Ausgabe 
(17.1.1883) 5
 
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Unternaktunggökatt

i»r

Äugslmrger Postzeitung."

Nr. 5.

Mittwoch, 17. Januar

1883.

Der HieuHirant freit.

Eine Heiralhsgeschichte, erzählt von Klara Reichn er.

(Schluß.)

Während seines Spazierganges überdachte Lieutenant Adrian noch einmal sich denFeldzugsplan, und trat dann guten Muthes wieder in sein Zimmer, gerade als KasparMayer mit Kennerblicken die allerdings sehr blank geputzten Knöpfe der Paradeuniformbetrachtete.

Doch mit des Geschickes MächtenIst kein ewiger Bund zu flechten!"

Kaum hatte er die Thür geöffnet, als schon der Bursche diensteifrig aus ihn zugestürztkam, indem er ihm ein Schreiben präsentirte, das die Hiobspost enthaltend, daß derplötzlich aus allen seinen Himmeln gestürzte Lieutenant um gerade dieselbe Zeit, welcheso entscheidend hatte auf sein Geschick einwirken sollen, in einer dienstlichen Angelegenheitzu seinem Oberst kommandirt wurde, ohne daß er im Stande war, mit Gewißheit vor-auszusehen, bis wann er wieder sein eigener Herr sein dürfte.

Was war da zu thun? Von einer Opposition konnte natürlich keine Rede sein»ebenso wenig aber war daran zu denken, rechtzeitig zum Mittagessen um 1 Uhr beiHerrn Korbinian Noth eintreffen zu können! Umsonst also alle schönen Vorsätze demguten, alten, d^tschen Sprichworts folgend der Frau Schwiegermama in «p«; allemöglichen Aufmerksamkeiten zu erweisen und den ganzen Aufwand an vorhandener, persön-licher Liebenswürdigkeit vor ihr zu entfalten, denn:

Willst Du gern die Tochter hanSieh vorher die Mutter au!"

Mit einem innerlichen Seufzer der Resignation ergab der arme Lieutenant sich insein Geschick, alle dienstlichen Pflichten in diesem Augenblick zum Kukuk wünschend! Esblieb aber nichts Anderes übrig, als sich in das Unvermeidliche zu fügen und in GottesNamen ruhig zu Haus allein zu essen, wie er meist zu thun, pflegte (unsere Geschichtespielt nämilch noch vor der Zeit der allgemeinen Einführung von Ossizier-Speiseanstalten),an den Vater seiner Angebeteten aber einige Zeilen zu richten, des Inhalts, daß leiderdie Dienstpflicht ihn zu kommen hindere.

Diese Zeilen übergab er seinem Burschen mit den Worten:

«Hier! An Herrn Privatier Roth, Glückstraße 12, 1 Stiege hoch. Sofort hin-tragen und abgeben! Nimm auch den Speisekorb und bringe mir gleich das Essen mit!"

Zu Befehl, Herr Lieutenant!"

Und Kaspar Mayer entfernte sich mit dem Billet und dem Speisekorb für dasMittagsessen, während der arme Lieutenant ziemlich unmuthig seine Toilette wechselte.

Als der Bursche zurückkam stand er bereits zum Ausgehen gerüstet da, aber derSonnenschein aus seinen sonst so frohen Zügen waren für den Augenblick verschwunden.Nun mochte es vielleicht lange genug dauern, bis wieder einmal eine so günstige Gelegen-