Ausgabe 
(17.2.1883) 14
 
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Was war da ein Jubel im sonst so stillen Jägerhause! Nur in Kürze konnteRitter Jörg seine Rettung aus der Festung Mostar erzählen, denn die eintretende Abend,kühle mahnte die Glücklichen zur Heimfahrt. Jörg blickte dankbar zum Himmel, als eran der Seite Agatha's im Chorherrenschiffe aus dem heimathlichen See dem Dorfe zu-fuhr, an dessen Ufer sich bereits ein großer Theil der Bewohner versammelt hatte undmit rührendem Jubel den theuren Ritter begrüßte, als dieser das Schiff verließ.

Es war ein förmlicher Wallfahrtszug zur Stiftskirche, denn Jörg wollte seine Burgnicht betreten, ohne vorher im Hause des Herrn, der ihn so gnädig heimgeführt, innigzu danken. Alles Volk und die Chorherren begleiteten den Ritter und die vor Freudeschluchzende Frau Agatha in das Gotteshaus. Und als Pater Egyd die Orgel zu spielenhegann, erst sanfte Klagen über den Vermißten, dann freudigen Jubel über den Wieder-gefundenen, und als die Mönche im Chöre neben dem Hochaltar mit kräftigen StimmendasGroßer Gott, Dich loben wir rc." anstimmten, da blieb kein Auge trocken und überall' den Betern schwebte der Engel der Liebe!

Nun ging's auf die Waldecker Burg, wo bereits die Dienstleute versammelt waren,den so lange vermißten Herrn in rührendster Weise zu empfangen. Hier erst trenntensich die Geistlichen und Ortsbewohner, von Ritter Jörg mit einigen Dankeswortenentlassen.

Die alte Gertrud eilte auf Frau Agatha zu und sagte:

Gnaden Frau Agatha! Hab' ich nicht gesagt, wir sehen unsern lieben Herr» schonwieder? Ja, ich wußte, daß der Herr Ritter wiederkehren werde, sonst hätte ich schon eineAhnung von seinem Tode gehabt. Gott sei gedankt, daß wir ihn wieder haben! Nunmüßt Ihr aber wieder recht vergnügt und heiter sein, wie früher, edle Frau, damit dieFalten aus Eurer Stirne wieder verschwinden und die Wangen sich wieder färben aufEurem schönen Gesichte!"

Wenige Tage nach der Rückkehr des Ritters feierten die dankbare» Untergebenendesselben in der schön geschmückten Stiftskirche ein Dankamt. Die geräumige Kirchekonnte all die Andächtigen nicht fassen, welche aus Nah und Fern herbeigeeilt waren,und dies« umstanden während des Gottesdienstes die Kirche, obwohl der Noveinbermorgenin Folge des dichten Nebels schon empfindlich kalt war.

Die Verwandten des Waldeckers, die Wallenburger» die Aheimer von Valep, Geist-lichen aus Schliers, Tegernsee und Weyarn , dann Edle aus der Nachbarschaft warengeladen und nahmen auch an dem Gastmahle im Nittersale der Burg theil.

Der Ritter erzählte umständlich seine Leidensgeschichte und die edle That einertürkischen Sklavin, welche ihm der gütige Himmel gesandt haben müsse, als rettenden Engel.Manche Thräne rann über die gebräunten Wangen alter Kriegsmänner und selbst diemit menschlichen Leiden so vertrauten Mönche konnten ihre Rührung nicht verbergen»Jörg konnte sich überzeugen, wie allgemein und innig die Freuse seiner Angehörigen,Freunde und Untergebenen über die glückliche Heimkehr war.

Endlich trat wieder Ruhe in Waldeck ein und Alles ging seinen Geschäften nach,nur freudiger und sorgenlos. Nun ging auch der Ritter an die Erfüllung seines imGefängnisse zu Mostar gemachten Gelöbnisses.

Am linken Ufer der Leizach, zwischen Miesbach und Jrschenberg, im sogenanntenRied, stand eine kleine Kapelle unserer lieben Frau. Diese ließ Jörg in eine Kirche um-wandeln und gab dem Dörfchen den NamenFrauenried". Dieses geschah im Jahre1115. Im nächsten Jahre erbaute der Ritter zwischen den Dörfern Gmund und Wakirchen ein Kirchlein zu Ehren des heil. Ritters Georg, seines Namenspatrons und nannte denWeilerGeorgenried." Endlich im Jahre 1417 erweiterte derselbe die Kapelle im Riedan der Schlierach, zwischen Schliers und Miesbach und benannte das anmuthige DörfleinAgatharied ."

Noch stehen die Zeugen der Frömmigkeit des Ritters, wenn auch nicht mehr in derursprünglichen, gothischen Form, sondern später von Unverständigen verzopft. Wohl Viele