zu wollen. Dieses kleine Heilig-thum am Wege, über den rauschenden Wogen es istein recht warm empfundenes Gedicht, sobald man aufden Gedanken näher eingeht.

Die Malerei ist kaum weniger gut als in den schongenannten Werken auch in den noch übrigen vertreten.Feuersteins Pantalcon ist ein Meisterstück, auf diesemGebiete das Beste der Mappe. Die mildernste Er-scheinung des Heiligen wird noch gehoben durch die herr-liche Anordnung und Behandlung der Nebenfiguren, dieSpannung im Ausdruck der auf ihn Hoffenden. Einewunderbare Figur ist der Knabe, welcher Pantaleon dieSchale reicht, zart, anmnihig, rein und wahr.

Dcsregger hat sich ebenfalls den Verehrern Mariensangeschlossen. Seine HI. Familie ist vielleicht dem einenoder anderen Leser schon bekannt. Er verläugnet auchhier seinen gemüthvollen Sinn, die Anhänglichkeit anfeine Heimath nicht, sein hl. Joseph ist meisterhaft.

In der prächtigen Com Position Fugels bewundernwir die einfache, klare Ordnung der Gruppen und Ein-zelstguren. Herrlich ist besonders die Gruppe Augustin,David, Jeremias. Letztere Figur insbesondere ist typischfür Fugels Charakter: ergreifende Realistik verbunden mitidealster Empfindung und religiöser Weihe. Sie erinnertuns an sein herrliches Abendmahl im Glaspalast. DieIdee der ganzen Komposition ist die triumphirende Kircheanbetend am Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit.Im einzelnen bekundet Fuge! auch in diesem Werk eineerstaunliche Erfindungsgabe und Originalität, die anfangsstets überrascht, dann aber hinreißt. Das Können desjungen Meisters ist auch aus den herrlichen Studien-köpfcn im Text leicht zu ersehen.

Zwischen den Zeilen des Textes lernen wir auchnoch Werke von Severin Benz, Bonifaz Locher , AugnstMüller-Warth, Kaspar Schleibner und Emanuel Walch kennen. Benz und Müller-Warth zeigen uns volks-thümlichste Auffassung, letzterer überdies ein äußerst ge-

schicktes Raumgefühl. In Locher begegnen wir einemrastlos vorwärts strebenden Talente, das wohl nochmanche Stufe höher steigen wird. Schleibner zeigt eineRuhe, welche den Beschauer wohlthuend erquickt. InEmanuel Walchs Magdalena ist die moderne Richtungder Kunst verkörpert, deren oberstes Prinzip Wahr-heit ist?)

Wir müßten einfach den Text der Mappe ab-schreiben, wollten wir mehr zu dem Gesagten hinzufügen.Derselbe führt ja in eingehendster Weise den Beschauerin die Schönheiten der Sammlung ein, nicht ohne stets auchauf des Künstlers Lebensgang und auf die Hindernissezurückzuweisen, welche so oftKünstlers Erdenwallen "erschweren. Wie wahr und richtig ist der Satz, welcherin die Notizen über Baumeisters Leben und Schaffeneingestreut ist!Obwohl, heißt es da, der Künstler bisheute rastlos schafft und dabei ein unglaublich einfachesLeben führt reich ist er nicht. Gar manchmal mögenUnwissenheit und Eigennutz mehr oder minder plumpeVersuche gemacht haben, des Künstlers Großmuth aus-zubeuten." Bei wie vielen Künstlerleben trifft die schlichteSchilderung des Lebens Schleibners zu!Die Jahreder Berufswahl waren dornenvoll. Schon als Kindhegte er den sehnlichsten Wunsch, Maler zu werden.Allein da die Verhältnisse solches nicht gestatteten, sowählte er wenigstens ein an die Kunst erinnerndes Ge-schäft; er ging nämlich zu einem Dekorationsmaler inBamberg in die Lehre.... Endlich wurde sein Strebensoweit erfüllt, daß er an die Münchener Akademie gehenkonnte." Walch folgte Defreggers Beispiel, beide machtenihre ersten Zeichenstudien beim Viehhüten. Auf manchenUmwegen er ward Schloffergeselle gelang es Benzendlich, sich akademischen Studien widmen und in denTempel der Kunst als Maler eintreten zu dürfen. Sobei diesem und jenem; aber selten sind die, welchen voneinem günstigeren Schicksal auch auf Erden von Anfangein behagliches Loos zu Theil wurde.

Möge denn auch diese Seite nicht verschwiegen seinzu Nutz und Frommen unsrer Künstler und zur Auf-klärung über den wahren Werth so mancher Phrasen.

Vergleichen wir schließlich die heurige Jahrcsgabeder Gesellschaft mit jener des Vorjahres, so wird zwardie erstere gewiß nicht verlieren, aber beide gewinnen imZusammenhalt. Hat die Gesellschaft voriges Jahr unterglücklichen Auspizien begonnen, so hat sie sich in diesembereits als lebensfähig und -kräftig erwiesen.

Man wird der diesjährigen Publikation auch vonSeiten derer endlichunverklausulirt" die verdiente An-erkennung zollen müssen, die nie erwägen wollen, daßwir nicht mehr anno 1300 oder 1400 schreiben. Er-innert mag sein an die Worte des edlen, kunsterfahrenenk. A. Kühn auf dem vorjährigen Katholikentag zu Würz-burg. Verstummen mögen jene wohlgemeinten Prophe-zeiungen, Mahnungen und versteckten Denunziationen,wie sie jene Anfragen an die Ritencongregation imWinter dieses Jahres enthielten. Doch es wäre schade,hier solche Bitterkeiten aufzutischen. An den Früchtenerkennt man den Baum. Schlechte Früchte sind diesebeiden Vereinsgaben nicht.

Wir Hütten noch einen Wunsch, vielleicht könntedieser auf der Generalversammlung im Oktober d. Js.erörtert werden. Es möchten nämlich auch von Seitender Mitglieder, besonders der betreffenden Künstler selber,

*) Dieser Meister erhielt für den Entwurf zuni künftigenTitelblatts der Mappe den ersten Preis.