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Ütttcrliiiltiitt
zur
„Augsbilrger Postseitung."
Nr. 1S.
Samstag, 3. März
Fasten- Elegie.
„b'ecorunt sibi vitulam oouüatilem et aäoraveruut,"
II. Aiosis 32, 8.
Ernste Schatten liegen auf der Erde,
Ernste Bilder schweben vor dem Sinn!
Sehnend, daß ein neuer Frühling werdeSchleppt der Wintermüde sich dahin.
Tage des Erbarmens,
Tage des ErbarmensKommt ihr wieder mit dem Amselschlage,
Kommt ihr wieder gottgeschenkte Tage,
Da die Wahrheit von der Höhe rauscht,
Und das Volk aus seine Priester lauscht?
Aus dem Berg in flehendem VerlangenVor dem Herrn des Himmels Moses kniet.
Hat den hehren Gottesschatz empfangen,
Wie voll Ehrfurcht seine Wange glüht ISelig steigt er nieder —
Wehe! welche LiederFüllen mit Getöse rings die Lüste;
Welchem Götzen diese Weihraucbdüste?
Welch' ein Irrwahn hat das Volk ersaßtDaß es so den Weg des Heils verlaßt?
In des Tabernakels heil'ger StilleOpfert Jesus für sein Volk sich dar:
„Vater I es gcscheh' an mir Dein Wille,
Bin Erlöser der bethörten Schaar!"
Hier das tieie Schweigen —
Dort der laute Reigen: ,
Das Idol geschmückt mit Blumenkränzen,
Jubclraufch und Rausch bei Todtentänzen . . .
Horch! wie flehend am Altar es spricht:„Vater! was sie thu», sie «issens nicht.
F. v. Hoffnaaß.