Ausgabe 
(17.2.1883) 14
 
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Äugslmrger Postzeitmig.-

Nr. 14.

Samstag, 17. Februar

1883.

Jörg von Mntdeck.

Eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von F. Schenk.

(Schluß.)

IX.

Ritter Jörg löste sachte das schöne Haupt der Gattin von seiner Brust» denn nuneilten auch Frau Anna und die beiden Martha's auf den Wiedergefundenen zu undbegrüßten ihn mit Freudenthränen. Kuno war zum Nachen an's Ufer hinuntergeeiltund ließ sich von den beiden Ruderknechten rasch über den See nach Schliers führen, umdort und auf der Waldecker Burg die Freudenkunde zu verbreiten.

Jetzt bewegte ein leiser Lufthauch die Wipfel und Aeste der alten Tannen. Auchsie sollten ihr Schweigen brechen und theilnehinen an dem Herzensjubel der Menschen.Und wieder umschlangen sie sich und kosten und flüsterten durch den Wald und druntenam Ufer eilten die leichten Wellen, in unzählbarer Menge, herbei und plauderten freudigvon der Wiederkehr des Herrn des Thales!

Droben auf der Anhöhe vor dem Jägerhause saßen die Lieben beisammen imfreudetrunkenen Anschau'n, denn noch war die Wonne des Wiedersehens das stille Dank-gebet im Herzen mächtiger, als der Drang nach Mittheilung.

Endlich brach der Ritter das Schweigen, indem er zu Agatha sprach:

Wie freue ich mich, Dich, Du Theure und diese liebe, bewährte Freundin hier aufdem stillen Eilande wiedergefunden zu haben, wo wir so viele schöne Stunden schon ver-lebte». Hätte Gott mich nicht auf so wunderbare Weise aus schrecklicher Gefangenschaft^gerettet, ich hätte Euch Lieben wohl nie mehr gesehen!"

Gott sei tausend Dank dafür!" rief Frau Agatha.Auch dafür, daß er mir mdieser kummervollen Zeit einen Engel des Trostes in unserer theuren Anna sandte. Sieverließ mich nie und wenn immer die Witterung es zuließ, suchten wir dieses stille Eilandauf. Hier durste ich mein Leid der treuen Seele klagen; hier milderten der mütter-lichen Freundin Trosteswortb des Herzens liefen Kummer, wenn auch nur auf kurze Zeit,und hier, sie umarmte den Gatten mit seliger Lust hier darf ich Dich, den Todt-geglaubten, wieder in meine Arme schließen! O dies Eiland ist mir ein Freudenberggeworden!"

Ja, Agatha!" erwiderte der Ritter.Freudenberg, so wollen wir vte Inselfortan nennen und die alten Tannen sollen den künftigen Geschlechtern erzählen, daß sich"hier durch wunderbare Fügung des Ewigen, Ritter Jörg von Waldeck und seine liebeHausfrau Agatha nach langer harter Trennung wiedergefunden haben!"

Inzwischen waren die Ruderer wieder in vie Schiffhütte des Jägerhauses zurück-gekehrt. Nun fuhr Frau Anna mit der Zofe zur Burg hinüber, um Alles für denEmpfang des lieben Ritters zu ordnen.

Da verließ das Klosterschiff mit vier Chorherren das jenseitige Ufer» um ven wieder-gefundenen Wohlthäter und Herrn von Waldeck so rasch als möglich zu begrüßen.