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glücklicher Zeiten zu gedenken. Wäre die Sehnsucht nach Agatha nicht die Triebfederzur baldigen Trennung von den lieben Burgbewohnern, wie gerne hätte der Ritter nocheinige Wochen hier zugebracht. So aber half kein Zureden des Freundes oder sei -erholden Burgfrau, selbst nicht die Aussicht auf einen lohnenden Waidinannsgang, den Ritterzurückzuhalten.
Kuno gab dem scheidenden Freunde ein Roß und einen Knappen zum Geleite biszum Benediktinersiifte Tegernsee und ritt selbst bis Innsbruck hinab, wo sich die einstigenWaffengefährten trennten.
Es war am 21. Sonntag nach Pfingsten, als die Reisenden den Tegernsee entlang,dem Stiftsgebüude zu ritten. Recht herbstlich war's geworden und aus den Bergthälernwehten kalte Winde und hielten den See in Bewegung- Nur in der Brust des Ritterswar's Frühling, denn nun war er ihr ja so nahe, der ersehnten, theuren Agatha.
Die Tegernseeer Mönche empfingen den Pilger und Gönner des Stiftes mit Freudenund bewirtheten ihn fürstlich. Auch hier sollte Jörg einige Tage verweilen, allein erschlug die freundliche Einladung des Abtes ab, und entließ auch den Rungelsteiner Knappen,den er noch beschenkte. Ebenso lehnte er am andere» Tage jede Begleitung in die Heimathab; er wollte als einsamer Pilger seine Waldecker-Burg nach nahezu einjähriger Abwesen-heit wieder betreten. —
VIII.
Eine Wegstunde vom Chorherrenstifte Weyarn entfernt, Mangfall abwärts, erhobsich damals über den steile», bewaldeten Abhang die alte Scheyernburg Valey. Nachdem Tode Otto's, des letzten LaleyrS aus herzoglichem Geschlechte, im Jahre 1238,fiel die Burg wieder an den Herzog zurück und seine Nachfolger beschenkten im Jahre1408 den Kammermeister Ritter Beit Aheimer mit der Burg, welche bis zu», Jahre1550 im Besitze dieser Familie blieb.
An den, nämlichen Sonntag, an welchen, Ritter Jörg von Waldeck mit dem Rungel-steiner Knappen im Stifte Tegernsee eintraf, feierte man aus der Burg Valey die Hochzeitdes Fräulein Agnes von Aheim, des Hofsräuleins der Herzogin Anna, mit einem Seibolvs-dorfer. Aus nah und fern waren Berwandte und Bekannte zu diesem Feste auf derBurg eingetroffen und es durften se bstverständlich weder Frau Anna von Pienzenau,noch Agatha von Waldeck, dann die Söhne von Jürgens Bruder, Bernhards von Wallen-burg, der wenige Jahre vorher gestorben war, fehlen.
Frau Agatha wäre bei ihrer Gemüthsstimmung dem Feste lieber ferne geblieben,doch fürchtete sie die mütterliche Freundin zu kränken, welche mit Innigkeit an der BaseAgnes hing und diesen Festtag in ihrer Nähe verbringen wollte. Diese war auch hoch-erfreut, als die beiden Frauen auf Paley eintrafen und erkundigte sich theilnahmsvollüber dos Befinden der unglücklichen Agatha. llebcrhaupt fand das Geschick der edlenFran allgemeine Theilnahme und suchte man dieselbe zu trösten und zu beruhigen.Niemand konnte ihr aber Nachricht über den theuren Gatten bringen, denn man hatteauch bei Hofe keine Kunde von den, Ritter erhalten. Viele wähnten ihn längst todt —und doch hatte der gute Gott es gefügt, daß der für sie verloren Geglaubte, so naheweilte! —"
Die beiden Frauen folgten Sonntag Abends der Einladung des Herrn Probstesvon Weyarn und fuhren, nachdem sie sich von dem jungen Ehepaare und den Gästen ver-abschiedet hatten, nach Weyarn hinüber, wo dieselben im Fremdenstock freundliche undreinliche Wohnung erhielten.
Am Montag weckten die Glocken vom Stiftsthurme schon früh zu den heiligenMessen, welche die Chorherren celebrirten. Die beiden Damen säumten nicht, den ein-ladenden Klängen zu folgen und als sie in die Kirche traten, begann eben eine heiligeMesse am Altare der schmerzhaften Gottesmutter. Bald knieten Beide in der Nähe diesesAltars in eine», Kirchenstuhle.
Frau Agatha hatte eine unruhige Nacht. Sie hatte bestimmt gehofft, von ihrem