einschlägigen Literatur würde in dieser Hinsicht überhauptsehr förderlich sich zeigen. Dieselbe ist allerdings sehrschwierig. Denn es gibt ja über 100 Zeitschriften überSpiritualismus in allen Welttheilen, und die Biblio-graphie ist fast unübersehbar geworden.
Bei uns in Deutschland allerdings — um dies nochzu bemerken — ist dieselbe nicht von der Bedeutung wieim Auslande. Es existiren hier nur 3 nennenswerteZeitschriften, die „Psychischen Studien", gegründet vonAksakow im Jahre 1874 und redigirt von Dr. Wittig,dem Uebersetzrr der Werke des amerikanischen SpiritualistenDavis; sodann die „Spiritualistischen Blätter", ein Wochen-organ für den amerikanischen Spiritualismus, herausge-geben von Dr. Eyriax; ferner die „Sphinx", von derwir noch sprechen werden und die nicht ausschließlichspiritualistische Richtung verfolgt. In bibliographischerHinsicht kommen wohl nur die Schriften des Baron Dr.du Prel, des Ehrenpräsidenten der Gesellschaft für wissen-schaftliche Psychologie in München , in Betracht, der diePhänomene durch Wirkung des „transcendentalen Sub-jects" erklärt, dem er, im Anschlüsse an Andeutungen inKants „Vorlesungen über Metaphysik", individuellen Cha-rakter zuschreibt. (Fortsetzung folgt.)
Gustav Adolf.
Nach seinem Leben, seinem Charakter und seinenThaten geschildert von A. E.
(Fortsetzung.)
Wir haben gezeigt, daß Pommern nichts mit demSchweden zu thun haben wollte, Brandenburg wollteebenso nichts von ihm, und doch sagte der König überall,man habe ihn gerufen, bloß vergißt er beizusetzen, werihn gerufen habe. Von Mecklenburg verlangte er, daßes sich mit ihm verbünde, und als es sich weigert, läßter den mecklenburgischen Ständen vermelden: „wenn siedem nicht nachkämen, werde er sie mit Feuer und Schwertverfolgen und bestrafen". Dies sind wohl nicht Worteeines „Gerufenen", eines „Befreiers Deutschlands". Mitder Stadt Lübeck stand es gerade so. Nur die Landgrafenvon Hessen-Kassel machten Brüderschaft mit dem Schweden ,sie, welche schon seit langer Zeit mit jedem verbündetwaren, nur nicht mit Kaiser und Reich, sie, welche stetsdie jämmerlichste Rolle als Deutsche gespielt hatten undmit jedem Fetzen Landes zufrieden waren, kam er her,woher er wolle.
Zwei Umstände waren es, welche die Aussicht desSchweden sehr hoben: der Convent zu Leipzig und derVertrag zu Bärwalde. Auf dem ersten zeigte sich so rechtdie Uneinigkeit der Fürsten und das Dominiren des pro-testantischen Geistes, welcher trefflich illustrirt wurde schondurch die Einleitungspredigt des Hofpredigers Hoe vonHoenegg , in welcher dieser Mann des „reinen" WortesGottes gemein gegen den Katholizismus loszog. Undnun der Vertrag von Bärwalde.
Was wollte Richelieu? was Frankreich ? Die Nieder-werfung -Oesterreichs . Was wollte Gustav Adolf? Ganzdas Gleiche, denn Oesterreich war der natürliche Schutz-und Schirmherr des deutschen Reiches und als solcherder erste und größte Feind des Schweden . So lag dieSache, als der französische Gesandte im Januar 1631bei Gustav Adolf in Bärwalde eintraf, und hier wurdeder berüchtigte Vertrag am 23. Januar geschlossen, dessenHauptpunkte wir — wenn auch kurz — hier hervorhebenmüssen: Schweden und Frankreich — Pilatus und Herodes
— verbinden sich zum Schutz ihrer Freunde, zur Wieder-herstellung der Rechte der bedrängten Stände des römischenReiches, alles soll in den Stand zurückversetzt werden, indem es zu Anfang des Krieges gewesen. Da die feind-liche Partei jede Genugthuung bis jetzt verweigert hat,soll sie durch die Gewalt der Waffen gezwungen werden.Zu diesem Zweck führt der König von Schweben einHeer von 30,000 Btann zu Fuß und 6000 Mann zuPferd nach Deutschland und unterhält es auf seineKosten. Dafür zahlt Frankreich jährlich eine MillionLivres. Sind die Waffen des Königs glücklich, so soller in allen eroberten Gebieten nach den Neichssatzungenverfahren und die Ausübung der katholischen Religionnicht hindern (doch verflucht gnädig!). Mit dem Herzogvon Bayern und den Fürsten der Liga soll Freundschaftoder doch Neutralität gehalten werden, wenn sie zuGleichem bereit sind (sehr gnädig, aber auch ungemeinnach einem Fuchs riechend!). Das Bündniß dauertbis zum 1. März 1636; weil aber der König schonviele Kosten für diesen Krieg aufgewandt hat, so werdenihm für das vorige Jahr 300,000 Livres vergütet (sehrvorsichtig I).
Hiemit war der Hauptgrund zur zweiten Coalitiongegen Habsburg gelegt. Es schlössen sich ihr in derFolge die übrigen Westmächte an. Der Kriegstanz konntejetzt erst auf's neue wieder beginnen, und er begann,nachdem Ende 1630 Gustav Adolf bereits Herr vonganz Pommern , mit Ausnahme der beiden FestungenColberg und Greifswalde, war und ein großes Dankfestam Neujahrstage 1631 in Stettin die Erfolge desSchweden verherrlichen mußte.
Das kaiserliche Heer war ungemein geschwächt, Lillysammelt, was zu sammeln war — Wollenstem schmollt ineinem Winkel Deutschlands —, Lilly will eine offeneFeldschlacht mit dem Schweden , dieser geht derselbenvor der Hand wohlweislich aus dem Wege. Neubranden-burg wird durch die Kaiserlichen eingenommen, Frank-furt a./O. durch den Schweden wahrscheinlich in Folgevon Verrath. Beide Städte werden nach dem damaligenKriegsrecht drei Stunden der Plünderung durch die Soldatenübergeben. Man hat den Kaiserlichen betreffend Neu-brandenbnrg alles Schändliche vorgeworfen, dagegen dieSchweden betreffs Frankfurts in Schutz genommen. Unter-suchen wir die Sache kurz nach der vollen Wahrheit!Geplündert wurden beide Städte, Neubrandenburg abererst, nachdem alle gütlichen Mittel erschöpft waren, Frank-furt gegenüber aber hatte der Schwede gar keine güt-lichen Mittel angewandt. In Neubrandenburg hatte Lillymitten im Blutbad die Trommelwirbel rühren und jedemGnade und Rettung ankündigen lassen, welcher helfe,dem Brand der Häuser zu steuern; in Frankfurt wir-belten auch die Trommeln, die Soldaten rankten undmordeten weiter, die meisten Menschen wurden bis aufdas Hemd ausgezogen, denn „die Schweden waren involler Action begriffen", und erst als der Schwede einigeder miserabelsten hängen ließ, ward ein Ende geschafft.Ganz merkwürdig ist noch, daß Gustav Adolf einen theo-logischen Grund zur Entschuldigung oder Rechtfertigungdes Plünderns fand. Als nämlich der reformirte Super-intendent Pelargus in Frankfurt sich beklagte, daß aucher mit ausgeplündert fei, erwiderte der lutherische König:„das sei die gerechte Strafe dafür, daß Pelargus falscheLehren in die Kirche gebracht". Das sagte der gleicheGustav Adolf, der wenige Wochen zuvor dem hessischenGesandten Wolf für den reformirten Landgrafen geant-