Ausgabe 
(17.1.1883) 5
 
Einzelbild herunterladen

34

hsit sich finden würde, ganz abgesehen davon, bah es ja auch Leute in der Welt gebensollte, welche ungerechtermeise den Unschuldigen leiden lasse», wofür der Arme gar nichtskann kurz und gut, der Lieutenant befand sich in einer keineswegs rosenfarbenenStimmung, als Kaspar Mayer mit einer gewissen Feierlichkeit wieder in's Zimmer trat,den Speisekorb sorgfältig in der Lmnd trauend, aus welchem gar liebliche Düfte ver-lockend hochstiege».

Der Lieutenant war indessen durchaus nicht gegenwärtig in der Stimmung, umdergleichen zu bemerken, obwohl er sonst den Tafelfreuden gar nicht abhold war, undgrößtentheils nur aus dem Grunde, um gemächlich in seinen vier Pfählen es sich inRuhe schmecken lassen zu können, es nicht vorzog, sein Mittagessen namentlich beichlechtem Wetter aus dem nahen Wirthshause holen »» lassen, anstatt in dem un-gemüthlichen Gastzimmer zu tafeln.

Erst, als der Bursche ihm die Suppe auftrug, und der Lieutenant den ersten Löffelin den Mund gleiten ließ, wurde er plötzlich aufmerksamer und hielt mit Essen inne.

Ja was war denn das? Eine so vortreffliche Suvve hatte er ja noch nie imWirthshause gegessen, selten sogar anderswo.

Er schüttelte den Kopf, aber ruhig weiter, denn zu seinem Erstaunen bemerkteer jetzt erst, daß entweder der Appetit beim Essen kommt, oder daß er, ohne es zumerken, einen ganz respektabel» Hunger gehabt hatte.

Während er sich so in seine Aufgabe vertiefte, daß er momentan sogar den Schmerzder eben erst erlittenen Enttäuschung schwinden fühlte, trug Kaspar Mayer mit Stolzeinige neue Schüsseln auf, bei deren Anblick der Lieutenant plötzlich hochfuhr.

Filetbraten, Hühner mit Kompot der Lieutenant sah nichts weiter er achteteauch nicht des süßen Duftes, der verlockend hochstieg.

Das ist aber doch zu toll!" rief er.Was fällt denn der Wirthin heute ein?"

Dabei sah er den Burschen an, als erwarte er von ihm eine Aufklärung der wunder-baren Thatsache, wieso sein sonst ziem ich frugales Mahl sich plötzlich wie durch Feen-hände in ein so reichliches und seltenes umgewandelt habe.

Zu Befehl, Herr Lieutenant!" sagte Kaspar Mayer.DaS sagte ich dem Fräuleinauch, nämlich, daß wir eigentlich so etwas Feines gar nicht gewöhnt sind!"

Dem Fräulein? Welchem Fräulein denn?" fragte aufspringend der Lieutenant,dem plötzlich aller Appetit vergangen war, denn die Ahnung von etwas^Entsetzlichem singan in ihm aufzudämmern.

Zu Befehl, Herr Lieutenant, Fräulein Noth, zu deren Herrn Vater ich ja ebenerst gegangen bin."

Und Fräulein Noth hat Dir?"

Der Lieutenant vermochte den Satz nicht zu vollenden, indessen Kaspar Mayer ganzunbeirrt fortfuhr:

Zu Befehl, Herr Lieutenannt! Fräulein Noth hat mir das Essen gleich mitgegebenund recht freundlich hat sie dazu gelacht, als ich ihr sagte, daß ich das Essen für denHerrn Lieutenant gleich mitbringen sollte, wie sie mir das Billet aus der Hand nahm!"

Unglücksmensch!"

Mehr vermochte der Lieutenant einstweilen nicht hervorzubringen. Er mußte sicherst sammeln das aber Vernommene war zu überwältigend für ihn.

War es denn glaublich! Auf viel war er bei seinem neuen Burschen gefaßt gewesen auf so viel Mangel an Verstandesüberfluß indessen doch nicht! Hatte der Mensch,anstatt im Wirthshaus das Essen zu holen, diese» Auftrag bei Herrn Korbinian Noth,an Fräulein Mina ausgerichtet!

Mißgeschick ohne Gleichen! Was würde Herr Korbinian, was seine Gattin vonsolcher Dreistigkeit sich denken noch dazu bei einem Gast, den man zum allererstenMal zum Essen eingeladen! Was mußte Mina sagen! Freilich hatte sie gelacht, freund-lich gelacht, wie Kaspar Mayer sagte, also konnte das Uebel wohl nicht gar so schlimm