Ausgabe 
(3.1.1883) 1
 
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überschritten haben, aber Strapazen und Leidenschaften ließ sein Antlitz alt vor demAlter erscheinen.

Und doch bei aller Wildheit hätte der Menschenkenner, der in der Züge Ausdruckder Seele Zustand erfaßt, noch eher Vertrauen zu dem finsteren wilden Manne aufdem Dienersitz gefaßt, als zu dem elegant gekleideten Herrn, der auf der weißgepolstertenzweiten Bank des Fuhrwerks ruhte. Kalte Berechnung und Herzlosigkeit prägte sich ausauf den schmalen gelblichen Zügen, das graue, matte Auge blickte gleichgiltig vor sichhin, aber hin und wieder flammte ein Blitz in ihm auf, der von tieferen Leidenschaftenzeugte als die Außenseite verrieth.

Ein befehlender Ruf und der Kutscher hielt an.

Ich werde mit meinem Diener den kleinen Weg bis zum Hause des Herrn Valdinizu Fuß zurücklegen", sagte er,führe das Gefährt in das Wirthshaus, laß das Thierruhen und sorge dafür, daß es zum Reiten oder Fahren bis zum Abend diensttüchtigist. Du, Giacomo, folge mir.

Er sprang vorn Wagen, auch der bei dem Kutscher sitzende Mann stieg ab, beidesahen dem Fuhrwerk nach, bis es um eine Ecke verschwand.

Der kalte, vornehme Ton, in dem Luigi Valdini denn dieser war der Ankom-mende mit seinem Diener in Gegenwart Anderer redete, machte einer weit freund-schaftlicheren Behandlung Platz, sobald er mit ihm allein war.

Wir sind zur Stelle, Giacomo", nahm er das Wort,es ist alles geblieben wievor Jahren, dort. der alte zerfallene Pavillon, dessen Räume uns zu Nacht dienen sollen.Hier muß das Pförtchen in der Mauer sein, das in den entlegensten Theil des Gartensführt, erproben wir an ihm die Kunst des Schlossers; werden wir überrascht, braucheich im Eigenthum meines Vaters nicht um eine Ausrede besorgt zu sein."

Er hatte sich einer kleinen, von Schlingpflanzen halb versteckten Thür genähert undöffnete sie. Vorsichtig schlich er, von Giacomo gefolgt, den Laubgang entlang, der zueinem kleinen zerfallenen Gebäude führte, zu jenem Pavillon, auf den er seinen Dieneraufmerksam gemacht.

Wir wollen eintreten, die Thür ist unverschlossen, keiner kümmert sich um diesenOrt, wir werden ungestört sein", sagte er, das Innere betretend.

Es war ein kleiner, kaum mit den notdürftigsten Möbeln ausgestatteter Raum,der sichtlich von seinem Eigenthümer vernachlässigt ward. Herr Valdini betrat niemalsden Hintern Theil des Gartens, denn an der Thüre des Pavillons ward einst seineGattin vom Schlage getroffen und er mied die Erinnerung an jenes furchtbare Ereignis;

Nur von den oberen, nicht durch Läden bedeckten Fenstern drang ein ungewisses.Zwielicht; der an Tageshells gewohnte Blick fühlte doppelt die hier herrschende Däm-merung.

Es ist Alles, wie ich dachte", sagte der Sohn des Hauses befriedigt, nachdem erflüchtige Umschau gehalten. Und nun höre, welchen Plan ich im Interesse der Regierungder wir Beide dienen, ersonnen."

Was kümmert mich Regierung?" meinte Giacomo unwirsch.Ich diene Dem,der am meisten zahlt, augenblicklich seid Ihr das; was kümmern mich Eure Pläne?Gebt mir Gold nur um Gold kann ich vergessen, Gold ist Leben, Glück, FamilieAlles-"

Und Gold soll Dir werden, befolgst Du treu mein Gebot. So höre: Diese vierBriefe trägst Du zu den Männern in der Umgegend, deren Namen Dir die Aufschriftzeigt. Es sind Freunde der Regierung; ich wünsche Zeugen zu haben, daß ich in ihrenInteresse gehandelt. Hast Du den Auftrag erfüllt, so kehrst Du auf dem Wege, derwir gekommen, an diesen Ort zurück und wartest meine weiteren Befehle wegen jene?Burschen, der während meiner Abwesenheit hier den Herrn zu spielen scheint und meinenschwachen Vater sein Vermögen für eine verlorene Sache abzwackt. Er hat keine Ahnungdaß ich ihn in Turin erkannt, daß ich seine Sendung durchschaut und in derselben Stund