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so gerne im Sturms sprengen möchte. Aber selbst den Felsen untergräbt die Zeit, ichwill denken, daß sie Deinen Sinn mildert, und ihr, der versöhnenden das Geschick meinerLiebe überlassen. Vielleicht kehre ich auch nimmer wieder heim, aber laß mich nicht hinausziehen, zu loosen mit des Todes blutigen Würfeln, den Alp auf der Brust, der michverfolgen würde wie ein Dämon, daß Du Aliden das Asyl raubst, das Du ihr auf«gethan, die Stätte, wo unsere Jugend verstrich. Versprich nur, bis ich heimkehre, Alidanicht aus unserem Hause zu entfernen uud Du, Alida, versprich mir, auszuharren biszu meiner Rückkehr und eine Stütze meiner Mutter zu sein, wie Du es warst bisher.«
Einen Angenbiick lang zögerte Frau von Solmitz mit der Antwort, dann aber brachdoch das Gefühl der Mutter siegreich durch alle Bedenken.
„Ich verspreche es Dir; so lange Alida von Barfeld nicht vergißt, daß Ehre undAnstand die Grundpfeiler des Hauses von Solmitz, soll sie bei mir bleiben und müßteich sie von dieser Stätte weisen, so geschehe es nicht eher, als bis Du selber damit ein-verstanden. Bist Du zufrieden, Oscar? Du weiht, Deiner Mutter Wort ist heilig."
Der leicht erregte junge Mann schloß Frau von Solmitz in seine Arme. Seinleichtes Naturel ließ ihn nur in Idealen leben und ein Lichtstrahl dünkte ihm schon eineFlamme, die ihm Wärme spenden konnte.
„Und Tu, Alida?" fragte er dann, seinen Blick auf das Mädchen richtend.
Schweigend reichte Alida ihm die Hand; ihr Auge sprach, es sprach der leise Druck.
„Wie glücklich macht Ihr michi« rief Oscar; „nun weiß ich, daß Ihr vereint meinergedenkt und dort unten die Linde, mein Liebling, wird den Winden Eure Gedanken,Eure Wünsche zurauschen, daß sie nur Grüße hinübertragen in's ferne Feindesland. Euchaber empfehle ich mei'nen lieben Pflegling; er sei Vermittler zwischen mir und Euch.Und n enn er, der jetzt dasteht, prangend in üppiger Jugendkraft, verdorren sollte, vondes Sturmes Hand getroffen, so denket, daß mich mein Geschick ereilt, und eint EureGebete für meiner Seele Frieden."
Frau von Solmitz schüttelte leicht das Haupt, ihres Sohnes Sentimentalität be»rührte siicht ihr Herz, sie hatte kein Verständniß dafür. Doch hielt sie jede Aeußerungdarüber zurück und begnügte sich damit, zu erwidern:
„Dein Pflegling wird ferner blühen und gedeihen wie bisher, der Solmitz'sche Grundist guter Boden, und Du selber Oscar, wirst heimkehren frisch und blühend wie Duausgezogen, gereift an Körper und an Geist. Doch nun", fuhr rasch sie fort, als wollesie den Eindruck der letzten Bemerkung verwischen, ist es für Dich die höchste Zeit, wennDu noch zu den Ebersdorfern willst. Alida und ich wollen indessen die bsscheioene Aus-steuer des Kriegers besorgen."
(Fortsetzung folgt.)
Zrrr Geschichte des Augsburger Theaters.
Von Klara Reichn er.
II.
Schulkomödien und Studentenspiele.
„Meistersinger" und „Schulmeister" standen von je sich feindlich gegenüber, undzwar naturgemäß: aus Concurrenz-, aus Brodneid. Es ist bereits aus diese Feindschaf,hingewiesen worden, und zwar in Bezug auf die stete Fehde um ein passendes Lokaltallein die Concurrenz ging noch viel weiter, denn es handelte sich um mehr, als umeinen Streit wegen des Spiel-Raumes.
Die „Schulmeister" waren eben überhaupt von Anbeginn die Rivalen der Meister-singer im gewissen Sinn gewesen, indem die Letztern sich, z. B. seiner Zeit, als sie nochzum Neben-Erwerbzweig Gesangunterricht ertheilten, bitter darüber beklagten, daß die„Schulmeister" ihnen diesen Erwerb durch Eoncurrenz verkürzten.
Bon damals her also datirte bereits die Nebenbuhlerschaft, und reicht somit sehrweit zurück in Zeiten, wo eigentliches Theater noch gar nicht stattfand. Als später dann