Ausgabe 
(3.3.1883) 18
 
Einzelbild herunterladen

142

schein Muster entworfen hatte. Unterdessen hatte die Familie Dresden wieder verlassenund war nach Leipzig zurückgezogen; Richard besuchte die Nikolaischule; wurde hieraberfaul und lüderlich" (wie er selbst erzählt), weil ihm nur noch sein großes Trauer-spiel am Herzen lag.

Höchst charakteristisch für den künftigen Dichtercomponisten ist es nun, daß er seingroßes Trauerspiel auch sofort mit Musik ausstatten wollte; Beethovens Musik zuEgmont" hatte ihn dazu begeistert. Weber (Freischütz) und Beethoven (Symphonien)waren schon damals seine Ideale; sie sind es immer geblieben. Er studierte nun heimlichGeneralbaß und faßte schon damals den Entschluß, Musiker zu werden, was harte Kämpfemit seiner Familie verursachte, als diese endlich dahinter kam. Dennoch setzte er seinenWillen durch (er war damals 16 Jahre alt geworden) und erhielt nun theoretischenUnterricht bei einem tüchtigen Musiker, dem er aber viel Noth machte, weil Richard dieTheorie zu trocken und langweilig fand. Er zog es vor, Ouvertüren im größten Stylezu componiren, von denen eine sogar im Leipziger Theater zur Aufführung kam unddurchfiel. Jetzt fürchtete seine Familie, daß auch als Musikernichts Gescheidtes" ausihm werden würde, und Richard bezog die Universität, nicht um sich einem Facultäts-studium zu widmen, sondern um Philosophie und Aesthetik zu hören; diese Collegien ver-nachlässigte er aber ebenso, wie die Musik. Richard gab sich einem wilden Sludenten-leben hin, das ihn jedoch bald genug anwiverte.

Dies führte zu einem glücklichen Wendepunkt in Richard's Jugendleben. Er kamzur Besinnung und raffte sich auf; er fühlte die Nothendigkeit eines streng geregeltenStudiums der Musik, und die Vorsehung ließ ihn in dem trefflichen Kantor an derThomasschule in Leipzig, Theodor Weinlig (der damals auch Dirigent der Gewandhaus -Concerte war) den rechten Mann finden, der ihm Liebe zum ernsten Studium einflößteund einen tüchtigen Contrapunktisten aus ihm machte. Damals lernte Richard auchMozart innig erkennen und lieben; bis an sein Ende gehörte dieZauberflöte" zu feinenLieblingsopern, die noch im November 1880 bei seiner Anwesenheit in München aufWagners speciellen Wunsch zur Aufführung kam.

In Leipzig entstanden auch seine ersten Kompositionen, von denen eine Symphonie1838 im Gewandhause aufgeführt wurde. Die französische Julirevolution warf ihn mittenin den Strudel des so sehr bewegten geistigen Lebens von damals hinein, er ward nun-mehr Operncomponist. Die Schröder-Devrient erschloß ihm, vor allem durchihren Fidelio, den' vollen GM der musikalischen Bühne, sie blieb wo er ging und standsein Vorbild in plastischen Gestalten seiner Ideen für die Oper. Eigene Jugendversuchewaren vorerst erfolglos. Er ward Theater-Kapellmeister, zunächst in Rudolstadt undMagdeburg, dann in Königsberg und Riga . Das Elend kleiner deutscher Verhältnisseführte ihn von hier 1830 jählings nach Paris ; es war die Zeit, wo Meyerbeer's Sternglänzte; ihm wollte er es gleichthun, es entstand seine erste große Oper, der Rie nzi.Die Fahrt durch die norwegischen Schüren aber hatte ihm auch bereits das Sujet desfliegenden Holländers vertraut gemacht« Seine Seelensehnsucht begriff er, als er jetzt inParis erst recht das Darniedergeworfene alles deutschen Lebens erkannte. Die gleicheSehnsucht nach dem Heimathlichen, Eigenen und Wahren führte ihm dort bereits auchTannhäuser und Lohengrin zu. Als Rienzi in Dresden, Holländer in Berlin angenommenwaren, kehrte er 1842 in die Heimath zurück, wo er zum ersten Male den ihm gefeitenNibelungenstrom sah. Der Erfolg des Rienzi machte ihn im Jahre 1843 zum königlich-sächsischen Hofkapellmeister.

Die innere Versenkung in die tiefe Poesie unserer heimischen Mythenwelt enthüllteihm aber bald den bloßen Scheinglanz jener Bühne, die damals von Paris aus die Weltbeherrschte, er wollte vor allem den wahren dichterischen Gehalt auch für die Oper er-obern. DieserHandlung" sollte selbst die Musik nur den tiefen, seelischen Untergrundbereiten und der Gesang allüberall deutliche Rede sein. Er übertrug Glucks Forderung