Ausgabe 
(6.9.1894) 36
 
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und Grundbesitzern. Unter den Volksbildnern lernte ichein wahres Original jener streitbaren Pioniere des öster-reichischen Deutschtums kennen, die, unter der Acgidedes deutsch -österreichischen Schulbereines manchmal rechteigenartig kämpfend, etwas gar zu rührend über Unter-drückung der deutschen Cultur zu jammern Pflegen. DerMann war noch jung, aber bereits Wittwer mit sechsKindern. Was er mir aber gleich nach dem ersten Be-kanntwerden erzählte, war nicht das, sondern daß erbereits zehn Jahre in der Gemeinde gegen die Slovenenkämpfe, und daß er es mit Hilfe eines deutschen Grund-besitzers und des deutsch -österreichischen Schulbereines durcheine Reihe von Intriguen dazu gebracht habe, daß in derüberwiegend slovenischen Gemeinde eine rein deutsche Schulezustande gekommen. Dafür habe dann auch der Schul-verein 2000 fl. zum Bau des neuen Schulhauses beige-steuert. Dieses Schulhaus, isolirt, mitten in einem Gartengelegen, sah denn auch in grellem Kontraste zu demschmächtigen Doppeldörflein allerdings wie ein Palastaus. Vielleicht wirkt dieses Bewußtsein auch auf denstreitbaren Volksbildner ein. Mit gehobenem Pathos,wie früher einmal ein Schulvereinler aus Pilsen aufdem Arber, deklamirte er mir, indem die schwarzen Haar-strähne sein Haupt wie Schlangen umzüngelten, daß erauf diese seine nationale Arbeit sehr stolz sei: seine Ge-meinde sei die einzige derartige im Gailthal, und diedurch Intriguen bearbeiteten slovenischen Bauern hättenselber mitgründen helfen. Bei der sonstigen Gutmnthig-keit des Mannes errieth ich aus dem wettern Gesprächgar bald, daß er eigentlich die Marionettenfignr des ge-nannten Grundbesitzers in seinem Orts war, und derweitere Hintergrund ergab sich auch alsbald, indem mirein junger Vetter des letzteren bald einen eingehendenVortrag über den Protestantismus als wahre Religionder Zukunft gehalten hätte, wenn ihn nicht mein Ver-halten aus seiner weittragenden Begeisterung gerissenhätte. Wenn ich noch daznfüge, daß Thörl -Magiernder unmittelbare Nachbarort des durch seineslovenischenUmtriebe und die Verhetzung des slovenischen Volkes durchPfarrer Einspieler" berüchtigten Arnoldstein ist, so wirdsich dem, der einigermaßen in diesen Dingen unterrichtetist, der kausale Zusammenhang der politischen Constcllationvon sich selbst ergeben. Ich habe die kärntischen Slo-venen als das liebenswürdigste, friedfertigste Volk kennengelernt. Durch dienationale" Hctzarbeii des deutsch -österreichischen Schulbereines werden sie mit der Zeit dervon Krain her arbeitenden panslovenischen Agitation indie Arme geworfen werden. Mögen auch immerhin ein-zelne slovenische Jungkleriker auf den Kampfruf geradesoeinseitig und unklug antworten, wenigstens können sie inKörnten für sich das Moment der Nothwehr beanspruchen.Andrerseits aber Hai das Völklein der windischen Gail-thaler noch gesunde Volkskraft genug in sich, um unbe-irrt von derlei Dingen seine eigenen, wenn auch manch-mal etwas derben, so doch gesunden Wege zu gehen.

(Fortsetzung folgt.)

Recensionen und Notizen.

Karsch A., Vacksinoonm dotanieum: Handbuch zum Bestimmender in Deutschland wildwachsenden sowie im Feld undGarten, im Park, Zimmer und Gewächshaus kultivirtenPflanzen. 8°. I.V -s- 1094 -st L SS. ni. 2437 Fig.Leipzig, Otto Lenz 1894. M. 20.00.zp Ein Werk riesenhaften Fleißes liegt vor uns, dessen Er-scheinen der fast ein halbes Jakrhuilden an der Akademie zuMünster rastlos thätige Professor der Naturgeschichte Karsch

leider nicht mehr erlebte; denn kurz nachdem er das Manu-script des Buches zum Druck fertiggestellt hatte, rief ihn derTod vom Schauplatz seiner Thätigkeit. Seit Koch's berühmter»bllora. Oormaniao- (1857) ist kein so brauchbares Handbuchmehr erschienen; nachdem jenes klassische Werk keinen Bearbeitergefunden hat, der es im Sinne des Meisters redigirt und aufder Höhe der Wissenschaft gehalten hätte, müssen wir Karschdoppelt dankbar sein, daß er eine tatsächliche Lücke in derbotanischen Literatur so vortrefflich ausgefüllt bat. Das Hand-buch, welches an 3000 Genera und an 10000 Species vorführtund beschreibt, ermöglicht durch seine klare und deutliche Fassungauch dem Liebhaber der »Soisntin amabilis- die selbstständigeBestimmung der Pflanzen; Lehrer und Lernende, Gärtner,Forstleute und Botaniker von Beruf haben hicmit ein Nach-schlagebuch, das wohl nicht leicht versagen wird. Die Brauch-barkeit desselben in der Praxis war dem Verfasser vor Allemmaßgebend, selbst die wichtigsten Gruppen der Cryptogamenfanden Berücksichtigung. Ist der wissenschaftliche Werth deS(verbesserten) De Candolls'schen Pflanzensystems auch außeraller Frage, da es eben als natürliches jedem andern gegenüberallein Berechtigung hat, so ist in dem Handbuch doch auspraktischen Gründen als grundlegendes System für die Be-stimmung der Pflanzen das von LinnS angenommen worden;denn man muß offenbar jene Merkmale der Pflanzen vorzüglichberücksichtigen, die am leichtesten zu entdecken sind, nun aberist für eine schnelle und gleichwohl sichere Bestimmung derPflanzen das wissenschaftlich freilich unhaltbare Linns'scheClassensystcm das weitaus geeignetste, wie es der Verfasser inöOjähriger Lehr- und Excursionsthätigkeit erprobt hat. Die§ Diagnosen sind kurz und bündig abgefaßt, allerdings, die^ zweifellose Klarheit der Koch'schen erreichen sie nicht, das istj aber auch nicht wohl möglich, denn Koch hat seineFlora"

; lateinisch geschrieben, vorliegendes Buch ist aber zurEhre der, deutschen Wissenschaft" deutsch abgefaßt, d. h. in dem Misch-masch von Deutsch und Latein, in der bunten wissenschaftlichenKnnstbntlersprache, die gegenwärtig Mode ist. Wer daher anältere Werke gewöhnt ist, wird sich schon ein wenig hart thun,sich in die vielfach neue und eigenartige Terminologie einzuleben;nicht umsonst ist schon öfter von Botanikern der beherzigens-werthe Vorschlag gemacht worden, in Werken aus der be-schreibeueen Botanik, falls man sie nicht mehr ganz lateinischschreiben will (oder kann?), wenigstens die Diagnosen lateinischmit den wissenschaftlich stereotypen Kunstausdrücken abzufassen.In deutsche » Termini läßt sich ja doch keine Konsequenz herstellen:warum z. B. der Verfassersteril" undfertil", fernerdepreß,exotisch, sensitiv" nebenfruchtbar, ausländisch, reizbar" rc., nebenbogigadrig, schülfrig" und anderen, zuweilen ganz unverständ-lichen Sprachncubildungen stehen läßt, ist nicht klar; jedenfallsbat er selbst das Bedürfniß gefühlt, einen Schlüssel zur Er-klärung der KnnstauSdrücke beizugeben. Doch thun natürlichsolche Dinge dem Werth des Buches keinen Eintrag; ist manja bei natürgeschichtlichen Werken gewöhnt, die Anforderungenan philologische Genauigkeit der Darstellungsform nicht hoch znspannen. Daß der Verfasser die lateinischen Genus - undSpecies-Bezeichnungen nicht, wie viele ähnliche Schriften, mitden barbarischen deutschen Endungenbeschwäuzt", ist anzu-erkennen, ebenso, daß die lateinischen Wörter ihren Accent(nicht immer richtig, vgl. lOanoeöla, S. 1080) tragen; denn wirwissen aus Erfahrung, daß selbst gutbezahlte Umvcrsitäts-professoren die KnnstauSdrücke deS Faches, das sie in Vor-lesungen dcciren, oft genug nicht einmal richtig auSzulprechen,geschweige denn ihre Herlcitung anzugeben vermögen. Wesent-lich tragen zum Verständniß die beigegebenen schematischen Fi-guren bei, auch ist es angenehm, daß uns jene Persönlichkeiten,welche einer unseligen Sitte gemäß so Vielen Pflanzen ihreNamen gegeben haben, vorgestellt werden. Das Werk wirdin seiner Art den ersten Platz behaupten; möge es recht vielbeitragen zur bewundernden Kenntniß der Natur, die im Klei-nen am größten ist und in der Pflanzenwelt einen unermeß-lichen Schatz an Farben, Düften und Formen bietet.

Anzeiger des germanischen Nation almnseumS. 1894.Nr. 2 März und April, 3 Mai und Juni. Nürnberg ,Germanisches Museum .

DemAuze.ger" (Museumschronik) sind alsMit-theilungen" beigegeben: Th. Hampc, Spruchsprccher, Meister-singer und Hochzeitlader, vornehmlich in Nürnberg . S. 2544,6069. Eine sehr gehaltvoll: Studie, als Text zu den imgermanischen Museum bewahrten Denkmälern, überdies für dieLiteratur- nicht minder als für die Cultur- und Sittengeschichteinteressantes Thema. Die Nürnberger Hochzeitlader und Leid-