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Andenken an diesen Augenblick, wo ich einen Mann mit redlicher, offener Seele kennen sgelernt; kann ich auch nicht Ihre Braut werden, lassen Sie mich Jh^ Freundin sein,
Ihre Freundin, die Ihnen eine Gattin wünscht, besser und Ihnen würdiger, als das-Mädchen, zu dem tue Theilnahme des Mitleids Sie zog."
Zu den Füßen des jungen Mädchens stürzte der Offizier und drückte ihre Handan seine Lippen. „Alida, ist Ihr Spruch unabänderlich? Freund und stets nurFreundin?"
»Unabänderlich!"
Ein Räuspern ließ sich in der nächsten Nähe vernehmen, überrascht erhob sich der ^Offizier, seine blitzenden Augen schienen den Verwalter Streland durchbohren zu wollen,der sich langsam und unterwürfig näherte.
„Verzeihung, wenn ich störe", sagte er, lnicht ohne hämische Betonung, „hätte ich»ine Ahnung gehabt —"
„Was soll's?" herrschte der Oberlieutenant ihm zu.
„Ich suche den Herrn Oberlieutenant , um ihm zu melden, daß der Wagen schonseit geraumer Zeit angespannt und es die höchste Zeit ist, wenn der Herr Obsrlieutenantnoch die Stadt erreichen will."
„Ich komme", sagte der Offizier kurz, „begleiten Sie mich" und sich zu Alidawendend, im Ton der höchsten Ehrerbietung: „Leben Sie wohl, mein theures, verehrtesFräulein. Gott sei mit Ihnen."
Er wandte sich ab, wie um seine Erregung zu verbergen und dem Verwalter einenWink gebend, verließ er den Teich.
Immer dichter ballte sich der Wolkenknäuel, schon strich jenes Rauschen und Schwirren*>urch die Luft, das dem Ausbruch eines Gewitters vorher geht und einzelne, großeTropfen sielen schwer zur Erde.
Der Eindruck der jüngst vergangenen Augenblicke spiegelte sich in den Zügen des' Herrn von Alten, da er rasch die Allee des Gartens durchschritt; plötzlich blieb erstehen,und des hinter ihm eilenden Verwalters harrend, sagte er mit bewegter Stimme:
„Ich kenne Sie als treuen Diener Ihrer Herrschaft, Streland, und halte Sie für«inen achtungswerthen Mann. Daher glaube ich, Ihnen eine Erklärung der Sceneschuldig zu sein, deren Augenzeuge Sie eben waren, daß sie nicht in falscher Deutungausgelegt werde. Ich bot Fräulein Barfeld meine Hand an und Fräulein Barfeldschlug sie aus»
„Ihr Vertrauen ehrt mich, Herr Oberlieutenant", entgegnete Streland, sich tiefverneigend, „und bei dem lebhaften Interesse, das wir alle im Schlosse für den Schütz-ling der gnädigen Frau empfinden, kann ich nur doppelt bedauern, daß Fräulein Barfeldein positives Glück von der Hand wies, um sich vielleicht an unerreichbare Chimairen zuhängen."
„Es ziemt mir nicht, nach den Gründen des Fräuleins zu forschen", unterbrachihn der Offizier, „dennoch gebe ich nicht jeden Versuch auf, ihr Herz zu gewinnen. Ichberechnete im Voraus alle Chancen meiner Werbung, auch die der Abweisung und schriebdiesen Brief, der ihr noch beredter schildern wird, was ich für sie empfinde, als es meinMund vermag; nehmen Sie ihn, zugleich mit diesem Zeichen meiner Erkenntlichkeit", —eine kleine Geldrolle schob sich plötzlich in des Verwalters Hand — „und versprechenSie mir, bei paffender Gelegenheit Fräulein Barfeld dieses Schreiben zuzustellen."
Der Verwalter steckte das versiegelte Couvert, das ihm der Offizier einhändigte, inseine Tasche: „Verlassen Sie sich auf mich«, sagte er.
„So scheide ich ruhig; leben Sie wohl und richten Sie der Herrschaft meineScheidegrüße aus,"
(Fortsetzung folgt.)