Ausgabe 
(6.9.1894) 36
 
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völliger Anarchie und Zerstörung bewahrt wurde. Seinedießfallsigen Verdienste wurden auch von allen Seitenanerkannt; nicht nur von Bulgarien , sondern auch vonder Türkei und von Rußland . Auch in der nun fol-genden Berathung über die Regelung der Balkanfragespielte Msgr. Neynaudi als Congreßmitglied eine be-deutende Rolle. Im I. 1881 feierte er sein 50jährigesPriesterjubilüum; und 1882 unternahm er noch den Baueines großen internationalen Spitals. Als endlich dieGebrechen seines Alters zu empfindlich hervortraten, legteer mit Bewilligung des hl. Stuhles sein bürdevollesapostolisches Amt nieder und zog sich in das KlösterleinKalachia (bei Philippopel) zurück als armer Capuzinerohne Pension und Pfründe und weihte sich dem Gebeteund der Vorbereitung zum Tode.

Ein glorreicher Tag war für ihn noch der 4. Ok-tober 1891: da feierte Bulgarien den 50. Jahrestagfeiner Ankunft in Bulgarien . Das war in Wahrheitein großes Fest, gefeiert unter Theilnahme aller Klassen,Nationen und Religionsbekenntnisse l Ferdinand I.von Bulgarien schmückte den greisen Bischof mit einemder höchsten Orden; der Viceconsul Frankreichs über-reichte ihm das Kreuz eines Offiziers der Ehrenlegion;der italienische Consul das Kreuz eines Comman-danten vom Orden des hl. Moriz und des hl. LazaruS.Und von Land und Stadt drängten sich Armenier, Judenund Türken vor Allen aber seine lieben katholischen Bulgaren um den ehrwürdigen Jubelgreis, um dem-selben darzubringen ihre herzlichsten Glückwünsche. Daswar ein Zeichen jener seltenen allgemeinen Liebe, diehinausreicht über Grab und Zeit!

2. In Port Elizabeth (Südafrika) starb Msgr.Jakob David Ricards, apostol. Vicar des Ost-caps am 30. November; geboren am 10. Januar1828 zu Wexford in Irland als der Sohn einesangesehenen Arztes. Die Persönlichkeit dieses hohen Ver-blichenen, sowie sein hochverdienstlichcs Wirken ist inunserm verehrlichen Leserkreis in den Hauptzügen wohlschon bekannt. Vierundvierzig Jahre wirkte Msgr.RicardS im Missionsdienste des Caplands. Noch alsSubdiacon (kaum 22 Jahre alt) folgte er dem apostol.Vicar des Ostcaps, Msgr. Depreux, der nach Europa gekommen war, um opferwillige Priester zu werben, imJahre 1849 im Dezember nach Afrika . Damalswar für die katholische Mission das Capland, wo dercalvinische Fanatismus herrschte, noch ein sehr unfrucht-barer Boden. Erst im Jahre 1868 wurden die bar-barischen Zwanggesetze abgeschafft. Doch war die Stim-mung der protestantischen Bevölkerung gegen die Katho-liken eine sehr feindselige. DaS hat bald der Neupres-byter Ricards in Grahamstown erfahren, das sein Arbeits-feld wurde dasfast noch völlig unbebaut". Dadurfte sich kein Priester im klerikalen Rock öffentlichzeigen; man mußte die Vorurtheile zu bannen suchen.Das verstand eben der hochwürdige Herr. Er war sehrtalentirt, hatte ein umfangreiches Wissen, besaß eineseltene Rednergabe, dabei so viel Klugheit als apostol-ischen Muth und Energie und war überdreh eineliebenswürdige Persönlichkeit. Er verschaffte sich beson-ders Eingang in die Herzen seiner Gegner durch wissen-schaftliche Vorlesungen, die bald sehr beliebt wurden.Er begann mit der Naturwisseuschaft und ging nach undnach, selbst Humoresken gebend, auf religiöse Themataüber, wobei man mit gleicher Aufmerksamkeit den Wortendes geistreichen Redners lauschte. Dann zog er auch die

Presse in sein Hilfsbereich und gründete eine Zeitungund einen Leseverein. Nasch hob sich die kleine kathol.Gemeinde. Im Jahre 1869 zählte das Vicariat 4000Katholiken, 9 Priester, 10 Kirchen und Kapellen, 1 Priester-Seminar und 9 Schulen.

Im Jahre 1871 wurde Msgr. Ricards apostolischerVicar des Ostcaps, setzte aber, trotz der großen Arbeits-last, seine literarische Thätigkeit fort; was um so noth-wendiger war, da die Führer der englisch -protestantischenSeelen die aufblühende katholische Kirche in Wort undSchrift befehdeten. Außer zahlreichen Gelegenheitsschriftenverfaßte er mehrere treffliche Controversschriften, von denendaS größere WerkOabliolio Otirisiüanit^ anä NoäsrnIlirbsliek" auch in England und Amerika große Ver-breitung fand. Besonders aber galt es, dem Pro-testantismus die Alleinherrschaft im Schulwesen zu ent-ringen, und Msgr. Ricards gründete das St. Aidans-Colleg in Grahamstown, die einzige höhere Schule imOstcap. Im Jahre 1875 gewann er in Europa fürdieses Colleg vortreffliche Lehrkräfte bet den englischenJesuiten . Für die Elementar- und Gewerbschulen ge-wann er Marienbrüder aus Lyon ; für die armen WaisenSchwestern von Nazareth", welche die Leitung des Na-zarethhauses in Port Elizabeth übernahmen, eine derschönsten Gründungen Ricards '. Die Frauen von derHimmelfahrt weihten sich der Krankenpflege. Ein be-sonders glückliches Unternehmen des Msgr. Ricards wardie Berufung deutscher Dominikanerinnen ausdem Mutterhause zu Augsburg im Jahre 1875. ImJahre 1877 folgten aus dem Mutterkloster St. Ursula7 Schwestern für einen neuen Convent in King Williams-town, worüber ein Contract mit dem Hochw. Herrn BischofPankratius v. Dinkel von Augsburg und der Frau Priorindes Klosters St. Ursula abgeschlossen wurde.Gottesreichster Segen ward diesem Werke." Daß Msgr. Ricardsfür die armen Koffern Trappisten berief, welche 1880die Farm Dumbrodi übernahmen, dieselbe aber wegenverschiedener Hindernisse 1882 wieder aufgaben; daßspäter diese Station von Jesuiten unternommen wurde,welche bei den Koffern im Keilond u. f. w. Stationengründeten, und daß die Jesuiten am Sambesi bei seinemUnterlaufe wieder begonnen haben, darüber wurde indiesen Blättern und dem Hauptblatte Postzeitungjeweilig berichtet.

Msgr. Ricards hatte als Bischof sich das MottoOlraritns omnia sustinot" gewählt. Das ist ein Aus-spruch, der, wie Msgr. Strobino, Ricards' Nachfolger, inseiner Leichenrede sagte,so treffend das ganze Lebenund Wirken des Bischofs einschloß". Ihm verdanktdie katholische Kirche im Ostcap ihre heutige, ehrenvolleStellung. Sein Tod wurde nicht nur von den Katho-liken, sondern auch von den Protestanten tief betrauert.Das bezeugt selbst ein herrlicher Nachruf der englischenprotestantischen ZeitungEastern Province Herald",welcher Nachruf sogar von einem früheren literarischenGegner Msgr. Ricards' verfaßt ist; von dem gelehrtenVicepropst der anglikanischen Kirche in Port ElizabethNev. Dr. Wirkmann, der da unter anderm sagte:Den Bischof Ricards kennen lernen, hieß ihn liebenund hochachten, und Alle, alt und jung, arm undreich, fühlten, daß sie bei seinem Tode einen persönlichenFreund verloren." Msgr. Ricards starb im 66. Lebens-jahre. R. I. ?.

(Schluß folgt.)