Ausgabe 
(24.2.1883) 16
 
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Theater durch eine von ihm selbst verfaßte Tragödie mit Chören und Tänzen betitelt:Syphax und Sophonisle", eröffnet hatte; wenige Jahre darauf im Jahre 1737 verschwanden indessen die Stude ten-Komödien von St. Anna gänzlich, welche einst-mals soviel Aufsehe» erregt und soviel Glück gemacht hatten.

Länger erhielten sie sich dagegen am Jesuiten -Gymnasium zu St. Salvator, er-richtet 1579 mit Beihilfe der Fugger von den Jesuiten, welche schon früher in München sehr glänzend ausgestattete Schülerspiele gegeben hatten, und nun derartige in Augsburg darstellten. Es waren dies die sogenanntenImäi uutumnules", welche jedes Mal zuSchluß des Schuljahres stattfanden, und die sogar in den Jahren 1618 bis 48, alsder 30jührige Krieg seine Geißel über Deutschland schwang, nicht lange stockten. Ueberdie Art dieser Aufführungen berichtet eine erhalten gebliebene, mit dem Jahre 1614 be-ginnende Sammlung derIMo-xceiu " (Programme, Textbücher), der verschiedenenStücke, welche die Studenten, die natürlich auch die Damenrollen spielen mußten, inlateinischer Sprache aufführten,'womit auch gleichzeitig die Bertheilung der Preise ver-bunden war; für die des Lateinischen nicht mächtigen Zuschauer waren die haupt-sächlichsten Details des Stückes in dem Ist'oopaotus deutsch enthalten.

Die Stoffe dieser Spiele pflegten der biblischen Geschichte oder Legende entnommenzu sein, und bestanden z. B. aus einemfröhlichen Schawspiel" oder einemTrauer-,Freuden-Spihle" in drei oder fünf Aufzügen, gewöhnlich niit einem musikalischenProlog beginnend, und in den Zwischenakten durch einen moralisirenden Chor fortgesetzt.Auch diese Solo- und Chorgesänge führten die Studenten selbst aus, komponirten siesogar theilweise selber. Außer den religiös gehaltenen Siücke», brachte man aber auchsymbolische Stücke zur Darstellung:Moralitäten " genannt, welche schon früher außergeistlichen Schauspielen in Frankreich, England, Italien z. B. schon seit Anfang des15. Jahrhunderts Sitte waren. Zum Unterschied mit denMysterien" (geistlichenSchauspielen) besaßen sie keine biblische Grundlage, sondern brachten irgend eine bestimmteMoral zur Anschauung, in welcher Tugenden und Laster persönlich auftraten, und inGesellschaft griechischer Götteragirten." So wurde z. B. im Jahre 1660 ein solchessymbolisches Stück zur Aufführung gebracht, d. h.auf frewdiger Schawbine gesangs-weise eröffnet ; Kupido und Diana traten darin neben Christus auf, welcher diesieben Todsünden und die höllischen Schaaren des Pluto besiegte.

Bis sie ein eigenes Theater besaßen, spielten die Studenten diese Komödien in derKirche von St Salvator oder im Saal des Klosters; auch wurde öfter vor hohen Gästengeistlichen und fürstlichen Standes gespielt. AuchFastnachtsspiele " wurden aufgeführt,z. B. zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts» Im Allgemeinen gabman die Stücke dreimal. Das erste Mal gewöhnlich allein für Frauen, und die folgen-den Male allein für die Männer; später vor 1736 sogar nur noch vorMännern.

Im Jahre 1712 bot die große Jubiläumsfeier des ViSthumspatrons von St. Ulrichden Studenten Veranlassung' ein großes Schauspiel:Der heilige Ulrich" betitelt, zurDarstellung zu bringen; nach und nach aber begannen die dargestellten Stücke mehrund mehr dem Zeitgeschmack,' dem veränderten, des Publikums sich anzupassen, sotrat die Legende und die lateinische Sprache fast ganz in den Hintergrund und historischeStoffe, in deutscher Sprache aufgeführt, »ahmen den Vorrang ein. Auch das Balletbegann eine Art von Rolle dabei zu spielen, nachdem durch wandernde Truppen Pantomimeund Ballet bekannt geworden waren, und so finden wir den» bereits im Jahre 171314 Tänzer erwähnt, und 1715 gar die Zahl 34, nebst einem Vortänzer angegeben,aus dem Jahre 1718 aber die folgende Anmerkung in lateinischer Sprache: Der ehren-geachtete Herr Johann Georg Krauß, Magister der Tanzkunst, studirte die Tänze denEdeln ein."

Im Jahre 1739 wurde bann, auf Kosten der Stadt, ein eigenes Theater, derKrrche von St. Salvator gegenüber für diese Studentenspiele gebaut, das 1743 feierlich