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denz und als spätere Zeugnisse. Chronologisch sinddie Evangelien zur Stunde sicherer erkannt als dieSchriftrolle von Himis, sie sind wirklich vertrauens-würdiger; doch wir wollen die „Expeditionen" nachHimis mit ihren Ergebnissen abwarten. Bleibt dieTendenz. Eine Tendenz hat jedes Ding, sonst ist esein Unding. Soll das Wort aber soviel wie Parteibedeuten, und zwar „Partei um allen Preis", so machtdie Buddhisteuschrift auf jeden Unbefangenen sofort denEindruck, daß sie im Hinblick auf die Evangelieneben als Tendenzschrift geschrieben sei, gleich-viel ob 1893 oder anno 37 n. Chr. — Mit merklicherOstentation macht sie Front gegen die evangelischenBerichte vom Ende des Herrn! So betrachten wirdie Schrift als einen späteren Tendenzabklatsch derEvangelien.
Ob das Buch, soweit eS „Jssa" betrifft, nicht einromanhafter, am Ende gar witziger Einfall sein soll,habe ich mich freilich gefragt: allein wir nehmen denVerfasser durchaus ernst, da wir ihn als vorzüglichenEthnographen kennen lernten. Notvwitsch wird daherim zweiten Theil nicht weniger wahr sein wollen als imersten: er müßte denn eine Heine-Natur als Satirikerhaben. Der Wissenschaft nützen seine ethnologischenBeobachtungen sicherlich mehr als seine philologischeBuddhistenprobe. Unsere sehr schlechte Meinung von dermoralischen Aufrichtigkeit der Buddha- und Brahma-Priester hat er nicht gehoben. Der Versuch, Christumirgendwie mit einer „Schule" oder einem Neli-gionssystem zu identificiren, bleibt vernunftwidrig, seier alt oder neu.
Einen Gedanken freilich bestärkt auch dieses selt-same Buch, von dem der Prospect meint, es sei vielleichtberufen, die jetzige Neligionsanschauung zu modificiren.Es erinnert an den Orient, wo noch sicherlich uralteZeugnisse über das Urchristcnthum begraben liegen.Roina. looutn est — sage ich in archäologischem Sinne.Der Orient hat nun angefangen, seinen Mund auf-zuthun. Die kommenden Jahrhunderte mögen wahreWunder an Enthüllungen bringen. Ich glaube daran.Christum freilich werden sie nicht zum Buddhisten —„bekehren" können. Das war wohl auch bezüglich desNotowiisch-Fundes die Meinung von Renan, von JulesSimon , von Cardinal Noielli u. a., die Herrn Notowitschnach seinem Vorwort mehr oder minder „deutlich" alsungläubige Thomasse entgegenkamen.
Eine genealogische Notiz von Dr. B. Sepp.
Bekanntlich ist die Herkunft jener Markgrafen, welchemit dem Jahre 976 im Nordgan und in der Ostmarkals Gebieter auftreten, noch immer in tiefes Dunkel ge-hüllt. Während Otto von Freising seinen Ahn, denMarkgrafen Adalbcrt ('s 1055), ohne weiteres für einenNachkommen des Babenbergers Adalbert erklärt, der am9. Sept. 906 vor seiner Burg Tharisfa (ThereS) au:Main unweit Bamberg wegen Landfriedensbruchs ent-hauptet wurde/) steht Avcuttn nicht an, Otto's Bruder
') Oliron. VI, 15: »üx Irnius LUierti eavAuws LIbortus,gui xostmoclnm marebinin orieutalem, iä 88t Uaunouiamsuxeriorem, UnAarrs erextaw Romano imxsiio aäioort ori-Aiiiem (luxisse traclitur.« AuS dein Ausdruck traäitur er-sehen wir, daß Otto v. Fr. seiner Sache durchaus uicht sicherwar; vielmehr lieh er sich wobl nur durch den Elcichlaut derNamen zu seiner Annahme verleiten, und er hat eben darum
Leopold IV. als Sproß der Grafen von Scheyern zubezeichnen?) Und in der That, so seltsam es auch aufden ersten Blick erscheinen mag, daß sich Otto von Freistngin einer ihn selbst so nahe berührenden Frage geirrthaben sollte, müssen wir doch gestehen, daß die größereWahrscheinlichkeit für Aventins Annahme spricht, denn
1. steht urkundlich fest, daß Mitglieder jenes mark-gräflichen Hauses als Zeugen beim Ohre gezupftwurden, was, wie schon Riezler hervorgehobenhat?) ein sicheres Merkmal ihrer bayrischen Ab-kunft ist; von den Babenbergern aber läßt sichnicht bezweifeln, daß sie ihrer Abstammung nachFranken waren;
2. sind die Namen Berthold und Liutpold, welche dieStifter jener markgräflichen Linien tragen, in derFamilie der Babenberger nicht nachweisbar?) imHause der Scheyern dagegen wohlbekannt;
3) haben wir bestimmte Auhaltspuukte dafür, daßdie Stifter jener markgräflichen Linien im Besitzescheyrischen Hausguts waren:n) Aus einer Traditionsurkunde des Klosters St.Emmeram (gedr. bei Pcz, Mass. anaeclot:.Vvl. I k. III S. 92 u. 99, 6ocl. traü. s.üinwar. anx. 20 u. 33) geht hervor, daßMarkgraf Berthold im Einverständniß mit seinerGattin Heilsuinda und seinem Sohne Heinrichdem Abt Namwold von St. Emmeram (reg.975—1000) das Gut Jsling (bei Regensburg )im Donangau, wo auch sein Bruder Liutpoldbegütert war, Übermächte. Da nun Heilsuindadie Tochter des sächsischen Grafen Lothar vonWalbeck war/) so kann dieses Gut nicht etwavon ihr in die Ehe gebracht worden sein, son-dern nur zum Hausgut Bertholds gehört haben?)
den eigentlichen Begründer der Linie Liutpcld I. (st 991) mi* *Stillschweigen Übergängen. Sein Zeugniß wird dober sehr ver-schiedenartig beurtbcilt. Während Giescbrccht (Nankc'sche Jahrb.d. d. R- unter Otto II. Exkurs VI S. 137) meint: „Auf dieseAutorität hin mag denn sich immer die Tradition, so langesich nicht eine sichere Genealogie auffinden läßt,auch weiter fortpflanzen", bestreiten F. Stein (Forschungen zurD. G. Bd. XII S. 131), S. Riezler (Gesch. B. Bd. I S. 360),Cl. Schwitz (Oesterreichs Scheyern-WittelSbacber S. 22 f.) dieRichtigkeit dieser Hypothese, zumal cS an jedem Mittel-glied zur Anknüpfung an die Babenberger fehlt.
2 ) Bayer. Chronik VI, cap. 17: „König Chunrad liheVairn, davon er herzog Haiurichcn den zebcuden vcrtribcn hat,seinem bruedcr der muctcr halben, herzog Leitpold. marchgrafcnauS Oesterreich, sank LeitpoldS fun, so auch auS dem eltistcnstam dcö Haus Bairn, den grasen von Scheirn, pürtig was."
2) Gesch. B. Bd. I S. 360 A. 3. Dieses Argument be-wog auch Giescbrccht, seine Meinung zu ändern, s. Gesch. d. d.Kaiserzeit Bd. I 5. Aufl. S. 616 Anm. zu S. 573: „Mankann so zu der Annahme gelangen, daß die Babenberger m derNordmark und in Oesterreich von einem bairischen imBambergischcn später angesiedelten Geschlecht ab-stammten, aber man kommt über vage Vermuthungen nichthinaus."
*) Hier begegnen uns Namen, wie Poppo (— Pabo, davonPabinberg — Bamberg ), Avalbert, Ndalhard.
S. ThietmarS (Enkel des Grafen Lothar von Walbeck )Chronik V, 8. Unter dem Chronik II, 11 z. I. 911 ange-führten Grasen Berthold ist natürlich der Bruder dcS HerzogsArnulf zu verstehen, vgl. Lnual. Laxo z. I. 913 (oomes stehtin den Quellen oft, wo wir clux oder warelno erwarten). DieUnmöglichkeit, ihn mit dem Markgrafen Berthold zu identificiren,hat Cl. Schmilz a. a. O. S. 6 f. überzeugend bargethan. EineVerwechslung war aber beim sächsischen Annalisten (z. I. 977)um so leichter, als beide Bcrtholdc Söhne des Namens Heinrichhatten.
°) Daß die Schehern im Donangau viele Güter hatten,beweisen die Urkunden bei Ried coä. äixlow Uktisb. I n. 103«