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> bereits im Jahre 1731 mit beträchtlichen Unkosten geschehen mußte, um es vor demZusammenfall zu schützen.
Dies war das erste Stadttheater Augsburgs , das erste, eigentliche „Komödienhaus",in welchem nun fortan die Meistersinger regelmäßig spielten (bis 1681 waren die Vor»stellungen auf circa 40 xor ninio gediehen, bestehend aus etwa ^ Dutzend von Stücken,deren jedes 6—7 mal wiederholt wurde), indem sie ihre „Zunft mit allen Gerechtsamen^ ausübten, und keine andern Komödianten neben sich duldeten. Dieser Zunftzwang ging» so. weit, daß schon im Jahre 1650 ein förmliches Verbot erlassen worden war, gerichtet^ gegen die damals schon existirenden „Liebhabertheater ", rcspective die Betheiligung der
^ Bürger an denselben, „weilen selbst die Weiber davon abmahnten, da sie, die Bürger
nämlich!) zu Haus das Ihrige versäumen, und mit dem Agiren doch auch nichts ver-dienen!" —
Mit der Zeit freilich konnten — namentlich bei der immer mehr wachsenden Lust
zum und am Komödienspiclen — solche Verbote sich nicht so streng aufrecht erhalten
lassen, und so mußte denn der hohe Rath doch hier und da reisenden „Banden" das„Agiren" in dem „Komödienstadel" „uff ihr gehorsamlich Anhalten" gestatten." Insolchen Fällen hatten die fremden Darsteller sich aber mit den privilegirten Meistersängernin's Einvernehmen wegen der „Abgaben" zu setzen, die, — als Abschreckungsmittel, —
sehr hoch von diesen gegriffen wurden; außerdem hatten sie seit 1698 das ausdrückliche
Recht einer gewissen und ihnen allein zuständigen und zugehörigen Spielzeit, (also damalsschon eine Art Theater-Saison!) und zwar beginnend im August und endigend zu Pfingsten,mit dem Privilegium, an jedem Montag während dieser Zeit ein Schauspiel aufführenzu dürfen. Das Eintrittsgeld für diese Vorstellungen betrug erst 5 Heller und dannzwei Kreuzer, während die Honorationen gar 4—6 Kreuzer entrichteten.
Allein die Meistersinger mußten mit der Zeit die betrübende Erfahrung machen,daß sie sich selbst überlebt halten! Ihr eigentlicher Ausgangspunkt, die richtige, schulgerechte„ Meistersingern" war ja ohnehin längst ein überwundener Standpunkt, und als nichtmehr zeitgemäß verschwunden. Langst schon dichteten und komponirten sie ja ihre ursprüng-lichen, geistlichen Gesänge nicht mehr, die nur ab und zu bei kirchlichen Festen noch zurVerwendung kamen, ebenso wie ihre „lustigen Tragödien" z. B. „von FortunatuSWunsch-Seckel sammt einer schönen Comedi von den unschuldigen Frawen Genofeva",oder das Schauspiel: „Das jüngste Gericht tragsdiweiß" u> s. w. sich überlebt hatten,und als gar, dem 18. Jahrhundert zu, die Wandertruppen immer mehr zunahmen, alsSingspiel und Opera auch in Augsburg auftauchten, als ferner im 18. Jahrhundert garAlles Komödie zu spielen begann, da mußte endlich doch wohl die Zunft der Meister-singer mit sammt ihren Privilegien sich als besieat erklären, so sehr sie sich dagegensträuben mochten und an ihre alten Gerechtsame sich Aammerten, die wirklich noch bis überdie Mitte des 18. Jahrhunderts sich hineinzogen.
^ Mit dem immer mehr um sich greifenden Bedürfniß nach einem bessern Kunsttsmpel
» als der alte Meistersinger-Stadel, und »ach einer andern Art der Kunst, als dort knltivirtward, stürzte die alte Meistersingerei vollständig zusammen, und die letzten MeistersingerAugsburgs endeten als — Puppenspieler! — Statt des „Meistersinger-Stadels" aberentstand 1776 ein neues Komödienhaus — das alte Augsburger Stadt-theater! —
Chvistklnine n.
Die Minne gleiche nicht den dunklen Rosen,
Die hingegeben linder Lüste Kosen— Wenn rings am Strauch Johanniswürmchen glühen —
Im wilden Sinnenlanmet rasch verblühen.
„Ehrlstblu m e n" soll die wahre Liebe gleichen,r Der fleckenlosen Neigung holden Zeichen,
Die schneebedeckt den Reichthum ihrer Blüthen
In seliger Verborgenheit behüten. V«,