Ausgabe 
(28.2.1883) 17
 
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Himmelsschau im Monat März.

X. Merkur hat am 3. seinen größten westlichen Abstand von der Sonne,geht 1>/z Stunden vor der Sonne unter und kann am südöstlichen Himmel beobachtetwerden. Wegen der großen Sonnennähe ist Merkur selten gut sichtbar und dann nurkurze Zeit in der Morgen- oder Abenddämmerung. Der Umstand, daß er am 17. nur1" südlich von Mars steht, wird sein Auffinden an diesem Tage sehr erleichtern.

Venus L steht als Morgenstern zwischen Steinbock und Wassermann und nimmtan Glanz allmülig wieder ab; sie geht vor 5 Uhr Morgens in SO. auf, erreicht nach9 Uhr Vormittags ihre größte Tageshöhe und verschwindet um 2 Uhr Nachmittags inSW. Am 6. steht sie 3" südlich vom Mond.

Mars läuft im Wassermann vorwärts und steht in der Morgendämmerung sehrniedrig in SO.; am 8. befindet er sich 6" südlich vom Mond.

Jupiter R im Stiere bewegt sich gegen die Zwillinge, geht gegen 10 Uhr Vor-mittags auf, steht zwischen 7 Uhr und 6 Uhr Abends im Meridian und verschwindetzwischen 8 Uhr und 2 Uhr früh am nordwestlichen Horizont. Am 15. findet man ihn30 nördlich vom Mond.

Von seinen Trabanten werden sichtbar verfinstert der I. am 7., 22., 23.,30.; der II. am 7., 14., 31.; der III. am 24.

Saturn H bewegt sich vom Widder gegen den Stier, geht 1 Stunve vor Jupiterauf und 3 Stunden vorher unter. Am 13. Mittags wird Saturn vom Monde bedeckt.

Am Anfange des Monats ist bei mondleeren Nächten bald nach Sonnenuntergangdas Zodiakallicht in der Richtung der Sternbilder des Thisrkreises als Heller Licht-streifen sichtbar. Zur Erklärung dieser Erscheinung nehmen die Astronomen einen Nebel-oder Staubring an von geringer Dichtigkeit aber bedeutender Breite, durch dessen Be-leuchtung das Zodiakallicht entsteht, und der nach den einen zwischen der Venus- undder Erdbahn um die Sonne, nach anderen zwischen dem Mond und der Erde um letztereschwingt.

M i s - s l r e n.

(Wagner, durch M e y e r b e e r empföhle n.) W. Tappert bringt in derAllg.Deutschen Musik-Ztg." folgenden von Meyerbeer unterm 18. März 1841 an den General-Intendanten des sächsischen Hoftheaters Herrn v. Lüttichau gerichteten hübschen Brief:Ihre Excellenz werden mir vergeben, wenn ich Sie mit diesen Zeilen belästige, ich er-innere mich aber Ihrer steten Güte für mich zu lebhaft, um einem jungen interessante»Landsmann es abschlagen zu dürfen, wenn er, mit vielleicht zu schmeichelhaftem Vertrauenauf meine Einwirkung auf E. E., mich bittet, sein Anliegen mit diesen Zeilen zu unter-stützen. Herr Richard Wagner aus Leipzig ist ein junger Komponist, der nicht allein einetüchtige musikalische Bildung, sondern auch viel Phantasie hat, außerdem auch eine all-gemeine literarische Bildung besitzt und dessen Lage wohl überhaupt die Theilnahme infeinem Vaterlande in jeder Beziehung verdient. Sein größter Wunsch ist, die OperNienzi", deren Text und Musik er verfaßt hat, aus der neuen königlichen Bühne zuDresden zur Aufführung zu bringen. Einzelne Stücke, die er mir daraus vorgespielt,fand ich phantasiereich und von vieler dramatischer Wirkung. Möge der junge Künstlersich des Schutzes E. E. zu erfreuen haben und Gelegenheit finden, sein schönes Talentallgemeiner anerkannt zu sehen. Ich nehme nochmals die Nachsicht E. E. in Anspruchund bitte Sie, mir Ihr geneigtes Wohlwollen zu erhalten. Hochachtungsvoll E. E. er-gebenster Diener Meyerbeer ." Die eutgilrige Entscheidung ließ trotz alledem noch ziemlichlange auf sich warten, denn erst am 21. Juni 1841 meldete die königliche General-direktion dem sehnsüchtig harrenden Komponisten:Nachdem nunmehr sowohl das Text-buch Ihrer anher gesandten OperNieuzi", als die Partitur derselben sorgfältigst geprüftworden, ist es mir angenehm, Ihnen die Zusicherung der Annahme dieser Ihrer Operzu geben und wird dieselbe, sobald thunlich, hoffentlich im Laufe des nächsten Wintersauf dem königlichen Hoftheater zur Darstellung kommen."