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standen, ward unter König Jeroboam ein goldenes Kalb zur Anbetung aufgerichtet.Des sterbenden Patriarchen Jacob's Prophezeiung sollte auch durch den KälberdienstDan's in Erfüllung gehen.
Während wir noch einen Tag vorher auf den Bergeshöhcn milde und kühleAlpenluft athmeten, hatten wir jetzt auf dem Ritte von Dan bis Vanias subtropischesKlima zu ertragen. Der heutige Name Vanias entspricht dem antiken griechischenPaneas. Dort war ein dem Gotte Pan geweihtes Heiligthum in einer Höhle, darausdie zweitgrößte, aber die schönste und interessanteste Jordansquelle hervorströmt. AlsKaiser Augustus den König Herodes 734 ab urbu avml. in Syrien besuchte, lies;Herodes einen Prachttcmpel von hellweißem Gesteine daneben errichten und sein Sohn,der Tetrach Philippus von Trachonitis, baute Paneas an der Quelle des Jordans aufund legte ihm den Namen Cäsarea bei, das in der Folge zum Unterschiede von CäsareaStratonis oder Palästina am Meere, Cesarea Philippi genannt wurde. König Agrippa ,der Jüngere, der vom Kaiser Claudius das Erbe seiner Familie und später auch dieTetrarchie des Philippus erhielt, vergrößerte die Stadt und hieß sie aus Schmeicheleizum Ueberflusse noch Neronias. Hier empfing Agrippa den Vespasian und bewirtheteihn mit seinem ganzen Heere. Der siegestrunkene Titus zwang nach der EinnahmeJerusalems eine Anzahl gefangener Juden im Amphitheater zu Paneas, sich in denSchauspielen unter einander oder im Kampfe mit wilden Thieren aufzureiben. DieUeberreste der griechisch-römischen Stadt sind sehr ausgedehnt, aber mit wenig deutlicherkennbaren Gebäuden; es ist ein wirres Durcheinander am Nordende einer dreieckigenTerrasse, in einem Winkel des HermongebirgeS. Aeußcrst massive Werkstücke, steinerneBrücken, Säulenschäfte und feingearbcitete Capitale, drei Thürme mit fugengerändertenQuadern, den Kennzeichen hohen Alterthums, ragen noch empor als Zeichen ehemaligerStärke. Das heutige Dorf Vanias besteht aus wenigen Häusern, (bewohnt von Musel-männern und einigen Christen) die meist innerhalb der ehemaligen Burgmauern stehen.
Unter dem Schloßberge einer steilen Kalksteinfelswand mit Basaltgängen brichtaus der Panshöhle mit Ungestüm und Wucht die Jordansquclle hervor. Ueberall strömtköstliches Wasser in Hülle und Fülle und ruft eine außerordentlich üppige Vegetationhervor. Die Euphratspappel und babylonische Waide nebst zarten Tamarisken bildendie Hauptrepräsentanten der Pflanzenwelt, welche treu dem Jordan bleiben, von seinerWiege bis zu seinem Grab im todten Meer. In der glatten Felswand zeigen sich nochmchrere muschelartig verzierte Votiv-Nischen; hier wurden Wcihegeschenke für den GottPan aufgehangen, und seine Statuen aufgestellt, wie auch in einer großen Nische dasStandbild Augustus von seinem königlichen Diener Herodes gewidmet wurde. Dieziemlich verwitterten Steininschristen besagen, daß der Priester des Pan die Weihetaselnim Heiligthum seines Gottes und der Nymphen und zugleich zum Heile des Cäsarsgesetzt habe. Oberhalb der Felsenwand ist ein liebes, stilles Plätzchen, da steht einaltes Gebäude und heißt Bar Dschiries-Moschee; es war in der christlichen Periode eineGeorgskapelle. Der heilige Gcorgsritter erlegte den Drachen, Pan genannt, unten inder tosenden Höhle. Im vierten Jahrhundert war Danias schon ein Visthum unterdein Patriarchate von Antiochien . Im Zeitalter der Kreuzzüge wurde das Visthumvom Erzbisthume TyruS aus wieder restaurirt. Bald aber von Nur-ed-Din, dem Be-herrscher Damasens, erobert, kam es nun niemehr in den Besitz der Christon. DerGedanke^ und die Idee, hier eine katholische Missionsstation wieder zu eröffnen, stießwohl auf manche Schwierigkeiten. Der Plan ist vom Patriarchate Jerusalems in neuesterZert wieder aufgenommen worden, doch müßte er von dem apostolischen DelegatenSyriens , unter dessen unmittelbarer Jurisdiction dieser Ort steht, realisirt werden.
Das ganze alte Stadtgebiet wird von einer Akropolis beherrscht. In imposanterHöhe auf einem Vorberge des Härmons erheben sich weitläufige Festungsbauten, vielleichtdie besterhaltencn in Syrien , Kalaa es Subeibe genannt, die besonders dadurch hoherarchäologisches Interesse hervorrufen, weil daran die Baustyle der verschiedensten Jahs-