Ausgabe 
(17.1.1883) 5
 
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an den alle vier Jahre mit besonderem Glänze gefeierten, großen Opferfesten betheiligten.Die wachsende Macht Spartas , welche mit der Ausbreitung des hellenischen Wesens übereinen beträchtlichen Theil der Mittelmeerküsten zusammenfällt, steigerte naturgemäß dasAnsehen der von ihnen protcgirten Zeu-Feste in Olympia, so daß dieselben allgemach zueinem allgemeinen Nationalfeste aller Hellenen heranwuchsen, eine Stellung, welche diepythischen, isihmischen u. a.Spiele" nie erreicht haben.

Die olympischen Götterfeste können das Verdienst beanspruchen, der hellenischenWelt eine Art idealen Mittelpunkt gegeben zu haben in einer Zeit, da dieselbe sich vondem Asom'schen Meere bis zur Nhonemündung, von der libyschen Wüste bis zum Vesuv hin ausgebreitet hatte, und in allen diesen Gegenden blühende selbstständige Gemeinde«wesen entstanden waren. Aehnlich wie unsereMessen- ihren Namen von Kirchenfestenerhalten habe», dann aber mehr und mehr weltlichen Zwecken dienten, so wurden bei denalle vier Jahre stattfindenden Zusammkünften neben der religiösen Festfeier offenbar nochmerkantile und sonstige Nebenzwecke verfolgt und erreicht.

Daß nun jene Cultnsslätte am Alpheios zugleich den wichtigsten Einfluß auf dieEntwickelung der bildenden Kunst erlangte, hat seinen Grund in einer Besonder-heit der Ncligionsübung der Griechen. Alan vermeinte, den Göttern keine werthvollereGabe darbringen zu können, als den durch Fleiß und Uebung zur Kraft, Gesundheit undSchönheit entwickelten Körper des Mannes. Dieses ist die Idee der Wettspiele (Agonen")zu Ehren der Gottheit. Gleichzeitig setzte sich die Sitte fest, den Siegern Monumentezu errichten, und nach mehrfachem Siege durfte dasselbe ein Biidniß des Betreffendensein. Wenn alw der Bildner« hier die stets neue und schöne Aufgabe gestellt wurde,den Leib eines kräftigen und entwickelten Mannes oder Jünglings in den verschiedenstenHaltungen darzustellen, so hatte der Künstler auf den Uebungsplätzen der Knabe» undMänner (denGymnasien ") zugleich eine unvergleichliche Schule, um Körperbau,'Mus-kalatur u. s. w. zu studiren, eine Schule, wie sie der modernen Kunst durch alleActsäle"unserer Akademicen nicht im entferntesten geboten werden. Wir haben also bei diesenAgonen" eine ganz eigenthümliche und sonst nicht bekannnte Vereinigung von religiösen,künstlerischen und rein menschlichen Motiven, wie sie jafreilich dem Charakter des Griechen«thumS auch sonst entspricht, und an die man sich gewöhnen muß, wenn man verstehenwill, um was es sich in Olympia gehandelt hat. (Pr. Kr. Ztg.)

Gol-körrrer.

Jedes Ceclenleid hat seine warmen Thränen, die manche stechende Eiszacke der Empfindungweg schmelzen, nur die Eifersucht hat sie weht, und das trockene, verkohlte Auge zeigt den dürrenGrund eines ausgebrannten Kraters. Jeder Schmerz hat seine» Schlummer, der ihn in Vergessenheitwiegt: nur die Eifersucht wacht immer, und kein schmeichelnder Traum gibt ihr zurück, was ihr derTag genommen. . Bürne.

Und wie war' es nicht zu trage»,

Dieses Leben in der Welt?

Täglich wechseln Lust und Plagen,

Was betrübt, und was gefällt.

Schlägt die Zeit dir manche Wunde,

Manche Freude bringt ihr Lauf:

Und nur eine jet'ge Stunde

' Wiegt ein Jahr von Schmerzen auf.

Wisse nur das Glück zu fassen,

Wenn es lächelnd sich dir beut:

In der Brust und auf den GassenSuch' es morgen, such' es heut.

Doch bedrängt in deinem KreiseDich ein flüchtig Mißgeschick,

Lächle lege, hoffe weile

Auf den nächsten Augenblick. Geibel.