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schlossenen Raumes hart unter dem Fenster desselben angebracht war und sah auf dasWasser, das sich kräuselte und aufwirbelre unter der Einwirkung des Elementes.
Ein Mannestritt ertönte ganz in der Nähe, und um eine Ecke biegend, erschiendie Gestalt des Obcrlieutenants Edmund von Alten vor ihren Blicken; eine Wolke desUnwillens beschattete des jungen Mädchens Stirn.
Der Offizier war ein stattlicher Mann und ieni ganzes Wcien zeugte von demBewußtsein seiner Unwiderstehlichkeit dein schönen Geschlecht gegenüber, auch bei AlidaBarfeld hatte er es versucht, im Sturmschritt einen Eindruck zu machen, aber das jungeMädchen war ihm, ohne seine leicht gekränkte Eitelkeit zu verletzen, so ernst, so abwehrendentgegengetreten, daß sein Benehmen ihr gegenüber, ein völlig anderes, fast schüchternesgeworden war.
„So allein, Fräulein Alida, und das Gewitter über'm Haupt?" fragte er, in einigerEntfernung stehen bleibend.
„Sie sehen, Herr Obcrlieutenant, ich fürchte mich nicht", entgegnete das jungeMädchen artig, aber abweisend, „und ich will Ihre kostbare Zeit nicht rauben um Sieandern verzagenden Seelen in dieser Beziehung zu entziehen."
Aber Alten verstand den Wink nicht oder wollte ihn nicht verstehen.
„Sie sind hart, Fräulein Alida", sagte er, „und doch möchte ich so gern nichtallein im Unwetter der Natur Ihnen nahe sein; in den Stürmen des Lebens möchte ichIhnen Schutz und Schirm gewähren und Ihnen ein Glück verschaffen, ein Glück, dasSie vergebens in diesem Hause suchen."
Alida erhob sich. „Mein Herr, ich habe Ihnen gegenüber keine Klage geführt,die Sie zu dieser Deutung berechtigt, ich muß Sie bitten —"
„Sprechen Sie nicht das verbannende Wort AlidaI" rief der Offizier sie unter-brechend; „hören Sie mich an, ich beschwöre Sie, ich habe Ihre Stellung in diesemHause, der Frau von Solmitz gegenüber, beobachtet, sie ist eine unwürdige und ich möchteSie aus derselben befreien, möchte mit diesem Bewußtsein wenigstens in den Kampfziehen, aus dem die Wiederkehr fraglich, mit dein Bewußtsein, an einem Frauenherzen,das wich die Würoe des Weibes zum ersten Mal kennen gelehrt, gut gemacht zu haben,was ich an vielen verbrach."
„Und was gibt Ihnen das Recht, mich eben zum Gegenstand dieser Sühne erhebenzu wollen?" fragte Alida.
„Die Liebe; lächeln Sie nicht, Fräulein, ich spreche aus innigster Ueberzeugung»und daß ich es ernst meine, daß meine Absichten die reinsten, möge Ihnen der Beweis,liefern, daß ich Frau von Solmitz meine Absicht, Ihnen meine Hand und mein Herzanzubieten, mittheilte und sie bat, für mich als Fürsprecherin aufzutreten."
„Und was erwiderte Ihnen die gnädige Frau?" fragte Alida in höchster Spannung.
„Frau von Solmitz bemerkte nur, daß sie gern als Pflegerin der eitern- und mittel-losen Waise, deren Namen sie einzig und allein aus dem Munde ihrer sterbenden Muttervernommen, ihre Einwilligung zu einer Verbindung mit derselben geben würde, wenn ichdarein willigen wolle, einem Mädchen meinen Namen zu geben, das nicht einmal einPapier über ihre Herkunft zu produziren vermag, ja, mit meinem Ehrenwort verpflichtenwolle, jeder Nachforschung zu entsagen, die vielleicht ein für ihren Schützling unan-genehmes Resultat ergeben könne. Freudig willigte ich ein, ich will ja nur Sie selbst,Alida, Ihre Anmuth, Ihre Tugend, nicht Ihre Herkunft, und nun trete ich zu Ihnenund wiederhole meine Bitte, werden Sie die Meine, Alida, — Sie sollen es nichtbereuen." —
Das junge Mädchen reichte ihm warm und voll die Hand.
»Sie haben mir eine frohe Stunde bereitet, Herr von Alten, und ich danke Ihnendafür von ganzem Herzen; Ihre Hand kann ich nicht annehmen, ich bitte, ich beschwöreSie, forschen Sie nicht nach Gründen. Alida Barfeld vermag nicht zu lügen und dieWahrheit vermag ich Ihnen nimmer zu sagen. Um Eines aber bitte ich Sie. als