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Arrsgravrmg des Römerkastells bei Jsny .
(Aus dem Schwab. Merkur.)
Dieselbe fand aus Staatskosten statt in der ersten Hälfte des Monats Septembervorigen Jahres unter Leitung des Landeskonservators und des Kustos der kgl. Staats-sammlung vaterländischer Alterthümer. Dieses Kastell, eines von den kleineren, liegteine schwache halbe Stunde östlich der Stadt Jsny auf der sog. Betmauer, einem denBlick in etwa sieben Thäler eröffnenden, schon von Natur leicht zu vertheidigende»Moränenhügel. Nur an der Südseite mußte derselbe durch einen künstlichen Graben vomübrigen Erdreich losgetrennt werden, sonst zeigt er überall natürliche Steilränder, denenblos an einigen Stellen nachgeholfen werden mußte. Gegen Osten fällt der Hügel garhoch und schroff in das Argenthal ab, und der Fluß fließt unweit des Hügels rauschenddahin, während die Nord- und Westseite ursprünglich mit Leichtigkeit unter Wasser gesetztwerden konnte. Die Höhe des Hügels über der Ostseite, d. i. der Argenseite, beträgt12—14m, über den anderen Seiten 5—6m. Auf diesem schon durch seine Höhen-verhältnisse beherrschenden Hügel wurde das Kastell, der natürlichen Form des Hügelssich anpassend, in länglichem Fünfeck errichtet. Die längste Seite gegen Osten, gegen dieArgen hin, mißt 83m, die gegen Süden bim, die gegen Westen 47,70m, gegen Nord-west 83, und gegen Norden 23 m; also betrug der Umfang der Kastellmaner gegen238 m. An der am meisten gefährdeten Südwestecke trat dann ein viereckiger Thurmvon etwa 4>/.,m Seitenlünge schirmend hinaus. Die ringsum laufende Mauer hatte diebedeutende Dicke von 2 m. Bor der Mauer zeigten sich Neste eines gsmörtelten Um-ganges, der ohne Zweifel an der Kante des Hügels durch Pallisaden geschützt und um-geben war. Innerhalb der Ringmauer fanden sich keinerlei Spuren von Mauerwerk,dagegen unweit der Mitte der Südseite ein 5,70 m tiefer, oben runder, unten quadra-tischer und mit Holzdielen ausgefütterter Brunnenschacht, in den sich von Osten her durcheinen hölzernen Teuchel Wasser ergoß. Die Ringmauer selbst bestand aus Findlings-oder Tuffsteinen mit viel Mörtel, war aber nirgends mehr gut erhalten, an verschiedenenStellen sogar ganz ausgebrochen. Am höchsten stand noch der Thurm an der Südwestecke,nämlich noch einige Fuß hoch. Im Kastell fanden wir kaum ein paar Sigelerdescherbenund unbedeutende Eisenrestc, aber ziemlich viele römische Kupfermünzen, freilich oftmalsbis zur Unkenntlichkeit verrostet. Nach Bestimmung derselben durch den Vorstand derkgl. Staatssammlung- Herrn Professor Dr. Seyffer, gehen die Typen der Reverse derMünzen nicht über 250—260 n. Chr. zurück und lassen vermuthen, daß die Grundlagedes Baues aus später Zeit, aus der Mitte des dritten Jahrhunderts stammt. Besetztwar derselbe bis Ende des vierten Jahrhunderts. Die erste kenntliche Münze datirt268—270, die letzte 364—378. Die bestimmbaren Stücke sind: Claudius il. (268bis 270), Probus (276—282), Theodora, zweite Frau des Constantius Chlorus (305bis 306), ConstanS I. (337-350), Valens (364—378).
Neben diesen Aufschluß gebenden Münzfunden ist das Jsnyer Kastell höchst wichtigwegen seiner von den bisher bei uns in Württemberg aufgedeckten röm. Kastellen starkabweichenden Anlage. Nehmen wir die Limeskastelle, z B. Mainhardt, das voreinigen Jahren bekanntlich gleichfalls auf Staatskosten aufgedeckt und vermessen wuroe,so springt der Unterschied sofort in die Augen. Das Mainhardter Kastell ist bedeutendgrößer, hatte 193 m äußere Länge bei l42m Breite und war ganz regelmäßig angelegt,mit Eckthürmen und doppelthürmigen Thoren, versehen, aber seine Umfassungsmauer1,29—1,25 m breit, wogegen das viel kleinere bei Jsny eine Ringmauer in der Dickevon 2 m besaß. Im Mainhardter Kastell lehnte sich die Umfassungsmauer als Futter-mauer an einen hinter ihr rings umlaufenden Erdwall; hier am Jsnyer Kastell standdie Mauer frei und hatte vor sich einen gemörtelten Wandclgang. Die Mauer amMainhardter Kastell hatte jedenfalls eure bescheidene Höhe, die am Jsnyer kann dagegenihrer unteren Dicke nach etwa auf 30 Fuß angenommen werden. Die Anlage nähertsich schon ganz merklich dem mittelalterlichen Burgensystem, woselbst eine gewaltige Ring«