Ausgabe 
(17.1.1883) 5
 
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sein nach dieser Richtung hin. aber die Mutter, die künftige Schwiegermutter, diese vorallen Dingen wußte erst versöhnt werden durch irgend eine Aufmerksamkeit, eine Ent»schuldigung.

Schwiegermutter Tiegermutter l" sagt ja der Volksmund.

Der Lieutenant war bei diesen unerquicklichen Betrachtungen mehrmals mit starkenSchritten durch das Zimmer hin- und hergelaufen, während sein Bursche, an die Thürgedrückt, mit fragendem Blick« jede seiner Bewegungen verfolgte. Ihm mochte es wohlunerklärlich dünken, wie ein vernünftiger Mensch es vorziehen könnte, im Zimmer herum-zurennen, anstatt die delikate Mahlzeit zu verzehren, die nun ungegessen kalt wurde.

Endlich blieb der Lieutenant stehen, und zwar dicht vor Kaspar Mayer, der wieein armer Sünder vor ihm stand. Es war Licht geworden in dem arbeitenden Kopf deSLieutenant! Ja, so mußte es gehen die Familie Noth, vorzüglich die beleidigteSchwiegermama in sxe mußte versöhnt werden um jeden Preis!

Der Lieutenant faßte in seine Tasche, nahm seinen Geldbeutel heraus, entnahmdiesem ein Fünfmarkstück, und sagte mit sehr deutlicher Betonung langsam:

Kaspar Mayer! Mensch! Mach' daß Du fortkommst, aber erst mach'Deine Ohrenauf und höre! Was ich mit Dir beginnen soll, zur Strafe für Deine grenzenlose Bornirt-heit, weiß ich im Augenblick noch nicht das wird sich später finden! Jedenfalls wirdmeine Verzeihung und Deine Strafe davon abhängen, wie Du jetzt meinen Aufrrag aus-richtest! Also Tu gehst sofort hin zum Konditor an der Ecke, kaufst für fünf Markeine schöne Torte ich sah solche selbst vorhin im Fenster stehen und trägst sie zuHerrn Noth. Schreiben kann ich jetzt nicht mehr, weil ich fort inuß es ist die höchsteZeit. Also sagst Du Herrn Roth in meinem Namen, daß Du ein Dummkopf vorhinwarst, und daß ich vielmals um Entschuldigung bitten lasse, und inzwischen diese Tortefreundlichst anzunehmen bitte, bis ich nachher selber komme, und hoffe, sie mitverspeisenzu dürfen! Hast Tu mich verstanden, Kaspar Mayer?"

Kaspar bewies sein diesmal richtiges Verständniß durch ziemlich richtiges Wieder-holen der ihm vorgesagten Worte, worauf der Lieutenant etwas beruhigt das Haus verließ.

Die dienstliche Angelegenheit beim Oberst war schneller erledigt, als er es selbstgeglaubt, und, so kam es, daß der Lieutenant schon nach verhältnißmäßig kurzer Zeitmit Sturmesschritt nach Hause eilen konnte, um das Resultat der neuen Mission, die erseinem Burschen ertheilt, zu hören.

Nun?" war sein erstes Wort, als der Bursche mit seinem dummen Gesichte freund-lich ihm entgegentrat, und den Helm ihm abnahm.Nun? Wie ist die Sache abgelaufen?"

Kaspar zeigte nach dem Tisch.

Zu Befehl, Herr Lieutenant! Da liegen die fünf Mark!" sagte er, wie Jemand,der sich bewußt ist, seinen Auftrag glänzend ausgeführt zu haben.

Die fünf Mark?" wiederholte der Lieutenant!Habe ich Dir nicht gesagt, Dusolltest eine Torte für fünf fünf Mark besorgen?"

Zu Befehl, Herr Lieutenant! Aber gerade deshalb sagte ich auch zur Frau Noth,die mir die Torte abnahm, die Torte hätte fünf Mark gekostet und nicht zwei! KeinKonditor könnte eine solche Torte um zwei Mark hergeben auch nicht der an der Ecke,bei dem die hier gekauft wäre sie brauchte nur zu fragen."

Mensch!" schrie jetzt der Lieutenant, roth vor Zorn.Was hast Du wieder an-gestellt? Wirst Du wohl reden?"

Zu Befehl, Herr Lieutenant!" sprach Kaspar Mayer mit unerschütterlichem Gleich-mut!). Ich ging zum Herrn Noth, gab der Frau, die mir entgegenkam» die Torte» undsagte dazu genau Alles, was mir Herr Lieutenant aufgetragen haben. Darauf nahm siedie Torte und gab mir ein Zweimarkstück. Da das aber doch zu wenig war, weil jadie Torte beim Konditor fünf Mark gekostet hat, sagte ich das, und da gab sie mir nochdrei Mark, und meinte:einen recht schönen Gruß an Herrn Lieutenannt, und er würdeerwartet, sobald sein Dienst zu Ende sei!"