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Sein Herz war zugleich sehr empfänglich für dieedlen Gefühle treuer Freundschaft; dem Abte Duddusruft er daher die Worte der Schrift (Lool. 9, 14) insGedächtniß: „Halte fest an dem alten Freundei" um inihm die Eindrücke früherer Jahre neu zu beleben (sx. 34x. 285; Look. sx. 75 x. 346; ex. 94 p. 381; ex. 104x. 390). Aber ebensosehr war Bonifatius von glühenderLiebe zu seinem Vaterlande durchdrungen. „Ich freuemich, schreibt er nach Jahrzehnte langer Trennung anden Priester Herefrith, an den Vorzügen und dem Lobemeines Volkes, über seine Sünden aber und Schand-thaten bin ich bekümmert und betrübt" (ex. 74 x. 346).Im Vereine mit den angelsächsischen Missionsbischöfen —darunter wird auch Wilbalth von Eichstätt genannt —richtet „der Erzbischof Bonifatius, der deutsche Legat derrömischen Kirche," an den König Aethilbald von Mercienein Mahnschreiben, dessen Freimüthigkeit in der Auf-forderung eine legitime Ehe einzugehen, statt gottgeweihteJungfrauen in viehischer Lust zu schänden, gipfelt (ex. 73x. 339). Den Erzbischof Cudberth von Canterbury er-sucht er, geeignete Vorsorge zu treffen, daß die englischenWeiber und Klosterfrauen aus Anlaß der Nomfahrtennicht Schiffbruch leiden an ihrer Ehre; denn fast alleöffentlichen Dirnen in den Städten der Lombardei ,Franciens und Galliens sind angelsächsischen Ursprungs.Ebenso scharf tadelt der gottbegeisterte Missionspredigerden zügellosen Luxus in der Bekleidung und die ange-messene Trunksucht seiner Landsleute; selbst Bischöfehalten sich nicht frei von diesem Laster und verleitendurch Zutrinken andere zur Unmäßigkeit. Das ist einspecielles Uebel der Heiden und unseres Volkes (stovMini waluni sxeeials est xa§anoruin ob vostrasA6nti8, ex. 78 x. 354—355).
Von England erhielt der hl. Bonifatius anderseitsaber auch die edelmüthigste Unterstützung in der Ver-kündigung der evangelischen Wahrheiten, in der sittlichenErneuerung des deutschen Volkslebens: Priester und gott-geweihte Jungfrauen verließen die angelsächsische Heimath,um unter den Augen eines hochgcfeierten Lehrers an derBekehrung und Besserung der Sachsen, Thüringer, Bayern U! d Franken zu arbeiten. Wir besitzen noch das Schreibendes Priesters Wiehlberht, in welchem derselbe den Mönchenin Glastonbury seine glückliche Ankunft in Niederhessenmittheilt. Voll Freude berichtet er, wie ihm Bonifatiusauf die Kunde seiner Ankunft hin eine weite StreckeWeges entgegengeeilt sei und ihn gar liebevoll empfangenhabe. Die Arbeit sei gefährlich und mühevoll in jeg-licher Hinsicht: Hunger und Durst, Kälte und die Ueber-fälle der Heiden müsse man ertragen. Aber Wiehberhtist darob nicht kleinmüthig: seine Freunde in der Fernesollen nur eifrig für ihn beten, damit ihm das Wortgegeben werde in freudigem Aufthun seines Mundes.Denn Gott, der da will, daß alle Menschen selig werdenund zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen, habe ihnglücklich über das Meer in die Gegend der heidnischenHessen und Sachsen geführt (ex. 101 x. 388). *)
9 Hauck (Kirch.-Gcsch. I, 439) bemerkt zu diesem Briefe:„WiehbcrhtS Brief charakterisirt den Geist, der Bonifatius undseine Mitarbeiter beseelte: sie waren trotz ihrer Anbänglicbkeitan Rom Verkündiget des Evangeliums." Also Anhänglichkeitan Rom ist eigentlich in den Augen des protestantischen Kirchen-historikcrs ein Hemmschuhs für die Verkündigung des Evan-geliums. Dieser Vvrwnrf überragt an Unverfrorenheit sonstigestarke Leistungen Hauck's, der sich nicht scheut, von Bonifatiuszu sagen: „Wie Hunderte vor und nach ihm, führte ihn dasmißverstandene (?!) Wort in die Ferne, daß man um Christi
Aus der Todtenliste der Missionsbischöfe von1893 .
ll. 0. Im vergangenen Jahre sind 11 Missions-bischöfe nach einem thatenreichen, mühevollen Leben — undmehr oder minder heimgesucht von Kreuz und Leiden —eingegangen in die ewige Ruhe. Es sind dies — in geo-graphischer Reihe genommen: 1. Msgr. Franz DominikusNeynaudi, O. Lax., von 1868 bis 1886 Apostol.Vicar von Sophia und Philippopel — Titular-Erzbtschofvon Stauropolis, geboren am 4. September 1808 inVillafranca, einem piemontestschen Dorfe der DiöceseTurin , gestorben am 24. Juli 1893, erlebte somit dashohe Alter von 85 Jahren. Als k. Francesco daVillafranca trat er 1841 als einer der ersten Pionierein die Mission auf der Balkanhalbinsel . Das Vicariat,das die südliche Hälfte Bulgariens und ganz Ostrumelienumfaßte, war eben im Jahre 1841 den Kapuzinern an-vertraut worden; Apostol. Vicar ward k. Canova.Fünfzehn Jahre hindurch hatte diese Mission einentraurigen Bestand. Die Furcht vor den „Türken undihrer Herrschaft" bannte die Entwicklung des kirchlichenLebens. Die Kirchen waren ärmliche Strohhüten, dieWohnungen der Missionäre „Spelunken". — Erst durchden Krimkrieg und nach dem Vertrag in Paris am30. März 1856 fiel wenigstens ein Theil der osmanischen Fesseln, und die Missionäre entfalteten nun, insoweit esihnen gestattet wurde, eine energische Thätigkeit. DieGleichstellung der Christen mit den Mohammedanern warwohl durch den Vertrag ausgesprochen; zur vollen Geltungjedoch gelaugte sie noch nicht sofort. Doch — die Mis-sionäre konnten nun Kirchen und Schulen bauen. ImJahre 1861 wurde die schöne Kathedrale zu Philippopel erbaut. Nachdem Msgr. Canova 1866 das Zeitliche ge-segnet, wurde sein vieljähriger treuer Mitarbeiter k. Fran-cesco Apostolischer Vicar (1868). Msgr. Neynaudi trugnun vor Allem Sorge für Heranbildung eines ein-heimischen Klerus und gründete ein Knabenseminar,das 1870 eröffnet wurde. Die Anstalt entwickelte sichin solch gedeihlicher Weise, daß sie im Jahre 1888 bereits79 Zöglinge hatte (und 1891 allein 18 Theologen).
Im Jahre 1872 gründete Msgr. Neynaudi einWaisenhaus für Mädchen und übergab es später — zu-gleich mit dem neugegründeten Spital — bulgarischenKlosterfrauen vom dritten Orden, welchen der Bischofselbst eine „den lokalen Verhältnissen entsprechende" Regelund eine sehr praktische Anleitung für den Waisen- undden Krankendienst gegeben. Da zeigte sich ein in der Thatmerkwürdiger Zug der bulgarischen Frauenwelt zumOrdensstand und jungfräulichen Leben. Dieser Zug tratso stark zu Tage, daß er von den Missionären förmlichzurückgedrängt werden mußte.
Der Aufstand der Bulgaren gegen die Türkei imJahre 1876 und der russisch -türkische Krieg brachten schwereZeiten über die Mission. Msgr. Neynaudi stand felsen-fest inmitten der Gefahren; er vertraute der Hilfe deSAllmächtigen. Und seinem Einflüsse, seiner Klugheit,sowie seinem unerschrockenen Vorgehen ist eS zu einemnicht geringen Theile zu verdanken, daß Philippopel vor
willen die Eltern und das Vaterland verlassen müsse" (I. e. l,417). Welche Motive bewegen denn die protestantischen Missions-prediger der Gegenwart, „Eltern und Vaterland" zu verlassen,um in überseeischen Ländern das Evangelium zu verkündigen?Nacü Hauck handeln diese evangelischen Christen ganz un-biblisch.