Nr. 11.
18L3.
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„Äugslmrger pojheitmig."
Mittwoch, 7. Februar
Jörg von Mrrlderk.
Eine Erzählung aus dem sünfzehnten Jahrhundert von F. Schenk.
(Fortsetzung.)
Andres nahm Nucksack und Stock und eilte zum Jäger hinab. — Als dieser denWaldteufel vor sich sah, kam er ihm wie ein rettender Engel vor. Ja, dieser verwilderteMann war durch Gottes Fügung wieder ein braver Mensch, ein Samaritan geworden!
Mit schwacher Stimme sprach der Jäger:
„Andres! — Hat Dich der liebe Gott zu mir geschickt? — Wasser, Wasser!" —
Der alte Kräutersammler griff in die Kraxe, nahm eine Flasche alten Enzianbrannt-wein heraus, brach ein Stückchen Brod ab, träufelte einige Tropfen Branntwein daraufund reichte es dem Verwundeten. Sodann untersuchte er die Wunde am Fuße undsagte ernsthaft:
„Kuno, ich bin noch gerade recht gekommen, sonst käme der Brand in den Fuß.Jetzt hole ich gleich da d'runten Wasser, ich kenne die Quelle schon; gleich bin ich wiederheroben. Trink aus der Flasche, aber grad einen kleinen Schluck und iß dazwischen einVröckerl Brod!"
Andres holte aus der Kraxe einen Krug und eilte abwärts.
Kuno fühlte langsam die Kräfte wiederkehren. Er faltete die Hände und dankteinbrünstig dem Himmel, der ihm in dieser schrecklichen Lage noch einen Netter gesandt.— Von Zeit zu Zeit nahm er einen Schluck aus der Flasche und brach ein StückchenBrod ab, von dem er auch dem Hunde mittheilte.
Als Andres mit dem Wasser angelangt war, reichte er dem Jäger den Krug zumTrunke, dann wusch er die Fußwunde, nahm Pflaster und Leinwandstücke aus der Kraxeund verband die Wunde. Hierauf sagte er:
«Jetzt hole ich den Nudi und die Oberdirn, daß wir Dich auf die Spitzingalmbringe» können." Darauf eilte er rasch abwärts.
Nachdem Kuno glücklich in die Alphütte gebracht war und sich mit warmer Milch-suppe gelabt hatte, auch der treue Wolfshund mit Dopfen und Milchbrod gesättigt war,gönnte man dem Jäger noch so lange Ruhe, bis von Fischhausen ein Wagen angelangtwar. Sorgfältig bettete Andres den Verwundeten und ging neben dem Wagen her.Der Wolf wurde dem Saumpferde auf den Nückcn gebunden und stolz trabte der Hundneben demselben her, von Zeit zu Zeit seinem todten Feinde einen finsteren Blick zu-werfend. —
Es war Abend gegen sechs Uhr, als das Fuhrwerk durch Schliers kam. Alles
lief aus den Häusern und staunte über die Bürde des Rosses. Bald gewahrten die
Leute, daß Kuno, der mit bleichem Gesichte um sich sah, verwundet sein müsse, worauf
allgemeines Bedauern ausgesprochen wurde, als Andres die Fragen hierüber bestätigte.
, Auch Martha kam des Wegs. Als sie ihren Liebling erkannte, brach sie in heftigesSchluchzen aus. Andres rief ihr aber zu: