Ausgabe 
(17.1.1883) 5
 
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Die Scene, die nun folgte, entzieht sich der Beschreibung, denn es ist wahrscheinlich,baß der sonst so gutartige Lieutenant sich in seinem Zorn soweit vergaß, durch Thätlich-keiten, deren Zielscheibe Kaspar Mayer war, diesem gerechten Zorns Luft zu machen,ohne Rücksicht darauf, ob das Recht der körperlichen Züchtigung ihm auch zustehe, ob nicht.

Das Ende aber von des Lieutenants Freiere!? Es war trotzdem ein gutes,denn so peinlich ihm auch erst das Wiedersehen der Familie Noth erschien, seine Bitteum Entschuldigung ward nicht in deren Luft gesprochen im Gegentheil, es ward ihmgern verziehen, und in Mina's munteren.Augen stand überdies so viel Ermuthigunggeschrieben, daß der Lieutenant hätte ein großer Thor sein müssen, wenn er es nichtverstanden, die beredte Schrift zu lesen, und so geschah es, daß er als Bräutigam derhübschen Mina Abends heimkehrte, und endlich glücklich in der Ehe Hafen einlief, waser auch nie bereut hat.

Und Kaspar Mayer? Blieb als getreuer Pudel auch im neuen Haushalt seinesLieutenants, und zwar auf besondere Fürbitte der Frau Lieutenant Mina Schnell geb.Noth, denn es ist ja nichts mehr zu befürchten, daß er nochmals dumme Streiche macht,wen» der Lieutenant freit.

Die Resultate der Ausgrabungen von Olympia.

I.

So überraschend reichliche Schätze hat der fruchtbare Boden der classisch-hellenischenWelt lange Zeit nicht hergegeben, wie in den letzten zehn Jahren. Wenn die Resultatedieser erfolgreichen Bemühungen der Alterthums-Wissenschaft aller Culturstaaten zu gutekommen, der Ruhm, sie veranlaßt und mit Consequenz durchgeführt zu haben, gebührtdeutschen Forschern. Im alten Mykenä und der Ebene von Troja war es dermecklenburgische Landsmann Heinrich Schliemann , der alle» Einwendungen zumTrotz suchte und fand: auf der Akropolis von Pergamon entdeckten Karl Human »und Conze umfangreiche Marmorwerke von hohem geschichtlichen und ästhetischen Wertheund führten sie nach Berlin , und im alten Elis am rechten Her des Alpheios wurdeauf Ernst Curtius und Fr. Adlers Anregung, durch Hirschfeld, Bahn, Treu,Dörpfeld u. a. in sechsjähriger angestrengter und nicht immer gefahrloser Arbeit dieAltis", die alte Stätte der olympischen Spiele, bloßgelegt und Werke gefunden, welcheBelege für eine mehr als tausendjährige ununterbrochene Kunstübung bilden.

Die Ausgrabungen in Olympia sind unter den eben genannte» Leistungen nichtnur die mit der meisten Berechnung und Ueberlegung unternommenen, sondern auch rechteigentlich die erste That des geeinigten Deutschlands auf rein idealein Gebiete. Und dadieses kühne Werk jetzt zu einem glücklichen Ende geführt ist und die fünf Bände derBerichte geschloffen vor uns liegen, so ist es wohl an der Zeit, den Werth des Erreichtenfür die Alterthumswiffenschaft, sowie für die Kultur- und Kunstgeschichte abzuschätzen; erist in der That nicht gering, aber auch nicht mit wenigen Worten zu bezeichnen. Umihn beurtheilen zu können, muß die Stellung, welche der Cultus des olympischen Zeus und der mit demselben verbundenen Festspiele im Leben der hellenischen Stämme ein-genommen hat, präcisirt werden.

Als die Dorer in diePelopS-Jnsel" erobernd einzogen, um sich in mehrhundert-sährigem Kampfe in den Besitz der schönsten und reichsten Landschaften Griechenlands zusetze», wurden die dort ansässige»Achäer" zum Theil vertrieben, zum Theil geknechtet;«inzelne der Stämme aber machten ihren Frieden mit den rauhen Eroberern, die das vonhnen vertretene Recht des Stärkeren später durch mythische Ansprüche, alsErben des .Herakles ", zu maskiren suchten. Die Bewohner der milden und fruchtbaren LandschaftElis im Westen derPelops-Jnsel" traten bald in bundesgenössische Beziehungen undzu den Dorern im Eurotasthale, den Spartiaten, uyd die seit Urzeiten von den Ein-wohner» gepflegte Cultusstätte am rechten Ufer des Alpheios, etwa 20 Kilometer ober-halb der Mündung des Flusses, gewann Bedeutung auch für die Spartaner, welche sich