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Wie aber sollte ein Babenberger in den Besitzscheyrischen Erbguts gelangt sein?sz) Aus einer 2. Traditionsnrkunde desselben Klosters(ebenda S. 106 oax. 48; vgl. Ried eoä. clixlora.Ilatigd. I n. 120) ersehen wir. daß BertholdsSchwester Mathilde, welche den Burggrafen Pabovon Regensburg (Grafen v.Stefening) geheirathethatte, das Gut Gundelshausen (bei Abbach ) anSt. Emmeram schenkte. Auch dieses war einescheyrische Besitzung, welche ihre Mutter Kuni-gnnde anscheinend als Wittwengut von ihremGatten, dem Vater Bertholds, erhalten hatte,o) Eben diese Mathilde ließ laut einer Urkunde, diezu Maria Saal in Körnten ausgestellt wurde(s. Kleimayrn lluvavia Diplomatischer AnhangS. 198 n. 20, Nagel Notüt. oriA. äom. boionsS. 236), durch ihren aävoeatus Berthold vondem Erzbischof Friedrich I. von Salzburg (reg.958—991) und dessen aävooatrm Hartwig dieOrte Gurnoz (— Gurnitz bei Klagenfurt ) undTurbine (?) in Körnten gegen Zemusesdorf(— Zimmersdorf bei Feuchtwangen ?) und Hor-naresdorf (— Hormersdorf bei Hersbruck?) ein-tauschen. Nun wissen wir von den Scheyern ,daß sie sowohl in Körnten/) wo einst HerzogArnulfs Bruder Berthold geboten hatte, als auchim Sualafeld, Sulzgau und Rangau Besitzungenhatten/) von den Babenbergern dagegen ist wederdas eine noch das andere bezeugt.
Diese Umstünde rechtfertigen die Vermuthung vonCl. Schwitz a. a. O. S. 71 f., daß jener MarkgrafBerthold im Nordgau mit dem gleichnamigen Sohn desbayrischen Pfalzgrafen Arnulf identisch sei. Denn wennauch der letztere wegen Betheiligung an dem Aufstandeseines Vaters des Landes verwiesen wurde (nach derReisensburg bei Günzburg ) und wegen des vor derSchlacht auf dem Lechselde geübten Verraths sogar dasLeben verwirkt hatte, so ist es doch ausgemacht, daß ervon König Otto I. auf Bitten seines Taufpathen (deshl. Bischofs Ulrich von Augsburg ) begnadigt wurde?)Wenige Jahre später treffen wir ihn mit Liutpold alsZeugen bei Beurkundungen des Bischofs Abraham von
110, 112, wo uns als Besitzungen Judiths und ihres BrudersLudwig: Schierling, Nogging, Lindhart, Biberbach und Aiter-hofen genannt werden. Ueber ihren Neffen Bertbold s. untenA. 17. Ueber Jslinz vgl. Heigel und Riezler, Das HerzozgthumBayern, S. 294.
') Z. B. die Arnulsinger Hermann (im Grabfeldc, s. Klei-mayrn, üuvavia. Diplom. Anhang S. 180 n. 66, vgl. Tümmler,Otto d. Er. S. 229 A. 3) und Ascuin (Ncifnitz am Wörther-see, f. Ncsch, Lunal. Labion. T. II S. 632 f. n. 2, Nagela. a. O. S. 229 f.).
°) So z. B. Herzog Bertholds Wittwe Willrude, Tochterdes Herzogs Giselbert von Lothringen , Stifterin des KlostersBergen bei Ncubnrg a. D., und Herzog Berthold felbst (s.Nagel a. a. O. S. 243 f.. Llon. So. XXXIa. 230 f.. Oefele,Vermißte Kaiser- und Königsurkundcn. Sitzunqsbcr. d. k. b. Akad. d. W. philos.-philol.-histor. Cl. Jahrg. 1893 S. 296n. XIII). Daß die Allode der Markgrafen von Schweinsurtmit dem babenbergischen Besitz sich nicht berühren, hat schonF. Stein a. a. O. S. 132 f. gezeigt.
°) S. Conrad von Scheyern Llon. Lo. X, 392 f., der denSohn Arnulfs fälschlich Wcrnherus nennt; vgl. Hmiial. s.ümmsr. z. I. 951, Gerhards vita s. Väalrioi cap. 12. Ottovon Freising läßt diesen Berthold im Jahre 955 durch dieUngarn gctödtet werden, s. Obrem. VI, 20; aus einer UrkundeOtto'S II erhellt aber, daß er noch im I. 976 am Leben war,s. Lloy. Lo. XI. 439.
Freising (reg. 957—993)/°) des treuen Berathers seinerTante Judith, die seit dem Tode ihres Gemahls Hein-rich I. (-ß 955) die Regentschaft für ihren unmündigenSohn Heinrich (d. Zänker) in Bayern führte. Judithsund Abrahams Fürsprache wird es wohl auch zuzuschreibensein, wenn Berthold durch Otto d. Gr. ums Jahr 960die Grafschaft im Nordgau , Nadenzgau und im Volk-felde,") wo auch seine Ahnen regiert hatten,") erhielt,während dem jüngeren Bruder Liutpold (nach 973) dieGrafschaft im Donaugau") und im Sundergau") zu-theil wurde. In dankbarer Erinnerung an seinen könig-lichen Wohlthäter warnte Berthold dessen Sohn Otto II. im I. 974 vor den Anschlägen Heinrichs des Zänkers,")der dem Scheyern das ihm von Rechtswegen gebührendeHerzogthum Bayern vorenthielt und ihm daher in derSeele verhaßt sein mußte. Als jedoch Otto II. nachder Aechtung des Bayernherzogs dieses Herzogthum nichtihm, sondern seinem Neffen Otto von Schwaben verlieh,lehnte sich Berthold gegen seinen König auf,") und eskam so weit, daß Otto II. mehrere Güter des scheyrischenGrafen confiscirte.") Dies veranlaßte Berthold , sich dem
l°) S. Meichclbeck, bist. Pris. Ib n. 1090, 1097 g und b,1101; Huschbcrg, Aclteste Gcsch. d. HauscS Scheyern-Wittcls-bach, S. 181 A. 13.
") S. LI<m. Lo. XXVIII» 133 f., 201 f.; Dümmlcr, Ottod. Gr. S. 243 A. 1, vgl. A. 17.
") S. Riezler a. ci. O. S. 333: „Ein bis zum Main undvielleicht bis zum Speßhort reichendes, jedenfalls den Rednitz-gau und Vollfcld in sich schließendes Gebiet ist hier wahr-scheinlich schon von Arnulfs Vater, dem Markgrafen Liutpold,beim Untergänge des Babenbergers Adalbert im Jahre 906 ge-wonnen und zu dessen Mark im Nordgau geschlagen worden,so daß bereits damals ein Theil der ostsränkischen Gegenden,die nach neunhundert Jahren wiederum mit dem bairischcnStaatSkörper vereinigt wurden, unter bairischcr Herrschaft stand";vgl. ebenda S. 245 und unten A. 13. AuS diesen ostsränkischenLehen erklären sich auch Bezeichnungen wie »ksrabtolt äsorisntali I'raueia eomes- (Pez a. a. O. oap. 20), »Usnrious(dessen Sohn) orientalium I'raiicorum äsous- (Tbistmar.Obron. VII, 46) u. a. m., welches keineswegs fränkische Ab-kunft beweisen.
--) S. Ried a. a.O. n. 117 (Llon. Uo. XXVIII a, 236 f.).Allerdings gehört diese Urkunde erst dem I. 983 an, aber wirdürfen aus dem LIon. Uo. XI, 439 mitgetheilten Diplome (s.Anm. 17) folgern, daß der Donaugau, in dem Wsichelburg(zwischen Deggeudorf und Straubing ) lag, schon im I. 976 vonLiutpold verwaltet wurde; noch sein Sohn Adalbert besaß dieseGrafschaft (i. Llou. Lo. XXVIII a. 491).
") blos. Uo. VI, 154 f.
S. Lamal. ^Italiens . z. I. 974.
'") Derselbe Vorgang wiederholte sich bei Bertholds SohnHeinrich, als Heinrich d. Hl. das durch seine Erwählung zumdeutschen König vakant gewordene Herzogthum Bayern nichtihm, sondern seinem Schwager Heinrich von Luxenburg verlieh,s. Tbistmar. Obron. V, 8 und 20. Beide mußten also ebensowie Pfalzgraf Arnulf, der sich aus demselben Grunde i. I. 953gegen Heinrich I. erhob (s. Widukind III, 21), ein Anrecht ausBayern haben.
") Vgl. die beiden Urkunden Otto'S II. vom 21. Juli 976,aus welchen hervorgeht, daß dieser Kaiser sowohl das scheyrischeWijchelbura, welches Berthold an Kl. Metten geschenkt hatte,als er noch in der Gnade des Kaisers war (»aäbuo in §rati»iinxsratcris manens«), als auch den Hof, der sich südlich vomDom von Regensburg zwischen dem (ebenfalls confiscirten?)Grasen BertholvShos (— dem sog. Herzogshof) und der Pfaffen-gasse (heute Psaueugassc genannt) »intsr vurtem ksrbtoläicowitis st viam guas ante eoolssiam sita sst- erhob undvon Berthold au (leine Verwandten?) den Diakon Berthold und dessen Bruder Meginbart zu Lehen gegeben war, einzog;s. Llon. Lo. XI, 439 und XXXIIIa, 214 f. äuvavi» Diplom.Anhang S. 188 n. 72. Doch ließ sich Otto II. auf Verwendungdes Markgrafen Liutpold und des Bischofs Heinrich von Augs-burg (Sohn des Markgrafen Burkhard und einer Tochter veSHerzogs Arnulf) herbei, jene Schankung ihres VerwandtenBerthold zu bestätigen, während er den Hos in Regcnsburg dem