Ausgabe 
(6.9.1894) 36
 
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die bereits früher erschienenen bedeutenderen Aufsätze überLeben oder Werke der einzelnen Künstler kurz biblio-graphisch notirt und gesammelt und dann etwa jährlichvervollständigt werden. Eine solche ganz kurze Statistikwäre eine unschätzbare Vorarbeit für die Kunstgeschichte.So würde der Zukunft eine bedeutende Quelle erschlossenwerden.

Inzwischen mögen sich recht Viele in der Gegenwartan diesen erwähnten Schöpfungen des Künstlergeistes er-freuen. Glückauf der Gesellschaft! Glückauf den Künstlernbesonders, welche sich hier geeint,die idealsten Güter"zu schirmen und in dauernden Werken der Mit- undNachwelt vor Augen zu führen! Glückauf allen denen,welche es redlich mit der Kunst meinen!

Mindelheim , 26. Aug. 1894.

vr. O. Frhr. Lochner v. H.

Die Briefe des hl. Bonifatius.

Von Adam Hirschmann, Pfarrer in Schönseld.

(Fortsetzung.)

Als Gregor III. am 29. November 741 dieser Zeit-lichkcit entrückt wurde, versäumte Bonifatius nicht, demNachfolger in der päpstlichen Würde, Zacharias, seineUnterwürfigkeit auszusprechen und das Gelöbniß der Treuefür sich und feine Schüler zu erneuern. Mit Freimuthbemerkt er aber auch, wie die Alamannen, Bayern ,Franken als fleischlichgesinnte Menschen Aergerniß nehmen,wenn sie bei ihren Nomfahrten am Neujahrstage heid-nische Tänze und ausgelassene Tafelfreuden bemerken,indem sie dadurch zur Anschauung gelangen: in Nom,unter den Augen des Papstes seien derartige Aus-schreitungen erlaubt, während die Priester in der Heimathsie als Sünde verbieten und brandmarken (ex. 50x. 299301). Ja er sah sogar in den Gaben undGeschenken, welche bei Verleihung des Palliums anfränkische Bischöfe üblich waren, eine simonistische Hand-lungsweise, ob welcher der strenge Missionär bitterenTadel gegenüber dem Papste Zacharias aussprach, welchersich aber hiegegen scharf verwahrte: 8eä, curissirnstraten, ortamnr sanetitatew Irwin, ut nestle äoin-eexs tals rrliguiä ininiwe tun, truteruitas soristat;tzuiu lastiäiosum a nostis st injuriosuin sussixitur,äuin illuä nostis rnAeritur, yuoä uos oinnino äs-testaranr (ex. 58 x. 315).

Zu verschiedenen Malen sah sich der Apostel derDeutschen veranlaßt, die lehramtliche Auktorität desrömischen Stuhles anzurufen. Außer persönlichen Be-denken über den Verkehr mit schlechten Bischöfen undPriestern, welcher im Interesse der kirchlichen Organisationoftmals nicht vermieden werden konnte (ex. 86 x. 368),über die Nichtbeachtung der kanonischen Weihetage (ex. 87x. 371), waren es besonders die Schwierigkeiten in derDurchführung der kirchlichen Ehegesetze, welche eine Ent-scheidung Noms erheischten (ex. 26 x. 275; ex. 50p. 300; ex. 51 x. 304). Auch auf den Synodenbildeten die Klagen über incestuöse Ehen und die Be-strafung derselben ein ständiges Kapitel.

Am Abende seines thatenreichen Lebens konnte sichder hl. Bonifatius in dem Obedienzbriefe an PapstStefan III. das Zeugniß geben, daß er drei Päpstenmit gleicher Hingebung gedient, daß er 36 Jahre langnur das Wohl der römischen Kirche im Auge gehabthabe (ex. 108 x. 394). Leider ist sein Werk: äsumtäte öäei eLtstolicue, welches Papst Zacharias (ex. 80

x. 359) wohlgefällig aufgenommen hatte, verloren ge-gangen: es war das Testament des greisen Oberhirtenan den deutschen Klerus, stets treu und unentwegt zumStuhle Petri zu halten. Diese Gesinnungen finden sichauch klar ausgesprochen in dem inhaltsvollen Schreibenan Cudberht, Erzbischof von Canterbury , aus dem Jahre747, worin er demselben Mittheilungen macht über diejüngsten Synodnlverhandluugen: Oeersvlrnrw untern Innostro siuoäali eonventu et eonkssei sninns, üäerneuistolieuin et snstjeotronern Kowunus seelseiae ünstenns vitae vostrue velle servurs; saneto l'stro etvieario esus velle sustjioi . . . st xsr ornnia, xrue-oeptu s. ketri oanoniee ss^ui äesiäeiure, ut toterovss ersti oonnneiräutas nninsremnr (sp. 78 x. 351).Sollte dieser Wunsch nach Einheit im Glauben durchUnterordnung unter Noms Auktorität heute seine Be-rechtigung verloren haben?

Von England . war Bonifatius ausgegangen, mitEngland blieb er zeitlebens in engster Beziehung. ZumDanke, daß Papst Gregor d. Gr. den Mönch Augustinusvon Nom abgeschickt hatte, um dem Volke der Anglenden Glauben an den gekreuzigten Gottmenschen zu pre-digen, sandte England feurige Verkünder der christlichenLehre in reichen Schaaren über den Kanal und unter-stützte durch Gebet und Geschenke die Arbeit derMissionäre.

In herzlich bewegten Worten bittet Bonifatius denAbt Aldher, er möge mit feinen Mönchen beten, aufdaß die Völker Germaniens dem Götzendienste entsagenund zur Erkenntniß Gottes gelangen mögen (ex. 38x. 288). Ja, er fordert alle Engländer auf zum Ge-bete für die Bekehrung der heidnischen Sachsen, welcheihre Bruder, ihre Stammesgenossen seien. Dazu habeer den Auftrag zweier Päpste erhalten (ex. 46 x. 295).Gar oft noch kehrt in den bonifatianischen Briefen dieBitte um das eifrige Gebet seiner Landsleute wieder,auf daß die Gnade Gottes an ihm nicht wirkungslosvorübergehe yuia, nltimrw et xessiinrw sum, fügt erin demüthiger Bescheidenheit hinzu, ownium lexrrtorum,HN 08 eatlroliou et rrxostoliea Hornana, eeeleeis.xraeäieanäuw svrmAsIium äestinuvrt (ex. 67x. 335).

Von der Aebtisfin Bugga läßt sich der für wissen-schaftliche Bildung begeisterte Glaubensprediger (ex. 9x. 260) die Leidensgeschichten der Märtyrer nachsenden(ex. 15 x. 264), den Erzbischof Nothelm ersucht er umUeberlafsung der Antworten des Papstes Gregor auf dieFragen Augustins, des Lehrers der Anglen (ex. 33x. 284); sein Freund Duddus soll ihm Erklärungen zuden Briefen des hl. Paulus schicken, da er nur für denRömer- und I. Korintherbrief Commentare zur Handhabe (ex. 34 x. 285); die Aebtissin Eadburga wirdangegangen, in goldenen Buchstaben die Briefe deshl. Petrus durch den Priester Eoban abschreiben zulassen, um dadurch Ehrfurcht vor den hl. Schriften denNeubekehrten einzuflößen (ex. 35 x. 286). Von Romhatte der hl. Bonifatius die Briefe des hl. Gregor mit-gebracht; da er deren Wichtigkeit für England erkannte,machte er sie dem Bischöfe Egberth von Jork zum Ge-schenke; erbittet sich aber hiegegen die Traktate Beda's(ex. 75 x. 347), vorzüglich die Homilien zu denEvangelien und zu den Sprüchen Salomons (ex. 91x. 377)?)

°) Ueber Bcda'S (j- 26. Mai 735) exegetische Verdienste s.Kirchcnlex. II, 172.