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Die Chronologie des hl. Willibald
nach der Klosterfrau von Heidenheim a. H.,einer bayer. Schriftstellerin des VIII. Jahrh.
Von I. N. Seesried.
(Schluß.)
V.
Der hl. Willibald ist am 7. Juli 779, nicht7 81 gestorben.
Ein bisher nicht bekanntes, sehr ins Gewicht fallen-des chronologisches Moment hat mit der FreisingerVita. Willibalds Holder-Egger zur allgemeinen Kenntnißgebracht, die Abfassung des Originals derselben durchdie LruiLtimolnalis zwischen dem 23. Juni 778und dem Beginn des Jahres 779.
Ich habe zwar schon 1859 angenommen, daßWillibald an dem bezeichneten Tage des Jahres 778seine Reiseerlebnisse der Nonne zu Heidenheim mitge-theilt hat/9 weil das Leben Wunibalds von derselbenNonne kurz nach jenem Willibalds und nach dem Ab-leben Walburga's (25. Februar 779) geschriebenwurde; nun bestätigt uns die Heidenheimer Schriftstellerinnoch speciell und ganz bestimmt, daß ihr der Bischofseine Reisen 9 Kai. llulü, priäia ants solstitüa,Nartia, äls erzählte und diktirte.^) Nach Holder-Egger fiel der 23. Juni (9 Kai. lluk, xrickis antssolstitia) in den Jahren 767, 772 und 77 8 auf denäiss Nartiua; und ist demnach dieser Wochentag desJahres 778 jener Tag, an welchem der hl. Willibaldder Nonne seine Reisen in Heidenheim a. H. bekanntgegeben hat. Der dreijährige Kirchenbau von S. Sal-vator in Heidenheim, die Erhebung der Reliquien seinesBruders (777) und die Einweihung der neuen Kirche(778) führten den ersten Bischof von Eichstütt gerade inden Jahren 776 — 778 wiederholt in die klösterlichenSiedlungen des Bruders und der Schwester auf demsualafeldischen Hahnenkamm. ^). In der Thatsache aber,daß das Itinarariura Konti ^Villikaläi am Dienstagden 23. Juni 778 in Heidenheim der verwandten angel-sächsischen Jungfrau erzählt und diktirt worden ist, findenalle Anstünde, welche die Gegner bislang in die 6krono-loZia Villikaläma hineininterpretirt haben, ihre voll-ständige Lösung.
War nämlich der hl. Willibald 77 Jahre alt, alser starb, und lebte er zur Zeit der Abfassung des Lebensdes hl. Wunibald (Frühling bis Sommer 7 7 9) höchstbetagt^) noch fort. so ist er eben am 7. Juli dieses Jahresd. h. cleclxxix, nicht ckoelxxxi, im Alter von 77 Jahrenin die Gemeinschaft der Engel aufgenommen und am20. Oktober 702 geboren worden (779 — 77 — 702),nicht 700, wie Hirschmanu und seine Gewährsmännerangeben, und wurde er nach der Lanotimonialia imAlter von 41 Jahren Bischof, so ist er es 743 geworden,denn 702 -s- 41 743. Zugegeben muß allerdings
werden, daß das Pontifikalbuch Gnndekars auf tolio 7
°') In den Bruchstücken ist Scparatabdnick S. 16 statt777 das Jahr 778 zu setzen, ebenso Beilage z. AngSb. Postz.1893 Nr. 51 S. 2 Abs. 1.
") In omnibns eäitäonibus vox Llrrrtii ommissa, sst,quaro annus anten statui noqnivit. Holder-Egger Ll. O.88. XV, 81 A. 5.
") Ll. S. 1. e. p»F. 115 u. 117 oai>. 11 n. 13.
") In Vit» VVillibübli eap. 1 sagt die Nonne von ihm:usqua seneetntem proeessum et Imoteuus usqns äoorsxitatis»etatom . . (I. o. IMF . 88), und in Vit» IViiuibalsti redet sieihn 779 noch als lebend an (l. o. x»§. 117 i» Lue).
folgenden Satz enthält, welcher die Quelle alles Irrthumssowohl für das Todesjahr Willibalds wie der Errichtungdes Bisthums Eichstätt geworden und geblieben ist bisauf den heutigen Tag:^)
„Im Jahre der Menschwerdung des Herrn 781am 7. Juli wurde der hl. Willibald in die Gemein-schaft der Engel aufgenommen, er war 7 7 Jahrealt und saß 36 Jahre auf dem bischöflichenStuhle."
Wir können jedoch nur die Thatsache , daß der ct-tirte Satz, so wie angeführt, im Pontifikale Gnndekars(1057—1075) kok 7 steht und kok 5 wiederholt wordenist, zugestehen, müssen dagegen mit aller Entschiedenheitdie Nichtigkeit des Sterbejahres 781 beanstanden. Offen-bar ist die römische Zahl äeolxxxi anstatt derglcichziffrigen Jahreszahl äoolxxix nur durch ein Ver-sehen des Schreibers in den Gundekarischen Text einge-setzt worden, was ganz evident schon daraus hervorgeht,daß Gundekar selbst nicht einmal bloß, sondern sieben-mal angeführt hat, die Diöcese sei im Jahre 743 er-richtet worden?^) Da Hirschmann mit mir hierüber nichtrechten will, so gehe ich der Kürze wegen hierauf nichtnäher ein, kann aber die Bemerkung nicht unterlassen,daß es im Pontifikalbuche Gnndekars II., nachdem dieauf Willibald folgenden fünf Bischöfe Geruch, Aganus,Adalung, Altun und Otkar ausgezählt sind und dasSterbejahr Otkars (Otgers) herausradirt unddafür die Zahl äaelxxx (780) mit blässererTinte von anderer Hand eingesetzt ist, aus-drücklich heißt:
„Diese fünf Bischöfe haben die Gesammtzahlihrer Regierung fleißig in Eins zusammengefaßt,volle hundert Jahre ausgefüllt."
Von dem Nachfolger Otkars Gottschalk wird ge-sagt, daß er am 12. Nov. 882 gestorben sei und dreiJahre Bischof war??) Es folgt daraus, daß Gottschalkim Jahre 87 9 Bischof wurde, denn 882 — 3 — 879;es folgt aber auch, daß an der radirten Stelle bei Otkarursprünglich gar keine andere Zahl stehen konnte als 8 7 9,denn wäre, wie jetzt, schon ckeeelxxx (880) darin ge-standen, dann würde eine Rasur oder Correktur nichtvorgenommen worden sein; die Zahl äoeolxxxi aber konnteschon um deßwillen nicht im Texte stehen, weil in diesemFalle für die bischöfliche Würde Gottschalks keine dreiJahre, sondern bloß ein Jahr übrig geblieben wäre.Otger oder Otkar starb mithin am 6. Juli äeodxxix
°°) Hnno »b meai'U. vomini äoolxxxr 8»notus IViNi-bsläns Xoiiis änlii cousvrtinm consceuäit auqelornw, »st»tsquitziio 1 xxv 11 »nnornwseäit annos XXXVI (L1.8.88. VII,245 u. 243).
°°) 1. o. xriA. 246 u. 247. Zur Weihe des Hochaltars s.Lalvritoris ließ Ginidckar II. coiistatircn: .4uno »d ine. vowini1060, »nno rintem voustitntionis Imius ei>iseoi>ij66LXVI1, imlivtioiio XIII, re§n»nte quarto Ilcinrico reFo,construvtnrn et eonssor»tnm est koe altars . . . Der letzteEiner der Zahl 317 ist verwischt, 1060 — 317 ergibt das Jabr74 3. Ich habe unter Hcchw. Herrn Toiiidckan Dr. Drrn-berger, meinem trüberen verehrten Vorstand im Gcorgiaiiriin zuMünchen , das Poniisicalc selbst einüben dürfen, was dem Hcs-historiographcn Falkcnstein noch nicht gestattet war.
L1. O. I. e. 245. Ocker obüt (auf radirter Stellerleoelxrx) anno, 2. Xon. ckul. »Isti gningus vpiscopiowni eoruin äirectionis uiimero rliliZenter in uunm eolle-etyeeutum »nnos vowp iovorniit. Ootosonlvli vdiit:882. anno, 2. lä. Xov.; seäit »imo» tres. Aus kol. 243 I. e.
liest man «Isti quinque exiseoiij.eeutniu »nuos
vivsnrla ooiuxteverunt.