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haben in diesen Kirchen im stillen Gebete Trost gefunden in manchen Lebensnöthen, aberwohl keiner der späteren Beter hat des edlen Stifters gedacht!-
Im Frühling, nach des Ritters Heimkehr, als der Schnee im Thale und auf dennächsten Höhen geschmolzen, und die Schlierach die Schneewäfser eiligst der Mangfallzuführte, da feierte der walbeckische Herrschafts-Jäger Knno das Hochzeitsfest mit seinerMartha im lieben Jägerhause auf dem Freudenberge. Außer der Herrschaft, einigenChorherren, den Eltern des Jägers und seinen Freunden, mußte auch Andres, der Wald-teufel theilnchmen, als einstiger Lebensretter. Die beiden Martha's und Kuno hattenden Alten festlich aufgeputzt, so daß er sich doppelt freute, über das Glück der Liebendenund über den freundlichen Empfang, der ihm allseitig, insbesondere von der Familie deSRitters, welche von seiner menschenfreundlichen That Kenntniß hatten, geworden.
Zum ersten Male seit einem halben Jahrhunderte kehrte der alte Bursche vergnügtund ausgesöhnt mit der Welt Abends in seinen evheuumrankten Thurm zurück. Abernicht lange mehr durchwanderte Andres die Berge und Schluchten, um Heilkräuter zusammeln. Noch ehe der Winter vollständig Einkehr hielt im Thale , vermißte man denWaldteufel im Dorfe und als eines Tages Ritter Jörg mit Kuno auf einem Waid-gange im Leitnerberg in die Burgruine zu Hohenwaldeck sahen, war die Thurmthüregeöffnet und drinnen auf ärmlichem Lager fanden sie den Gesuchten, einem Sterbendenähnlich mit zum Gebete gefalteten Händen.
„Andres!" rief der Jäger. „Du bist ja schwer krank!"
Mit schwacher Stimme antwortete der Alte:
„Gottlob, daß Du kommst, Kuno! Jetzt geht es zu Ende mit mir. Geh und er-weise mir noch einen Liebesdienst und hole mir einen geistlichen Herrn, damit ich nichtohne heilige Wegzehrung fort muß aus der Welt!"
Der Ritter sandte den Jäger sofort nach Schliers und rückte sich einen Stuhl, deneinzigen in der Haushaltung des ehemaligen hübschen Schweizers zum Lager. Der Altewollte wieder sprechen, doch hinderte ihn ein eben ausbrechender heftiger Husten. Jörgverließ den Kranken, der der Ruhe bedurfte und ging zur Thüre hinaus, wo er sich aufden bemoosten Stein setzte. —
Die Tannenäste und Buchenblätter rauschten im Abendwinde. Die Mauerschwalbezwitscherte ihr Schlummerlied im alten Gemäuer, welches, den Witterungseinflüssen aus-gesetzt, allmälig zerfiel. Herausten, die dem Verfalle entgegengehenden Zeugen einstigenritterlichen Glanzes, — Drinnen, das letzte Auflockern eines. so schönen, durch ruchloseThat aber verbitterten Menschenlebens! —
Als Kuno mit dem Geistlichen zurückkam, begab sich dieser zum Kranken. Derk Ritter hieß den Jäger warten, um zu hören, was mit dem Andres geschehen soll und
^ setzte dann seinen Waidgang fort»
Der Waldteufel hatte eine reuige Beichte abgelegt und mit Andacht die heiligeWegzehrung empfangen. Bald darauf, während der Pater noch bei ihm saß, und betet«,trat der Tod ein und befreite den Armen von seinen Leiden. Die Anwesenden verließendie Burg, um im Dorfe den Todtenwärter herauf zu rufen. Am nächsten Tage holteneinige Männer die Leiche nach Schliers, welche unter zahlreicher Begleitung der geweihtenErde übergeben wurde.
Mit Audi es schied der letzte Bewohner aus der Burg Hohenwaldeck.
Fünf Jahre später, im Herbste 1450 legte man auch den edlen, hartgeprüften RitterJörg von Waldeck in die Gruft seines Vaters, Jörg des Aelteren in der Stiftskirche.
Die Folgen der Verwundung an der Save und die Qualen der Gefangenschafthatten ein frühes Siechthum geschaffen, welches die treueste-Liebe, die sorgsamste Pflegeder Gattin nicht aufhalten konnte. Von seinem Krankenbette aus konnte, der Ritter denFreudenberg mit dem Jägerhause sehen. In den letzten Lebenstagen ergriff Jörg oftmalsdie Hand seiner Gattin und deutete hinüber nach der Halbinsel indem er mit schwacherStimme sagte:
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