Ausgabe 
(7.2.1883) 11
 
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Sei ohne Sorge, Marthal Ich stelle den Kuno schon wieder her, möchte auch >einmal ein gutes Werk thun, es ist doch nicht mehr zu frühe!"

Ueber Westenhofen brachte man den Jäger auf die Halbinsel. Wie jammerte die 'alte Frau Martha, als man ihren Kuno vom Wagen hob und sie erfuhr, was ihm be-gegnet seil Sorgsam bereitete sie demselben in der Wohnstube auf dem Ruhebettedes seligen Jägers ein Lager und Andres sagte zu ihr:

Ich komme jeden Tag herüber in's Jägerhaus und sehe nach dem Fuß. Meine >

Salbe wird bald wirken und in vier oder sechs Wochen kann Kuno wieder seinen Dienst ^

machen." ^

Gott wird's Dir vergelten!" sprach leise der Jäger.Ich vergesse meiner Lebe-tage nicht, daß Du mich vom Hungertod gerettet hast, guter Andres!"

Nun war Kuno geborgen in mütterlicher Pflege und unter der Behandlung deSheilkundigen Waldteufels.

VI.

Ibrahim lag auf einem niederen, mit Teppichen bedeckten Ruhebette. Eine alteBrustwunde war wieder aufgebrochen und verursachte ihm nicht nur viele Schmerzen,sondern trübte auch sein Gemüth, da der eifrige, strenge Gefangenwärter sich zur Un-thätigkeit gezwungen sah.

Selima mußte manches harte Wort hören, und Alles aufbieten, den Alten zu be-ruhigen und zu zerstreuen.

Da erschien eines Tages ein alter Bekannter des Gefängnißwarters, ein gernegesehener Gast, der reiche, joviale Kaufherr Antonio Rossi aus Venedig. Dieser besuchtevon Zeit zu Zeit die in der Nähe des adriatischen Meeres gelegenen Städte in Handels-und Tauschgeschäften. In Mostar war in der Regel letzteres der Fall, da die Klingen,welche hier gefertiget wurden, wegen ihrer Güte und Schönheit sehr gesucht waren.

Mit Ibrahim war der Venetianer schon längere Zeit in Unterhandlung ivegen Ankaufeseines sehr werthvollen albanesischen Schwertes, welches der Alte als junger Krieger voneinem Häuptlinge erbeutete und das Antonio um jeden Preis erwerben wollte, währendIbrahim sich nur schwer von diesem Schatze trennen konnte.

Wieder brachte der Kaufherr das Gespräch auf die kostbare Waffe und Selimamußte dieselbe zur Ansicht aus einer verschlossenen Truhe herbeiholen. Da schon dieScheide des Schwertes reiche Vergoldung trug, so durfte man annehmen, daß das Schwertselbst ein Juwel sein müsse und so war es auch. Die prächtige DamaSzener-Klinge,welche sich wie ein Drahtreif biegen ließ, enthielt goldene Buchstaben, Koransprüche,während der elfenbeinerne Griff theilweise mit Goldfäden umschlungen war, zwischenwelchen kostbare Steine und Perlen hervorlugten.

Obwohl Antonio keine Bewunderung äußerte, konnte er sich doch nicht satt sehenan dem Kleinode und sprach: js

Für mich hat dieses Schwert in so ferne ein Interesse, als es aus Damaskus Vselbst stammt und meine Waffensammlung nur noch Eines enthält, welches ähnliche Arbeitnachweiset. Sonst, lieber Ibrahim, würde ich Euch nicht so häufig wegen des Verkaufesplagen. Heute möchte ich zum Abschlüsse kommen, denn meine Geschäfte rufen mich nachDeutschland und ich werde vor dreiviertel Jahren nicht mehr bei Euch zusprechen können."

Ihr plagt mich nicht", sagte Ibrahim mit schwacher Stimme,ich trenne micheben schwer von der Waffe, welche mich immer an eine schöne Zeit zurückerinnert, woich noch-"

Ein heftiger Stickhusten hinderte ihn am Sprechen und Selima bedeutete demKaufherrn, daß Ibrahim nun der Ruhe bedürfe.

Antonio sagte:Ibrahim, Ihr dürft jetzt nicht sprechen, ich komme gegen Abendnoch einmal herauf in die Festung, dann entschließt Euch und gebt mir das Schwert; -die Summe wißt Ihr, sie ist gewiß groß genug."

Ibrahim nickte bejahend, dann entfernte sich der Kaufherr mit Selima.