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die Meistersinger-Zunft — im Jahre 1540 — ihr erstes Stück in der St. Martinsschule,nach erhaltener hoher, obrigkeitlicher Erlaubniß, zur Aufführung gebracht, ließ sehr baldder jung aufkeimende Ruhm der Meistersinger den „Schulmeistern" offenbar keine Ruhe,— wenigstens fingen sie schleunigst auch an, selbst Komödien zu dichten, und mit ihrenCchulknaben zur Aufführung zu bringen, obschon es nicht an einsichtsvollen Gemüthernfehlte, die da meinten, daß diese Komödienspiclerei der Schule just nicht zu Nutz undFrommen wäre.
So erhielt z. B. im Jahre 1549 der deutsche Schulhalier Kaspar Brunnenmaierdie Erlaubniß zuertheilt — sehr zum Schmerz der Meistersinger — mit seinen Knaben„zu einer Uebung und Anreiznng guter Sitten" eine Komödie aufzuführen. — DieseKomödie: „Von der Susanne" betitelt, war die erste „Schul-Komödie" in Augsburg ,(die einst im Mittelalter schon in Klosterschulsn stattgehabten Spiele waren — doch sehranderer Art —) und der Anfang einer neuen Reihe von Feindseligkeiten zwischen Meister-singern und Schulmeistern.
Zuweilen geschah es auch sogar, daß im eigenen Lager Verrath lauerte, indem esz. B. vorkam, daß auch „Singer" selbst mit zu den Feinden halfen, und gegen die eigeneZunft „agirten", wenn sie unzufrieden mit ihre» Rollen oder Einnahmen rc. waren, inFolge dessen die Meistersinger sich genöthigt sahen, nimo 1614 ihren Statuten die be-sondere Bemerkung anzufügen, daß es keinem Meistersinger gestattet sei, in den Schul-komödien der Schulhalier mitzuwi.ken. — Dazu gesellte sich der fortwährende Kampfum das Komödien-Lokal. Aus dem ehemaligen St. Mnrtinskloster hatten die bösen„Schulmeister" die armen Meistersinger schon verdrängt; — kaum aber waren diese mitihren Komödien nach erhaltener Bewilligung in's „neue Tanzhaus" übersiedelt, als auchdie Schulmeister flugs wieder da waren, lind auch ihrerseits Anspruch auf das neue
Lokal erhoben, um ihre: „Lustige Tragödie von der Zerstörung der Stadt Troja" dort-
selbst darzustellen.
So spielten dann die Schulhalter mit ihren Eleinentarschülern gegen Eintrittsgeldmit den Meistersingern um die Wette» — aber das war noch nicht Alles! — Auch dieStudienanstalten begannen im 16. Jahrhundert ihre „Schul- und Erziehungsspiele",welche — als etwas Neues — vielen Beifall fanden.
Diese „Studenten-Komödien" wurden durch einen geborenen Angsburger: stüstusWirk, in Augsburg eingeführt. Als 1531 das Karmelitenkloster zu St. Anna zur erstenLateinschule eingerichtet wurde, berief man ihn — 1536 — von der Schule zu Basel
und dem dortigen Lchrerposten als Rektor in seine Vaterstadt zurück. In Basel hatte
er derartige Spiele schon geleitet, und als nun im Jahre 1538 auch an der Schule vonSt. Anna die erste Studenten-Komödie unter dem Tirel: „I-no-noisi.-," zur Aufführunggelangte, war der Beifall schon deshalb, weil die Sache etwas Neues war, ein so all-gemeiner, daß die neue Schule von St. Anna sehr schnell davur h zu' Ehren kam- Zuerst
wurden diese Spiele oder „Uebungen" in einem Saal des Klosters, oder auch im „Ball-haus" abgehalten, das heißt, in einem Hause, welches ausschließlich zum Zwecke des injener Zeit sehp beliebten und gebräuchlichen Ballspiels erbaut worden war, und zwar er-hielt der Rektor Zsistus Birk für solche Darstellungen ein Geschenk von 2 Fl., währenddie Schüler mitsammen 6 Fl. bekamen. Seine Dramen sind meist in der Sammlung der»Orunmlu -märn" — 1547 in Straßburg erschienen — enthalten; — übrigens gingsein Werk nicht mit ihm zu Grabe. Auch sein Nachfolger im Amt brachte unter Anderemeine „Tragödie: „Von der Enthauptung Johanni's" zur Aufführung. — Als das Ball-haus abgebrochen, und statt dessen 1562 und 1563 die Stadtbibliothek erbaut wurde,spielte man die Studenten-Komödien sogar auf einem eigenen, kleinen Theater, welchesin einem unter der Bibliothek gelegenen Saale sich befirnd. — Durch zwei Jahrhunderte— bis zum Jahre 1737 — erhielten diese Spiele in St. Anna sich; — das zweihundert-
jährige Jubiläum der Lateinschule wurde noch feierlich von dem derzeitigen Rektor
Crophius mit seinen Schülern begangen, nachdem er im Jahre 1726 das neu eingerichtete