Ausgabe 
(1.12.1880) 44
 
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mcin Freund Falb dieselbe immer wieder vor dasjenige Forum bring!, wohin eine Frageder Wissenschaft nun einmal nicht gehört, vor die Menge. So wichtig cS ist, wenn imKreise der Fachmänner eine Frage möglichst intensiv diScutirt wird, da man ja geravedurch Gegenrede und berechtigten Widerspruch etwa herrschender Stagnation begegnet undetwa durch Äutoritätsgewnlt getragene Doctrincn berichtigen kann, ebensowenig gutzu-heißen ist ein Hinausrufen bestrittener Hypothesen in die iin Augenblicke überdies imUebermaße erregte Menge. Sollte die Falb'sche Hypothese irgendwie doch berechtigt sein ich bin der Meinung durchaus nicht so wird die Ablehnung in der Gegenwartin eine Anerkennung m Zukunft umschlagen; die Wahrheit ist es ja, nach welcher wiralle streben, und die Wahrheit siegt, siegt unausbleiblich; das war in Fragen der Wissen-schaft wenigstens immer so und wird wohl immer so bleiben; um wie viel schöner undHeller aber glänzt der Name eines von seinen Mitlebenden etwa verkannten Genies!

(N. Fr. Pr.)

Konradin Kreutzer. *)

Am 22. Nov. 1780**) wurde dem ehrenfesten Müller Johann Baptist Kreutzerauf der eine kleine halbe Stunde von dem badrschen Amtsstädtchen Meßkirch entferntenThalmühle" als achtes Kind ein Söhnlein geboren, welches in der Taufe den NamenKonradin erhielt. Die Mutter, Barbara, eine geborene Hegele, wird als brave, tüchtigeHausfrau und treubcsorgte Mutter geschildert. Die Familie hatte eine behäbige, gutbürgerliche Cristenz. Schon in zarter Jugend bekundete der kleine Konradin erheblicheAnlagen zur Musik. Es ist das Verdienst des SchullehrerS und Chorregenten zu Meß-tirch, Johann Baptist Rieger, diese Anlagen entdeckt und gewissenhaft gepflegt zu haben.Von ihm erhielt Konradin den ersten Musikunterricht. Ucbrigcns scheint mit KonradinKreutzer das musikalische Talent völlig aus der Familie verschwunden zu sein. DerVater war hochherzig genug, und seine Mittel gestatteten es Allem nach, den begabtenSohn für einen höheren Beruf zu bestimmen, in welchem er Gelegenheit fände, seinereichen Talente auszubilden und zu bethätigen. Ihren Jüngsten dereinst ein feierlichesHochamt zelebriren und aus der Kanzel stehen zu sehen, das war das Grösste und Schönste,was der Elternstolz sich auSdenken und ausmalen konnte. So wurde denn beschlossen,daß Konradin sich dem geistlichen Amt widmen solle. Er kam nun zunächst (1789) alsLateinschüler und Chorknabe in die Abtei Zwiefalten. 1790 trat Kreutzer zum Behufweiterer Ausbildung in das Prümonstratenserkloster zu Schussenricd über, wo sich einehöhere Bildungsanstalt befand. Wiewohl er die übrigen Fächer keineswegs vernach-lässigte, gehörte doch seine ganze Liebe der Musik. Violine, Orgel und Pianoforte hatteer schon in Zwiefalten gelernt, jetzt kam noch Oboe und die Klarinette hinzu, welchletzteres Instrument er später mit Virtuosität spielte. Seine mrrsikalische Tüchtigkeit kamjetzt schon zur Verwendung; beim Gottesdienst hatte er die Orgel zu versehen und inder Schule etlichen vierzig Kindern den Gcsangunterricht zu ertheilen. Auch in derKoniposition versuchte er sich, und immer stärker trat die Neigung hervor, den Künstler-beruf zu ergreifen. Da jedoch der Wille des Vaters sich dagegen sträubte, so bezogKreutzer 1799 die Universität Freiburg , um, wenn nicht die Theologie doch wenigstens

*) Den 22. November 1880 feierte in Deutschland eine ganze Anzahl von Gesangvereinen dasOeMenariliui der Geburt des Meisters, dessen prächtige, kernige Melodien allerorten ün Munde desVolles leben. Der vorstehende Rückblick aus den Lebenslans des am 14. Tez. 1849 gestorbenenTondichters und eine Charakteristik seiner Werke nach einem großem Artikel Heinrich AdolsKöitüns imSchwab. Merk." wird dem Gedenktage nicht unwillkommen sein. Wir fügen dieserNote noch die Bemerkung bei, daß der Gcsammlansscbnß des deutsche» Sängerbundes (geschäftlicherSitz in München ) beschlossen hat, der Wittwe Konradin Krcutzers aus den 100jährige» Gelurisiagihres Gaticn als erste Gabe der neubegründeten Stillung sür Komponisten für den Männergesangdie Ehrengabe von L00 Mk. überreichen zu lassen. Die Wittwe lebt in Dresden .

**) Der Taufschein liegt in amtlich beglaubigter Abjchrist vor dem Verfasser; hienach sind dieAngaben in den Musikgeschichten, daß Kreutzer 1782 geboren sei, zu berichtigen.