Ausgabe 
(14.2.1883) 13
 
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Nr. 13.

1883.

M

Angslmrger Pojheiliülg."

Mittwoch, 14. Februar

Jörg von Malderk.

Eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von F. Schenk.

(Fortsetzung.)

Ritter Jörg lag noch auf seinen Knieen im heißen Gebete und innige Dankesthränenglänzten in seinen Augen, als Signor Antonio in die Kabine trat.

Jörg von Waldeck erhob sich, ergriff die Hand des Kaufherrn und sprach:

Wie soll ich Euch meinen Dank aussprechen, Signor Antonio? Ich finde keineWorte für Eure edle Christenthat. Gott wird sie lohnen, ich vermag es nicht!"

Antonio erwiderte:

Laßt das, edler Ritter! Es war ein gewagter Schritt, doch gelang er mitGottes Hilfe und gewiß hat auch die brave Selima für Euch gebetet. Hoffentlich wirdsie uns bald nachfolgen, denn der alte Ibrahim ist, wie mir der Arzt in der Stadtsagte, nicht mehr zu retten und wird die neue Morgenröthe kaum mehr schauen."

Die Seereise nach Venedig ging glücklich und unter traulichen Gesprächen von statten.Ritter Jörg mußte von der Heimath, voin Kriege und seiner Gefangenschaft erzählen,während der Kaufherr Mittheilungen über sein Geschäft und die häufigen damit ver-bundenen Reisen, dann über den Waffenhandel mit Ibrahim machte.

Mit seligen Gefühlen betrat der Ritter den Boden der stolzen Venetia und fandim Hause des Kaufherrn herzliche Aufnahme und zwar so lange, bis dieser einen Geschäfts-freund ausgemittclt hatte, mit welchem Jörg bis Verona reisen konnte, von wo aus dieRückkehr in die Heimath durch das Etschrhal nach Tirol erfolgen sollte.

Der brave Antonio versah den Ritter mit den nöthigen Geldmitteln und nach einemherzlichen, dankbaren Händedruck verließ dieser das gastliche Haus und das stolze Venedig,nachdem er sich vorher noch mit einem Pilgergewande versehen hatte, denn sei» Heimwegsollte ein immerwährendes Daukgebet zum Höchsten für die wunderbare Nektung sein.

Langsam, theils zu Fuß,' theils auf Saumrosfen der Klöster, wo der Ritter Herbergefand, ging's dem freundlichen Städtchen Botzen zu. Dort wollte Jörg bei einem liebenTurnier-Gefährten, dem Ritter Kurt von Rungelstein sich ein paar Tage Ruhe gönnen,deren er, der durch die Wunde so sehr Geschwächte, nothwendig bedurfte.

Man war eben mit der Traubenlese beschäftigt, als Herr Jörg aus dem Thalsder Talfer hinauf ging zur alten, vielbesungenen Burg, in welcher einst König Arthur die Tafelrunde hielt.

Der Pilger, welcher von den Angehörigen der Burg nicht erkannt wurde, bat umAufnahme und da ihm dieselbe von Ritter Kuno freundlichst gewährt wurde, gab er sichzu erkennen. Groß war der Jubel, den lieben Waldecker wieder einmal auf der Burgbewirthen zu können und erhöhte sich, als Jörg von seinen Erlebnissen und seiner wunder-baren Rettung erzählte. Da gab es einige Tage genug der Unterhaltung, der Fragenund Antworten und Jörg genoß nach langer trüber Zeit wieder einmal die Freude ineiner deutschen Nitterstube bei Terlanermost und feurigem Wein von Kältern vergangener