Ausgabe 
(3.3.1883) 18
 
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Probe, wiegt einer Feder Schwere sie auf. Alida, begreifst Du denn nicht, daß es daseinzige Mittel ist, die unseligen Verhältnisse in diesem Hause zu lösen, das einzige Mittel,Oscar der Vernunft wiederzugeben und ihn dein blinden Strohfeuer der Leidenschaft zuentreißen, wenn Du die Hand Edmund's von Alten annimmst? Alida, bedenke, daßDiejenige dies Opfer von Dir verlangt, wenn es wirklich ein Opfer zu nennen, der DuAlles verdankst, ohne deren Beistand Du verkommen wärest, einer namenlosen Fremdenblutarmes Kind, preisgegeben allen Gefahren der Dürftigkeit, allen Versuchungen desLasters."

Ich danke Ihnen, gnädige Frau, was Sie an mir gethan, danke Ihnen ausHerzensgründe", entgegnete Alida bewegter,und nicht, wie Sie meinen, will ich durchschnöde Undankbarkeit Ihnen lohnen, nicht zwischen Sie und Oscar treten, zwischenMutter und Sohn ein feindliches Element. Ich liebe Oscar, ja, gnädige Frau, ich liebekhn mit aller Innigkeit eines jungen Herzens, aber ich erstrebte nicht seine Hand. Auchder lieblichen Fanny gehört sein Herz in reiner Neigung und gern stehe ich zurück, wennich weiß, daß es zu seinem Glücke dient. Oscar's Entfernung sei der Prüfstein seinerSeele; fern von uns beiden mag sie entscheiden zwischen uns und deuten wird uns desHeimgekehrt«» erste Begrüßung, wen seine Neigung als treue Schwester, wen als geliebteBraut erkor. Und trifft mich das Schwesterloos, fast glaube ich selbst daran, dann nullich ohne Groll ihn vereint sehen mit Fanny von Ebersdorf, will entsagend in die Fernegehen, aber eines Andern Gattin werden niemals."

Und als wollte der Himmel selbst das Wort Aliden's bekräftigen, dröhnte dumpfein mächtiger Donnerschlag, dem ein Blitzstrahl folgte.

Frau von Solmitz' Zorn flammte auf; alle ihre Hoffnungen, Alida auf anständigeWeise versorgt und aus dem Schlosse entfernt zu sehen, die Beruhigung, jeder weiterenNachforschung überhoben zu sein, war mit einem Schlage durch die entschiedene WeigerungAlidens vernichtet und von Neuem mußte sie fürchten.

Und wenn ich Ihnen nun die Bedingung stelle, die Hand des Herrn von Altenzu acceptiren, die Sie in verblendetem Hochmuth verworfen, um Unglück unv Zwist überein friedliches Haus zu bringen, oder dieses Schloß sofort zu verlassen? Wenn ich meineHand von Ihnen ziehe, da Sie mir offen Trotz zu bieten wagen, um Sie zurückzustoßenin das Elend dem ich Sie entrissen?"

Sie werden mir d es Asyl nicht entziehen» ehe Oscar von Solmitz heimkehrt;gedenken Sie unseres Versprechens, gnädige Frau, am Tage seines Scheidens", entgegneteAlida mit zitternder Stimme.Darf ich so glücklich sein, ihn gesund und unverletzt dieRäume seines väterlichen Schlosses betreten zu sehen, dann, fest steht mein Entschluß,verlasse ich von selber dieses Haus, um in der Ferne, vergessen und verborgen, mir eineZukunft zu suchen."

Und Sie meinen, Hermine von Solmitz durchschaue nicht das plumpe Manövereiner Coquette, unter der Larve der Demuth und Sanflmuth, um einen verblendetenJüngling noch tiefer in ihr Netz zu ziehen? Nun, ich hoffe, mein Sohn wird ein Anderer,an Erfahrungen reicher heimkehren und wenn nicht bei Gott, ich sähe ihn liebernimmer wiederkehren"

»Halten Sie ein, Sie beschwören das Schicksal!" schrie Alida in höchster Leiden-schaft.

Als daß ich in meinen Enkeln die Frucht einer Mesalliance umarmen mußte."

Gott , allmächtiger Gott, höre sie nicht, nicht auf sein Haupt komme der Frevelferner Mutter."

Wie flehend hob Alida die Hände empor zum fahlen Gewitterhimmel. Aber alszürne die Natur, dröhnte in seinen vollen Schlägen der Donner, zuckte Blitz auf Blitzmit grellem Schein durch das Gemach und beleuchtete das bleiche Antlitz der Gutsherrin,die krampfhaft die Hand auf das Herz preßte und ihre Bewegung über das furchtbareWort nicht zu verbergen vermochte, das thr entfahren.