394
statten, daß sie Bauchrednerin war und alle Stimmen, lvon der Stimme eines kleinen Kindes bis zu der einesMannes, imitiren konnte.
Es wurde nun ein Protokoll über die Entlarvungabgefaßt und von 22 Personen unterzeichnet. Mandrohte der Betrügerin und ihrem Manager mit Aus-lieferung an die Polizei, falls sie nicht binnen einerStunde Paris verlassen hätten, und sie zog selbstver-ständlich vor, dieses zu thun. Sie soll sich dann inHavre wieder nach New-Mrk eingeschifft haben, wohlsehr enttäuscht von ihren Erfahrungen in Europa .
Die Spiritisten in Frankreich hoffen, wie CharlesChincholle am Schlüsse seines Artikels bemerkt, in Zu-kunft von amerikanischen Medien verschont zu bleiben.
Es ist nun gewiß keine Frage, daß im Geburts-lande des Spiritismus, in den vereinigten StaatenNordamerikas , am meisten in experimenteller Hinsichtbetrogen wird, und deßhalb haben sich ja daselbst auchbereits eine gewisse Kategorie von Personen festgesetzt,die ihr Hauptaugenmerk auf Entlarvung von Medienrichten („Neäiunrlluutsrs"). Aber auch im allgemeinenist zu betonen, daß die Täuschung naturgemäß mit demniedrigen Phünomeualismus, insofern er zu pecuniärenZwecken ausgebeutet wird, verbunden ist, und daß esjedem Medium naheliegt, falls einmal seine „Geister"es im Stiche lassen, auf andere Weise nachzuhelfen.
Aber der Betrug — der erzählte Fall steht gewißnicht einzig in neuester Zeit da; ich erinnere in dieserHinsicht nur an den Prozeß gegen das Medium Töpfer— ist es nicht allein, welcher die moderne Entwicklungdes Mediumismus bedenklich erscheinen lassen muß. Eskommen auch noch die Schädigungen des Mediums selbstin Betracht, die so häufig beobachtet werden. Nicht nurkörperlich verursachen, wie nachgewiesen, die spiritistischenExperimente bei den Medien eine bedeutende Kraftab-sorption, die nach und nach zu schweren Nervenleidenund völliger Erschöpfung gesteigert werden kann, fallsdie Experimente so häufig wie von Professionsmedienwiederholt werden. Auch geistig können sich mit derZeit schwere Leiden einstellen, Jrrsinnssymptome u. dgl.eintreten; ein Theil der Spiritisten spricht sogar vonbeobachteter Besessenheit, indem bei Ssancen, besonderswenn sie nur zur Belustigung in Kreisen, die aus SportSpiritismus treiben, unternommen werden, manchmaleiner der gerufenen Geister ganz vvn dem Medium Besitzergreift, sich durch dasselbe nach seiner Art zu äußernsucht; es treten dann furchtbare Krümpfe auf und mansucht oft lange vergeblich nach Hilfe.
Auf diese Folgen hat schon Schneid in seiner be-kannten Schrift über den Spiritismus hingewiesen unddieselben haben während der letzten Jahre viele veranlaßt,auf die spiritistischen Experimente, speciell auf solche mitProfesfiousmcdien, zu verzichten und energisch gegen die-selben aufzutreten.
Mau hat Hiebei in Betracht gezogen, daß selbst vomspiritualistischen Standpunkte aus der niedrige Phäno-menalismus nur geringen Werth besitzt und daß, abge-sehen von der vielfach kindischen und rohen Art der Er-scheinungen und Manifestationen, speciell bei Professions-medien, auch die anfangs so beliebten „Offenbarungen",die durch Medien im „Pranaa" (Verzückung) gegebenwerden, so widerspcuchsvoll und oftmals albern sind,daß der erwachsende Schaden durch den Nutzen derPhänomene nicht ausgewogen wird.
') Eichstält 1630.
Offenbar hat man in den leitenden Kreisen derKirche die erwähnten Uebelstände oder wenigstens einenTheil derselben in Betracht gezogen, wenn man wieder-holt gegen die spiritistischen und ähnliche Experimenteauftrat. Vom Standpunkte der christlichen Mystik ausbetrachtet, mußte überdies diese Art des Verkehrs mitden Geistern noch weniger als nutzbringend, ja im Gegen-theile als Verirrnng und in gewisser Hinsicht auch alsmit Einflüssen böser Geister zusammenhängend erscheinen.Jedoch ist man wohl im Allgemeinen in der Annahmediabolischer Einflüsse zuweit gegangen, und diesbezüglichdürften, insbesondere auch, wenn Magnetismus undSpiritismus zusammengestellt werden, die Erklärungen inBetracht zu ziehen sein, die schon vor mehr als einemDecennium in einem Artikel der „Augsburger Post-zeitung" gegeben wurden. (Einige Blicke ins Nachtgebietder Natur, von Dippel. Beilage zur Augsburger Post-zeitung. Jahrgang 1880 .) ^)
In denselben wird die Behauptung aufgestellt, daßwenigstens die magnetischen Erscheinungen als Ausflüssedes physisch-psychischen Wesens der menschlichen Naturzu betrachten seien.
In der Zwischenzeit nun haben die neueren Forsch-ungen, speciell die des russischen Staatsrathes Or. Aksakow,nachgewiesen, daß nicht nur diese, sondern auch ein Theilder „spiritistischen" Phänomene auf solche Wirkungenzurückzuführen sind.
Man spricht deshalb im modernen Spiritualismushäufig vom Animismus, und der eben erwähnte Gelehrthat in seinem Werke: „Animismus und Spiritismus.Versuch einer kritischen Prüfung der mediumistischonPhänomene mit besonderer Berücksichtigung der Hypo-thesen der Hallucinationen und des Unbewußten. AlsEntgegnung auf Dr. Eduard von Hartmann's Werk:Der Spiritismus. (2 Bünde. Mutze. Leipzig 1890.) vieleFälle gesammelt, bei denen die Möglichkeit einer Wirkungdes Mediums selbst bei Manifestationen und Erscheinungen,bei letzteren durch Auslösung des eigenen „Aetherleibes"im n"Ira,irc:6"zustande, angenommen werden kann. Erhat sogar durch einige Beispiele darauf hingedeutet, daßoffenbar viele Phänomene durch Fernwirkung hypnoidveranlagter Lebender veranlaßt werden können.
Diese neueren Forschungen werden also wohl auchin Zukunft bei einer endgiltigen Entscheidung berück-sichtigt werden müssen. Eine genauere Prüfung der
") Dagegen wird in der Encyclica vom Jahre 1656 einescharfe Verurtbeilung wenigstens des Somnambulismus ans-gesprowen: »bltoniw comxsrtum sst«, so heißt es in derselben,— »novuw guoääam supsrstitionis ß'snus invsbi sx pbasno-msnis mag'nsticis, guibus baue! scisntiis pb^sicis suuclsanäis,ut par sssst, seil äscipisuäis ac seäucsnäis bominibus stuäentusotsrici plurss, rate posss occulta, rsmota ac kutura ästeglwag'notismi arts, vel prasstigio, prasssrtim ops mulisrcularum,guas unics a maAnotisatoris nutu psnäsnt.... Hinc »8omnam-bulismi st claras intuitionls-, uti vocant, praestigiis mulisr-culas illao, Assticulationibus non ssmpor vsrscunäis, abrsxtas,so iuvisibilia guasgus conspicers sttütiunt, ac äs ipsa rsli^Aions ssrmonss instituers, auimas mortuorum svocars, rs-sponsa accipers, ignota ac longingua ästsZcrs, allagus iäAsnus superstitiosa sxsrcsrs ausu tsmsrario prassumunt,maZuum guasstuw sibi ac äominis suis äivinamio ccrto cousocuturas. In kiscs omnibus, guascungus äsmum utunturarte vsl illusiouv, cum oräinontur meäia pb^sica aä stksctusnon naturalss, rspsritur äsesptio omnino illicita st basrsti-calis st scauäalnm contra bousstatom worum. Igitur aätautum notas, st rsligioni st ei rill socistati inksstissimumotücacirsr cobibsnänm, excitari äsbet guam maxims Pastor-ales sollicituäo, vitzilantia as sein» Lpiscoporum omnium.«Olvilta 6atr. 8. VI, vol. 8, x, 105.